Hauptstadtkongress 2026: ePA im Fokus – was das für Patienten bedeutet
Beim Hauptstadtkongress 2026 stand die ePA im Mittelpunkt. 73 Millionen Akten, 100 Millionen Dokumente – was jetzt gilt.
Vom 23. bis 25. Juni 2026 trafen sich mehr als 5.000 Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus Medizin, Pflege und Gesundheitspolitik beim Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit in Berlin. Ein Thema zog sich wie ein roter Faden durch drei Kongresstage: die elektronische Patientenakte. Denn 18 Monate nach ihrem Start zeigt die ePA erste messbare Wirkung – und wirft neue Fragen auf.
Was beim Kongress diskutiert wurde
Die gematik, die als bundeseigene Gesellschaft die digitale Infrastruktur des deutschen Gesundheitswesens verantwortet, nutzte den Hauptstadtkongress als Bühne für ein umfassendes Update. Im Mittelpunkt standen der aktuelle Stand der ePA, der neue TI-Messenger für die sichere Kommunikation zwischen Arztpraxen sowie der Einsatz künstlicher Intelligenz in der Patientenversorgung.
Kritischer Gegenwind kam von Bianca Kastl, Sicherheitsforscherin des Chaos Computer Clubs. Laut Berichten der Ärzte Zeitung forderte sie beim Kongress schnellere Reaktionszeiten der gematik bei der Schließung von Sicherheitslücken in der ePA. Die Debatte zeigte: Das Vertrauen der Patienten in die digitale Akte hängt nicht nur von ihrer Nützlichkeit ab – sondern auch davon, wie sicher ihre Daten wirklich sind.
Gesundheitspolitisch stand die Frage im Raum, wo Digitalisierung im deutschen Gesundheitssystem wirklich Früchte trägt. Die ePA ist dabei das bisher größte Versprechen der digitalen Gesundheitspolitik – und alle wollen wissen, ob es hält.
Die ePA in Zahlen: Wo Deutschland heute steht
Seit Januar 2025 bekommen alle gesetzlich Versicherten automatisch eine elektronische Patientenakte – wer keine möchte, muss aktiv widersprechen. Laut gematik wurden bis April 2026 rund 73 Millionen Akten angelegt. Darin befinden sich bereits mehr als 100 Millionen Dokumente: Arztbriefe, Laborbefunde, Entlassungsberichte aus dem Krankenhaus und digitale Medikationspläne.
Etwa 93.000 Arzt- und Zahnarztpraxen greifen laut gematik inzwischen jede Woche auf ePA-Daten ihrer Patientinnen und Patienten zu. Allein die Medikamentenlisten werden pro Woche mehr als 21 Millionen Mal abgerufen – ein Hinweis darauf, dass die Akte im Praxisalltag angekommen ist.
Seit Oktober 2025 sind Arztpraxen, Kliniken, Apotheken und Therapeutinnen gesetzlich verpflichtet, Behandlungsdaten in die ePA einzutragen. Das erklärt, warum die Zahl der gespeicherten Dokumente so schnell gewachsen ist – auch ohne aktives Zutun der Versicherten.
Das Bild hat allerdings eine Kehrseite. Nur rund 5,1 Millionen Versicherte haben bis April 2026 eine GesundheitsID eingerichtet – das digitale Konto, das nötig ist, um selbst auf die eigene Akte zugreifen zu können. Bei 73 Millionen angelegten Akten zeigt diese Zahl, wie viel Potenzial noch ungenutzt bleibt.
Was Patientinnen und Patienten jetzt tun können
Wer seine ePA aktiv nutzen will, braucht die App der eigenen Krankenkasse. Dort lässt sich eine GesundheitsID einrichten – das dauert in der Regel wenige Minuten. Mit diesem Konto kann man Dokumente in der Akte einsehen, nachverfolgen welche Arztpraxis auf welche Daten zugegriffen hat, und Zugriffsrechte bei Bedarf entziehen.
Wer die App nicht nutzt, bekommt die ePA trotzdem. Praxen und Kliniken tragen Behandlungsdaten automatisch ein. Die Akte funktioniert dann aber nur in eine Richtung: Ärzte sehen die Daten, Patienten selbst nicht – außer sie richten sich aktiv den Zugang ein.
Dass die Akte praktisch ist, zeigt sich besonders beim Wechsel des Arztes oder beim Facharztbesuch. Keine handgeschriebenen Befundkopien mehr, kein Zusammensuchen alter Laborwerte. Alles liegt in der ePA – zumindest was seit dem Start erfasst wurde.
Auf bestes.com findest du eine Übersicht digitaler Gesundheitsangebote, die ergänzend zur ePA einsetzbar sind: von Gesundheits-Apps über Telemedizin bis zu digitalen Therapieprogrammen auf Rezept. Viele dieser Angebote werden künftig direkt mit der ePA verknüpft sein.
Was als Nächstes kommt
Der Hauptstadtkongress machte deutlich: Die ePA ist kein abgeschlossenes Projekt, sondern ein laufender Aufbau. Laut gematik sind in den nächsten Monaten eine Volltextsuche in gespeicherten Dokumenten sowie Push-Benachrichtigungen geplant, die Patientinnen und Patienten informieren, sobald ein neues Dokument in ihre Akte geladen wird.
Perspektivisch soll die ePA auch grenzüberschreitend funktionieren. Der Europäische Gesundheitsdatenraum (EHDS), der seit März 2025 in Kraft ist, sieht vor, dass Versicherte künftig auch Ärztinnen und Ärzten in anderen EU-Ländern Datenzugriff gewähren können. Deutschland hat bis 2029 Zeit, die nationalen Regeln entsprechend anzupassen.
Für Patientinnen und Patienten bedeutet das: Die nächsten Jahre werden entscheiden, ob die ePA zu einem echten Werkzeug der eigenen Gesundheitsversorgung wird – oder ein passives Archiv bleibt, das Ärzte befüllen, ohne dass Versicherte davon wissen.