Studie
Von Redaktion

Hausarztmangel: Delegation an Fachkräfte könnte 65 % Zeit einsparen

Bertelsmann-Studie März 2026: Nicht-ärztliche Fachkräfte könnten 65 % der Hausarzt-Arbeitszeit übernehmen. Lösung für Mangel von 8.200 Ärzten bis 2030.

Bis 2030 fehlen in Deutschland rund 8.200 Hausärzte in Vollzeit. Eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung vom März 2026 zeigt jedoch einen Ausweg: Wenn qualifizierte Gesundheitsfachkräfte wie Medizinische Fachangestellte oder Pflegefachpersonen mehr Aufgaben übernehmen, könnten Hausärzte im Schnitt fast zwei Drittel ihrer Arbeitszeit einsparen – und damit deutlich mehr Patienten versorgen. Das hätte konkrete Auswirkungen für Millionen Patientinnen und Patienten in Deutschland.

Das Ausmaß des Problems

Der Ärztemangel in der Hausarztversorgung ist in Deutschland seit Jahren ein zunehmendes Problem. Jeder dritte niedergelassene Hausarzt ist heute über 60 Jahre alt. In den nächsten zehn Jahren werden viele von ihnen in den Ruhestand gehen – ohne dass genug Nachfolger nachrücken. Besonders betroffen sind ländliche Regionen und strukturschwache Stadtteile. Patienten berichten von Wartezeiten von mehreren Wochen für einen Termin beim Hausarzt – mit direkten gesundheitlichen Folgen, weil Kontrollen, Vorsorge und Behandlung chronischer Erkrankungen aufgeschoben werden.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) warnt: Wenn die Entwicklung so weitergeht, werden bis 2030 große Teile Deutschlands hausärztlich unterversorgt sein – nicht nur auf dem Land, sondern auch in Großstädten mit hohem Anteil älterer Bevölkerung.

Was die Studie vorschlägt

Die Bertelsmann-Studie untersuchte, welche Tätigkeiten in einer Hausarztpraxis delegation-fähig sind – also von speziell qualifizierten Nicht-Ärzten übernommen werden können. Das Ergebnis: 65 Prozent des ärztlichen Zeitvolumens könnte durch qualifiziertes nicht-ärztliches Personal abgedeckt werden.

Zu den delegation-fähigen Aufgaben gehören laut Studie: Ultraschall-Untersuchungen (Sonographien), Kontrolluntersuchungen bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck, Wundnachsorge, Hausbesuche mit Routineaufgaben, die Beratung zu Medikamenten-Einnahme sowie die Durchführung von EKGs und Blutentnahmen. Wichtig: Diagnosen und medizinische Entscheidungen bleiben beim Arzt. Die qualifizierten Fachkräfte unterstützen und entlasten, ersetzen aber nicht die ärztliche Expertise.

Akzeptanz bei Ärzten und Patienten

Sowohl Ärzteschaft als auch Bevölkerung seien offen für eine stärkere Aufgabenteilung, betont die Bertelsmann Stiftung. Befragungen zeigten, dass Patientinnen und Patienten qualifizierten Fachkräften bei Routine-Untersuchungen vertrauen – vorausgesetzt die Qualifikation ist transparent kommuniziert und der Arzt bleibt verantwortlich.

Auch innerhalb der Ärzteschaft wächst die Akzeptanz: Viele Hausärzte würden Delegation aktiv nutzen, wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen es erlauben und die nötige Qualifizierung der Fachkräfte sichergestellt ist.

Internationale Vorbilder

In anderen Ländern ist die Aufgabenteilung bereits Realität. In Großbritannien übernehmen "Physician Associates" – ausgebildete Nicht-Ärzte mit einem speziellen Master-Studium – viele Routineaufgaben in Hausarztpraxen. In den Niederlanden sind "Nurse Practitioners" und "Physician Assistants" ein fester Bestandteil der Primärversorgung und können eigenständig viele Erkrankungen behandeln. In Dänemark haben Krankenpfleger mit Spezialausbildung weitreichende Kompetenzen in der Diabetesversorgung.

Was für eine Gesetzesänderung spricht

Derzeit schränken starre Delegationsregeln ein, was Arzthelferinnen und Pflegefachkräfte in Deutschland dürfen. Das neue Präventionsgesetz, dessen Referentenentwurf für 2026 erwartet wird, könnte die rechtlichen Rahmenbedingungen verbessern und mehr Spielraum für qualifizierte Delegation schaffen. Die Studie liefert die empirische Grundlage für diese Reform.

Häufige Fragen

Dürfen Medizinische Fachangestellte schon heute mehr übernehmen?
Teilweise ja. In vielen Praxen delegieren Ärzte bereits Blutabnahmen, EKGs und Blutdruckmessungen. Weitere Aufgaben wie eigenständige Kontrolluntersuchungen sind rechtlich noch eingeschränkt. Die Bertelsmann-Studie plädiert für eine gesetzliche Erweiterung des Delegationsrahmens – mit klaren Qualifikationsanforderungen.

Was kann ich als Patient tun wenn kein Hausarzt erreichbar ist?
Der ärztliche Bereitschaftsdienst (116 117) hilft bei dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden. Bei Notfällen gilt: Notruf 112. Finde verfügbare Hausärzte und Allgemeinmediziner in deiner Nähe auf bestes.com/services.

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