Von Redaktion

Jeder Vierte nutzt KI für Gesundheitsfragen

Laut Deloitte-Befragung 2025 nutzen 25 % der Deutschen KI für Gesundheitsfragen – dreimal mehr als ein Jahr zuvor. DiGA dürfen bald ePA-Daten lesen.

Knapp jeder vierte Deutsche greift mittlerweile auf Künstliche Intelligenz zurück, wenn er sich über Gesundheitsthemen informiert. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung von Deloitte, die im September 2025 mit 1.120 Teilnehmenden durchgeführt wurde. Im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei neun Prozent – ein Anstieg, der in der Geschichte der deutschen Gesundheitsdigitalisierung bisher keine Parallele hat.

Von neun auf 25 Prozent in einem Jahr

Laut Deloitte-Befragung (September 2025) sind es vor allem allgemeine KI-Anwendungen wie ChatGPT oder vergleichbare Sprachmodelle, die Patientinnen und Patienten für ihre Gesundheitsfragen nutzen: 20 Prozent der Befragten haben solche Tools bereits eingesetzt. Symptom-Checker der Krankenkassen oder Krankenhäuser erreichen dagegen nur acht Prozent. „Die Patienten übertragen ihre Gewohnheiten aus anderen Lebensbereichen auf den Gesundheitsmarkt", sagt Ibo Teuber, Partner bei Deloitte und verantwortlich für den Gesundheitssektor. Wer daheim per Chatbot Rezepte sucht oder Kaufentscheidungen vorbereitet, tut dasselbe beim nächsten Symptom.

Gleichzeitig wächst die Akzeptanz: 49 Prozent der Befragten sehen im KI-Einsatz in der Medizin eher eine Chance als ein Risiko. Und 25 Prozent geben an, bereit zu sein, ihre Ärztin oder ihren Arzt zu wechseln – nämlich dann, wenn ein anderer Mediziner KI gezielt einsetzt. Das ist ein Signal, das niedergelassene Ärzte und Kliniken kaum ignorieren können.

Bereitschaft zur Datenteilung auf neuem Höchststand

Eng verbunden mit der wachsenden KI-Nutzung ist eine veränderte Haltung zum Thema Gesundheitsdaten. Laut Deloitte-Befragung geben 65 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher an, ihre Gesundheitsdaten teilen zu wollen – 2024 waren es noch 47 Prozent. Das entspricht einem Plus von 18 Prozentpunkten innerhalb eines Jahres. Gleichzeitig haben bislang nur zehn Prozent der Befragten der elektronischen Patientenakte (ePA) widersprochen. Das Bundesgesundheitsministerium strebt eine Zustimmungsrate von 80 Prozent bis Ende 2025 an.

Die ePA ist dabei nicht nur eine Ablage für Befunde. Sie wird schrittweise zum zentralen Datendrehkreuz des deutschen Gesundheitssystems. Nach den Regelungen des Digital-Gesetzes (DigiG) können Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) und Digitale Pflegeanwendungen (DiPA) künftig mit ausdrücklicher Einwilligung der Versicherten auf ePA-Daten zugreifen, wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erläutert. Das bedeutet: Eine Therapie-App könnte Labordaten oder Medikationspläne aus der ePA lesen und Empfehlungen personalisieren – vorausgesetzt, die Patientin oder der Patient stimmt ausdrücklich zu und kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen.

Digitale Angebote noch immer wenig bekannt

Trotz der steigenden KI-Nutzung zeigt die Deloitte-Befragung eine paradoxe Lücke: Während 25 Prozent der Deutschen aktiv KI für Gesundheitsfragen nutzen, wissen 60 Prozent fünf Jahre nach ihrer Einführung noch immer nicht, was eine Digitale Gesundheitsanwendung überhaupt ist. Auch Telemedizin ist bei mehr als vier Fünfteln der Befragten (82 Prozent) noch nie ausprobiert worden – weil die Angebote entweder unbekannt sind oder grundsätzliche Bedenken bestehen.

Besonders betroffen sind ältere Menschen und Patientinnen und Patienten im ländlichen Raum. Gerade sie könnten von digitalen Gesundheitsangeboten profitieren – etwa von DiGA zur Begleitung chronischer Erkrankungen oder von Telemedizin-Plattformen, die lange Anfahrten ersetzen. „Bei Älteren sowie bei Menschen in ländlichen Regionen sind diese Angebote am wenigsten bekannt und werden kaum genutzt, obwohl diese Patienten stark davon profitieren könnten. Hier muss dringend mehr getan werden", mahnt Deloitte-Partner Teuber.

Für die Anbieter von Gesundheits-Apps, DiGA und Telemedizin-Plattformen bedeutet das zweierlei: Das Momentum für digitale Gesundheit ist real – die Bereitschaft ist da, die Daten fließen, die Offenheit für KI wächst. Aber das Fenster öffnet sich noch nicht für alle gleichermaßen. Wer jetzt in Sichtbarkeit und Benutzerfreundlichkeit investiert, kann Patientengruppen erreichen, die die klassischen Verbraucher digitaler Gesundheitsangebote bislang nicht waren. Auf bestes.com findest du DiGA, Telemedizin-Plattformen und weitere digitale Gesundheitsangebote im unabhängigen Überblick.

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