Vorsorge Studie
Von Redaktion

Herzinfarkt-Risiko bei Männern: Kritischer Wendepunkt bereits mit Mitte 30

CARDIA-Studie (34 Jahre): Herzrisiko bei Männern steigt ab 35 – 7 Jahre früher als bei Frauen. Was das für Vorsorge ab Mitte 30 bedeutet.

Herzinfarkte gelten in der öffentlichen Wahrnehmung als Erkrankung ab Mitte 50. Doch eine der bislang längsten Herz-Kreislauf-Studien weltweit zeichnet ein anderes Bild: Der kritische Wendepunkt im kardiovaskulären Risikoprofil liegt bei Männern deutlich früher – bereits um das 35. Lebensjahr. Das hat konkrete Konsequenzen dafür, wann Männer mit der Herzvorsorge beginnen sollten.

Die CARDIA-Studie: 34 Jahre Herzbeobachtung

Die CARDIA-Studie (Coronary Artery Risk Development in Young Adults) der Northwestern University in Illinois startete 1985 mit 5.115 Teilnehmenden im Alter von 18 bis 30 Jahren – alle zu Beginn herzgesund. Seitdem dokumentiert sie Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin, Koronararterien-Bildgebung und kardiovaskuläre Ereignisse über mehr als drei Jahrzehnte. Das macht CARDIA zu einem einzigartigen Langzeitdatensatz über die Entstehung von Herzerkrankungen im jungen Erwachsenenalter.

Das zentrale Ergebnis: Ab dem Alter von etwa 35 Jahren steigt das Herzrisiko bei Männern schneller an als bei Frauen – unabhängig von Ethnie und Bildungsniveau. Männer erreichten eine kumulative Herz-Kreislauf-Erkrankungsrate von 5 Prozent mit 50,5 Jahren; Frauen erst mit 57,5 Jahren – ein Unterschied von sieben Jahren. Bei der koronaren Herzkrankheit (KHK) ist die Differenz noch größer: über zehn Jahre Vorsprung.

Warum Männer früher gefährdet sind

Der wichtigste biologische Schutzfaktor bei Frauen ist Östrogen. Es erhöht das gefäßerweiternde HDL-Cholesterin, hemmt Entzündungsprozesse in Gefäßwänden und reduziert die Plättchenaggregation. Dieser Schutz besteht bis zur Menopause. Männer haben diesen Schutz nicht – sie haben durchschnittlich niedrigere HDL-Werte, höhere LDL-Werte und ungünstigere Verhaltensmuster: seltener Vorsorgeuntersuchungen, mehr Rauchen, mehr Alkohol. Der Herzbericht 2025 der Deutschen Herzstiftung belegt: Herzinfarkt ist in Deutschland die häufigste Todesursache bei Männern. Und Männer überleben den ersten Infarkt häufig schlechter als Frauen, weil sie zu lange mit dem Notruf warten.

Was Männer ab 35 konkret riskieren

Die CARDIA-Daten zeigen, dass Risikofaktoren, die im dritten Lebensjahrzehnt entstehen, entscheidend für die Herzgesundheit Jahrzehnte später sind. Bluthochdruck, der mit 35 unbehandelt bleibt, schädigt über Jahre Herz, Nieren und Gehirn, bevor Symptome auftreten. Übergewicht und Insulinresistenz erhöhen das Entzündungsgeschehen in Gefäßen schleichend. Die Studie zeigt klar: Männer mit günstigen Risikoprofilen zwischen 30 und 40 Jahren erlitten im weiteren Leben deutlich seltener Herzinfarkte. Prävention in diesem Alter wirkt langfristig.

Der Check-up 35: Was er bringt und warum er oft fehlt

In Deutschland haben gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren Anspruch auf den GKV-Gesundheits-Check-up alle drei Jahre – kostenlos beim Hausarzt. Er umfasst Blutdruck, Nüchternblutzucker, Gesamtcholesterin, Kreatinin und Urinuntersuchung. Genau das, was CARDIA als entscheidend für die frühzeitige Risikoerkennung benennt.

Dennoch nimmt laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) nur rund die Hälfte der Anspruchsberechtigten den Check-up wahr. Bei Männern ist die Quote noch niedriger. Ergänzend kann der SCORE2-Algorithmus der European Society of Cardiology das persönliche 10-Jahres-Herzrisiko berechnen – basierend auf Alter, Geschlecht, Blutdruck, Cholesterin und Rauchstatus. Viele Hausärzte nutzen dieses Tool, um Patienten ihr individuelles Risiko verständlich zu machen.

Vier Maßnahmen mit der stärksten Evidenz

Für Männer ab 35 gibt es vier gut belegte Maßnahmen, die das Herzrisiko messbar senken. Erstens: Nicht rauchen – Rauchen ist der stärkste vermeidbare Herzrisikofaktor; Raucher haben ein bis zu dreifach erhöhtes Infarktrisiko. Zweitens: Regelmäßige Bewegung – 150 Minuten moderate Ausdauerbelastung pro Woche senken Blutdruck, verbessern Blutfette und reduzieren das kardiovaskuläre Risiko um 30 bis 35 Prozent, wie Metaanalysen im British Medical Journal zeigen. Drittens: Blutdruck unter 130/80 mmHg halten – Hypertonie ist der wichtigste Einzelrisikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall; Selbstmessung zu Hause verbessert die Kontrolle nachweisbar. Viertens: Günstige Ernährung – mediterrane Kost senkt LDL-Cholesterin und systemische Entzündungsmarker.

Herzinfarkt erkennen: Diese Warnzeichen ernst nehmen

Das Wissen um Herzinfarktsymptome kann Leben retten. Typische Zeichen bei Männern: drückender oder brennender Schmerz in der Brust, oft ausstrahlend in den linken Arm, Kiefer oder Rücken; Atemnot; Schweißausbrüche; Übelkeit. Bei diesen Symptomen gilt: sofort 112 rufen, nicht selbst fahren, nicht abwarten. Jede Minute Verzögerung erhöht den Herzmuskelschaden. Auch unspezifische Symptome wie anhaltende Erschöpfung, Schwindel oder Oberbauchschmerzen können bei Männern Herzinfarktwarnzeichen sein – und werden häufig nicht als solche erkannt.

Digitale Unterstützung für die Herzvorsorge

Apps zur Blutdruckmessung, Bewegungstracking und Ernährungsdokumentation helfen, Risikofaktoren langfristig im Blick zu behalten und Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Auf bestes.com finden Sie geprüfte Gesundheitsangebote für Herz-Kreislauf-Prävention – von Blutdruckmonitoring bis zu telemedizinischen Angeboten für Männer, die den Weg in die Praxis scheuen.

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