Von Redaktion

Holzöfen: Neue Studien zeigen Demenz- und Lungenrisiko durch Feinstaub

Mehrere Studien aus 2025 belegen: Holzöfen belasten Lunge, Herz und Gehirn stärker als bisher bekannt. Was Kaminnutzer wissen sollten.

Ein prasselndes Kaminfeuer gilt als Inbegriff von Gemütlichkeit. Doch was beim Verbrennen von Holz in die Luft gelangt, ist alles andere als harmlos. Gleich mehrere Studien aus dem Jahr 2025 belegen: Holzöfen und Kaminfeuer belasten die Gesundheit stärker, als viele Nutzer ahnen — von der Lunge über das Herz bis hin zum Gehirn.

Was beim Verbrennen von Holz entsteht

Wer Holz verbrennt, setzt eine Mischung aus feinen und ultrafeinen Partikeln frei: PM2,5 (Partikel kleiner als 2,5 Mikrometer), PM1, sogenannter Ultrafeinstaub sowie organische Schadstoffe wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Ruß. Diese Partikel sind so klein, dass sie tief in die Lunge eindringen und von dort in den Blutkreislauf gelangen können. Laut dem Umweltbundesamt (UBA) stammen rund 18 Prozent der deutschen PM2,5-Gesamtemissionen aus Holzfeuerungen in privaten Haushalten — ein Anteil, der mit den Emissionen des gesamten Straßenverkehrs vergleichbar ist [1]. Im Winter, wenn viele Menschen gleichzeitig heizen, kann der Beitrag in Wohngebieten noch deutlich höher liegen.

Besonders problematisch: Selbst neuere, als "sauber" vermarktete Öfen setzen erhebliche Mengen ultrafeiner Partikel frei. Forscher der University of Surrey haben in einer im Juli 2025 in Scientific Reports veröffentlichten Studie gemessen, dass offene Kamine die PM2,5-Belastung im Raum um das bis zu Siebenfache steigern können — und dass auch moderne Öfen beim Anzünden, Nachlegen und Ascheentleeren starke Schadstoffspitzen erzeugen [2].

Atemwege und Lunge: Klare Signale aus aktueller Forschung

Dass Feinstaub aus Holzöfen die Lunge schädigt, war schon länger bekannt. Neu ist das Ausmaß, das aktuelle Untersuchungen zeigen. Auf dem Kongress der European Respiratory Society im September 2025 in Amsterdam wurden Daten einer achtjährigen britischen Kohortenstudie präsentiert: Menschen, die zu Hause Holz oder Kohle verfeuern, zeigten einen deutlich schnelleren Rückgang der Lungenfunktion als Nicht-Nutzer — auch nach Berücksichtigung von Faktoren wie Wohnsituation und sozioökonomischem Status [3]. Die Studie legt nahe, dass der Effekt direkt auf die Feinstaubbelastung zurückgeführt werden kann.

Besonders gefährdet sind Menschen mit Asthma oder chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD). Bei ihnen kann selbst kurze Exposition gegenüber erhöhten Feinstaubkonzentrationen einen schweren Anfall auslösen. Kinder, deren Lungen sich noch entwickeln, und Schwangere gelten ebenfalls als besonders empfindliche Gruppen.

Feinstaub, Herz und Demenz: Was neue Meta-Analysen zeigen

Die Gesundheitsfolgen von Holzrauch reichen über die Lunge hinaus. In einer im März 2025 in Nature Aging veröffentlichten Meta-Analyse, die Daten aus 28 Langzeitstudien auswertete, zeigte sich ein mindestens 14 Prozent erhöhtes Demenzrisiko bei dauerhaft erhöhter PM2,5-Belastung — mit einem klaren Zusammenhang für Alzheimer [4]. Die Forscher betonen, dass der Effekt auch bei Belastungen unterhalb der aktuellen EU-Grenzwerte nachweisbar ist.

Für das Herz-Kreislauf-System ist die Befundlage seit Jahren eindeutiger: Feinstaub erhöht das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Bluthochdruck. Ruß (Black Carbon) und feine organische Partikel — beide typische Produkte der Holzverbrennung — zählen laut Literaturreviews zu den am stärksten mit Herztod und Herzerkrankungen assoziierten Luftschadstoffen. Die Surrey-Studie von 2025 ergänzt dieses Bild: Langzeitbelastung durch Holzrauch steht im Zusammenhang mit Schäden an Nieren, Leber, Gehirn und Nervensystem [2].

Was Kaminnutzer jetzt tun können

Wer auf seinen Ofen nicht verzichten möchte, kann das Risiko durch einige Maßnahmen deutlich reduzieren. Entscheidend ist die Brennstoffqualität: Nur trockenes, gespaltenes Scheitholz mit einer Restfeuchte unter 20 Prozent verbrennt sauber. Feuchtes Holz, behandeltes Holz, Farbreste oder Kunststoffe gehören nicht in den Ofen — sie erzeugen ein Vielfaches der Schadstoffe. Beim Anzünden empfehlen Experten die sogenannte Oberluftzündung: Holzwolle oder Anzünder oben, grobes Holz unten, damit die Flamme von oben nach unten brennt. Das erzeugt von Beginn an eine heiße, schadstoffarme Verbrennung.

Wer in der Nähe von Risikogruppen lebt oder selbst empfindlich ist, sollte an Inversionswetterlagen — wenn kalte Luft in Bodennähe eingeschlossen ist und Schadstoffe sich ansammeln — den Ofen möglichst nicht betreiben. Ein PM2,5-Sensor in der Wohnung macht die tatsächliche Belastung sichtbar; CO-Melder sind bei Holzöfen ohnehin Pflicht. Für Haushalte mit langfristiger Belastung können zudem Lungenfunktionstests beim Hausarzt sinnvoll sein.

Für Menschen, die dauerhaft Holz heizen, lohnt die Nachrüstung mit einem zertifizierten Elektroabscheider oder Katalysator. Diese Geräte können den Feinstaubausstoß um 70 bis 90 Prozent senken. Zuschüsse gibt es über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).

Was die neue Verordnung regelt

Seit dem 1. Januar 2025 gelten in Deutschland verschärfte Regeln für ältere Kaminöfen. Die zweite Stufe der Ersten Bundesimmissionsschutzverordnung (1. BImSchV Stufe 2) legt fest, dass Einzelraumfeuerungsanlagen, die zwischen 1995 und März 2010 in Betrieb genommen wurden, nur noch betrieben werden dürfen, wenn sie die Grenzwerte von 0,15 Gramm Feinstaub pro Kubikmeter Abgas und 4 Gramm Kohlenmonoxid einhalten oder entsprechend nachgerüstet wurden [5]. Wer das nicht nachweisen kann, muss den Ofen stillegen oder ersetzen. Schornsteinfeger prüfen im Rahmen der regulären Abnahme, ob die Anlage die Anforderungen erfüllt.

Die Regulierung spiegelt das gewachsene Bewusstsein über die gesundheitlichen Folgen von Holzrauch wider. Ob sie ausreicht, um die Belastung spürbar zu senken, bleibt umstritten: Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass selbst neue, normgerechte Öfen erhebliche Mengen Feinstaub ausstoßen — weit mehr als Gas- oder Wärmepumpenheizungen.

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