Vorsorge FemTech Studie
Von Bestes.com Redaktion
HPV-Impfung 2026: 87 Prozent weniger Gebärmutterhalskrebs – und Deutschland hinkt hinterher
Die HPV-Impfung verhindert nachweislich Gebärmutterhalskrebs. Eine Lancet-Studie belegt 87 % Schutz. Doch Deutschlands Impfquoten bleiben zu niedrig.
Zum Welt-HPV-Tag am 4. März 2026 hat das Deutsche Gesundheitsportal auf eine ernüchternde Bilanz hingewiesen: Obwohl die HPV-Impfung mittlerweile eindeutig vor Gebärmutterhalskrebs schützt, liegt die Impfquote bei deutschen Mädchen mit 15 Jahren erst bei 55 Prozent für eine vollständige Serie – bei Jungen sind es gerade einmal 36 Prozent. Dabei ist die Schutzwirkung beeindruckend gut belegt.
## Was HPV ist – und warum die Impfung so wichtig ist
Humane Papillomviren (HPV) sind die häufigsten sexuell übertragbaren Erreger weltweit. Die meisten Infektionen verlaufen unbemerkt, doch bestimmte Hochrisikotypen – vor allem HPV 16 und HPV 18 – können Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) verursachen. In Deutschland erkranken jährlich rund 4.400 Frauen daran, etwa 1.600 sterben daran. Darüber hinaus sind HPV verantwortlich für Gebärmutterhalskrebs-Vorstufen (CIN), Genitalwarzen (Kondylome) sowie Krebserkrankungen an After, Penis, Vagina, Vulva und im Oropharynx.
Die gute Nachricht: Eine Impfung kann dieses Risiko massiv senken – sofern sie früh genug erfolgt.
## Lancet-Studie: 87 Prozent weniger Gebärmutterhalskrebs in England
Die bislang wirkungsvollste Langzeitstudie stammt aus England und wurde im Fachmagazin *Lancet* veröffentlicht. Britische Forscherinnen und Forscher hatten über 13 Jahre die Daten von Millionen junger Frauen ausgewertet, die zwischen 2008 und 2019 geimpft worden waren. Ergebnis: Bei Mädchen, die im Alter von 12 bis 13 Jahren geimpft wurden, sank die Gebärmutterhalskrebs-Rate um **87 Prozent** im Vergleich zu Ungeimpften. Bei einer Impfung mit 14 bis 16 Jahren betrug der Schutz noch 62 Prozent, bei 16 bis 18 Jahren noch 34 Prozent (Falcaro et al., *Lancet* 2021).
Die Studie liefert erstmals den direkten Nachweis: Die HPV-Impfung schützt nicht nur vor Krebsvorstufen, sondern tatsächlich vor dem Krebs selbst. Bis Juni 2019 hatten die Impfprogramme in England schätzungsweise 450 Zervixkarzinom-Erkrankungen und über 17.000 Krebsvorstufen verhindert, wie das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) berichtete.
## Wie die Impfung wirkt – und welche Impfstoffe es gibt
In Deutschland ist derzeit ein neunvalenter Impfstoff zugelassen: Gardasil 9 (MSD) schützt vor neun HPV-Typen – darunter die Hochrisikotypen 16, 18, 31, 33, 45, 52 und 58 sowie die für Genitalwarzen verantwortlichen Typen 6 und 11. Der Schutz ist am höchsten, wenn die Impfung vor dem ersten Sexualkontakt erfolgt, da dann noch keine Exposition gegenüber HPV stattgefunden hat.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt die HPV-Impfung seit 2007 für Mädchen und seit 2018 auch für Jungen, jeweils im Alter von 9 bis 14 Jahren. Laut aktualisierter Empfehlung vom Juni 2025 können Nacholeitungsimpfungen bis zum 17. Geburtstag auf Kassenkosten erfolgen. Bei einem Impfbeginn vor dem 15. Geburtstag genügen zwei Dosen, danach sind drei Dosen erforderlich.
## Deutschlands Impfquoten: deutlich unter WHO-Ziel
Die WHO empfiehlt eine Impfquote von mindestens 90 Prozent bei Mädchen bis zum Alter von 15 Jahren, um eine gesellschaftliche Herdenimmunität zu erreichen und Zervixkarzinome zu eliminieren. Deutschland liegt mit 55 Prozent bei Mädchen weit darunter.
Laut Bundesgesundheitsministerium läuft seit 2023 die vom BMG geförderte Studie **InveSt HPV** am Robert Koch-Institut, die bis 2026 wissenschaftlich erprobte Ansätze zur Steigerung der HPV-Impfquoten testet. Modul 1 evaluiert Recall-Systeme, die Eltern und Jugendliche zeitgerecht an Impftermine erinnern. Modul 2 schult medizinisches Fachpersonal in Motivational-Interviewing-Techniken, um Impfzögerlichkeit zu überwinden.
"Impfen schützt nicht nur Einzelne, sondern die gesamte Gesellschaft", erklärte RKI-Präsident Lars Schaade anlässlich der Europäischen Impfwoche im April 2025. "Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, die HPV-Impfquoten deutlich zu erhöhen."
## Wer sollte sich impfen lassen?
Die STIKO-Empfehlung lautet: Impfung möglichst früh, idealerweise im Alter von 9 bis 14 Jahren. Auch ältere Jugendliche und junge Erwachsene bis 26 Jahre profitieren noch – der Schutz ist zwar geringer, aber vorhanden. Für Erwachsene über 26 Jahre kann eine Impfung individuell sinnvoll sein und sollte ärztlich besprochen werden.
Wichtig: Die HPV-Impfung ersetzt nicht die regelmäßige gynäkologische Krebsvorsorge (Pap-Abstrich, seit 2020 auch HPV-Test ab 35). Geimpfte Frauen sollten weiterhin an Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen.
## Sicherheit der Impfung
Die HPV-Impfstoffe gehören zu den am gründlichsten untersuchten Impfstoffen weltweit. Das Paul-Ehrlich-Institut überwacht kontinuierlich die Sicherheit in Deutschland. Häufige Nebenwirkungen sind lokale Reaktionen an der Einstichstelle (Schmerz, Rötung, Schwellung) sowie leichtes Fieber. Schwerwiegende Ereignisse sind extrem selten und werden intensiv nachverfolgt.
Das Europäische Netzwerk der Zulassungsbehörden (ECDC) sowie die Weltgesundheitsorganisation stufen die HPV-Impfstoffe nach jahrzehntelanger Anwendung als sehr sicher und wirksam ein.
## Was jetzt zu tun ist
Für Eltern: Das Impfgespräch in der Kinderarztpraxis aktiv suchen – am besten zwischen dem 9. und 12. Lebensjahr des Kindes. Die Impfung ist gesetzlich versichert und kostenlos.
Für Jugendliche: Auch wer die Grundimmunisierung verpasst hat, kann bis zum 17. Lebensjahr auf Kassenkosten nachholen. Informationen bietet das RKI-Faktenblatt sowie der Krebsinformationsdienst des DKFZ.
Auf bestes.com finden Sie geprüfte Gesundheits-Apps für Impferinnerungen sowie Informationen zu Präventionsangeboten in Ihrer Region.
---
**Quellen:**
- Falcaro et al.: "The effects of the national HPV vaccination programme in England", *The Lancet* (2021); https://doi.org/10.1016/S0140-6736(21)02178-4
- DKFZ: "Die HPV-Impfung schützt vor Krebs – lang erwartete Bestätigung nun veröffentlicht" (2021); https://www.dkfz.de
- RKI: "Schutzimpfung gegen Humane Papillomviren (HPV) – Impfempfehlung" (Stand: 6.6.2025); https://www.rki.de
- Bundesgesundheitsministerium: InveSt HPV Studie (2023–2026); https://www.bundesgesundheitsministerium.de
- Deutsches Gesundheitsportal: "Welt-HPV-Tag 4. März 2026"; https://www.deutschesgesundheitsportal.de