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Von Redaktion

Hantavirus auf Kreuzfahrtschiff Hondius: Ausbruch, Todesfälle und Risiken

Ein Hantavirus-Ausbruch auf dem Expeditionsschiff Hondius forderte drei Tote, darunter eine Deutsche. Was hinter dem Andes-Virus steckt und warum das Risiko für die Allgemeinbevölkerung gering ist.

Am 1. April 2026 begann eine Expedition, die für rund 150 Passagiere und Besatzungsmitglieder an Bord der Hondius mit einem medizinischen Notfall enden sollte. Das niederländisch-geflaggte Expeditionsschiff befand sich in Patagonien – Südargentinien – als erste Fälle eines Andes-Hantavirus gemeldet wurden. Drei Menschen starben: eine deutsche Frau sowie ein älteres niederländisches Ehepaar. Am 10. Mai 2026 legte die Hondius auf Teneriffa an; Passagiere und Teile der Crew wurden unter besonderen Schutzmaßnahmen in ihre Heimatländer zurückgebracht.[1]

Was ist der Andes-Virus – und wie unterscheidet er sich von europäischen Hantaviren?

Hantaviren sind eine Familie von Viren, die von Nagetieren auf Menschen übertragen werden. In Europa – insbesondere in Deutschland – sind Hantavirus-Infektionen bekannt, meist übertragen durch die Rötelmaus. Sie verursachen ein hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom (HFRS) und enden selten tödlich.[3]

Der Andes-Virus, der in Südamerika vorkommt, ist in einem entscheidenden Punkt anders: Er ist der einzige bekannte Hantavirus-Stamm, der von Mensch zu Mensch übertragen werden kann – wenn auch selten. Überträger ist der Patagonische Langschanzmaus-Reisratte (Oligoryzomys longicaudatus). Das Virus verursacht das Hantavirus-Kardiopulmonale Syndrom (HCPS), das sich vor allem durch schwere Lungenentzündung äußert und eine deutlich höhere Sterblichkeit aufweist als europäische Varianten: Die Fallsterblichkeitsrate liegt bei 25 bis 40 Prozent.[2]

Der Ausbruch auf der Hondius: Was bekannt ist

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gab es an Bord der Hondius sechs bestätigte und zwei Verdachtsfälle – insgesamt acht Erkrankte. Drei davon starben: eine ältere deutsche Reisende sowie ein niederländisches Ehepaar. Die übrigen Erkrankten wurden zur Behandlung in ihre Heimatländer ausgeflogen.[1]

Die genaue Infektionsquelle ist noch Gegenstand der Ermittlungen. Bei Expeditionen in patagonische Wildnis – Wanderungen durch Büsche und Felder, Übernachtungen in Schutzhütten – besteht grundsätzlich das Risiko, mit Nagetieren oder deren Ausscheidungen in Kontakt zu kommen. Ob die Person-zu-Person-Übertragung an Bord eine Rolle spielte, ist laut RKI noch unklar.[1]

Einschätzung der Behörden: Kein Pandemierisiko

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) stufte das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in der EU und im Europäischen Wirtschaftsraum am 6. Mai 2026 als sehr gering ein. Auch RKI-Präsident Lars Schaade ist klar: „Das ist kein Virus, der sich verbreitet." Der Andes-Virus habe in dieser Hinsicht kein Pandemiepotenzial – er verbreite sich nicht effizient zwischen Menschen und ist nicht in Europa heimisch.[2]

Für die betroffenen Passagiere der Hondius wurden dennoch gezielte Schutzmaßnahmen ergriffen: medizinische Begleitung bei der Rückreise, Überwachung der Kontaktpersonen und gegebenenfalls Quarantäne. Das RKI hat eine Informationsseite für Reisende und Mediziner veröffentlicht.[1]

Symptome und Erste-Hilfe-Wissen

Hantavirus-Infektionen durch den Andes-Virus beginnen unspezifisch: Fieber, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen und Erschöpfung in den ersten Tagen. In der zweiten Phase entwickeln sich beim HCPS schwere Atembeschwerden, die bis zu akutem Atemnotsyndrom führen können. Zwischen dem Kontakt mit dem Virus und dem Krankheitsbeginn liegt eine Inkubationszeit von in der Regel einer bis sechs Wochen.[3]

Es gibt keine zugelassene antivirale Therapie gegen Hantaviren – die Behandlung ist symptomatisch, schwere Verläufe erfordern intensivmedizinische Versorgung. In Deutschland sind Hantavirus-Infektionen meldepflichtig.

Was Reisende wissen sollten

Für Menschen, die Expeditionsreisen nach Patagonien oder andere Teile Südamerikas planen, gilt: Das Risiko einer Hantavirus-Infektion ist real, aber durch einfache Verhaltensregeln deutlich reduzierbar. Dazu gehören das Meiden von Nagetierkontakt und deren Nestern, das Lüften von Hütten vor dem Betreten sowie das Tragen von Schutzausrüstung in Risikogebieten. Ausführliche Reisehinweise bieten das Auswärtige Amt sowie die Tropeninstitute der deutschen Universitätskliniken.

Für die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland – die nicht nach Patagonien reist – besteht kein erhöhtes Risiko. Der Ausbruch auf der Hondius ist ein tragischer Einzelfall, kein Vorbote einer weiteren Epidemie. Informationen zu digitalen Gesundheitsanwendungen und Präventionstools findest du in der Bestes-Datenbank.

Häufige Fragen

Kann ich mich in Deutschland mit dem Andes-Hantavirus infizieren?

Nein. Der Andes-Virus kommt nur in Südamerika vor, wo der Überträger (die Patagonische Langschanzmaus-Reisratte) heimisch ist. In Deutschland gibt es eigene Hantavirus-Stämme, die von der Rötelmaus übertragen werden und keine Person-zu-Person-Übertragung ermöglichen.

Wie gefährlich ist der Andes-Hantavirus im Vergleich zu anderen Viren?

Die Sterblichkeitsrate beim Hantavirus-Kardiopulmonalen Syndrom (HCPS) beträgt 25 bis 40 Prozent – deutlich höher als bei europäischen Hantavirus-Stämmen. Allerdings sind die absoluten Fallzahlen weltweit gering; das Virus breitet sich nicht effizient von Mensch zu Mensch aus.

Was sollte ich tun, wenn ich nach Patagonien reise und Symptome bekomme?

Fieber, starke Muskelschmerzen oder Atembeschwerden innerhalb von sechs Wochen nach einer Patagonien-Reise sollten sofort von einem Arzt abgeklärt werden. Informiere deinen Arzt über die Reise und möglichen Nagetierkontakt – das ist entscheidend für eine schnelle Diagnose.

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