Vorsorge Studie
Von Redaktion

Gesundheitswissen in Schulen: 80 % der Jugendlichen fordern mehr Aufklärung

DGP-Studie März 2026: 80 % der 14–34-Jährigen wollen mehr Gesundheitsbildung in der Schule. 66 % holen Infos aktuell von Instagram und TikTok.

Acht von zehn Jugendlichen in Deutschland wünschen sich mehr Gesundheitsbildung in der Schule – und trotzdem holen sich zwei Drittel ihre Gesundheitsinformationen primär aus Social Media. Das zeigt eine aktuelle Studie zum Thema "Gesundheitsbildung in der Schule", die das Deutsche Gesundheitsportal (DGP) am 25. März 2026 veröffentlichte. Die Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach verlässlichem Wissen und der tatsächlichen Informationsquelle ist ein Weckruf für Gesundheitspolitik und Schulen.

Was die Studie zeigt

Befragt wurden Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 34 Jahren. Die zentralen Befunde: 80 Prozent wünschen sich in der Schule mehr Informationen zu Prävention und Vorsorge. Gleichzeitig gaben 66 Prozent an, ihre Gesundheitsinformationen hauptsächlich von Instagram, TikTok und ähnlichen Plattformen zu beziehen.

Nur 23 Prozent der Befragten gaben an, Gesundheitsthemen ausreichend im Unterricht behandelt bekommen zu haben. Themen wie Ernährung, Bewegung, Vorsorgeuntersuchungen und psychische Gesundheit werden in deutschen Schulen nach wie vor selten systematisch und wissenschaftlich fundiert vermittelt. Das Ergebnis: Junge Menschen suchen sich Information dort, wo sie viel Zeit verbringen – in sozialen Netzwerken. Mit allen Risiken, die das mit sich bringt.

Social Media und Gesundheitsmythen

Social Media ist kein neutrales Informationsmedium. Gesundheitsinformationen auf TikTok und Instagram unterliegen keiner redaktionellen Prüfung – und Algorithmen belohnen Emotionalität und Kontroverse, nicht Evidenzbasierung. Studien zeigen, dass besonders bei Ernährung, Nahrungsergänzungsmitteln, Impfungen und psychischer Gesundheit ein erheblicher Anteil der viralen Inhalte in sozialen Netzwerken irreführend oder falsch ist.

Das kann reale Folgen haben: Jugendliche die "Detox-Diäten" und sogenannte "Clean eating"-Trends übernehmen, laufen Gefahr, sich Mangelernährung einzuhandeln. Impfskepsis, die durch Fehlinformation in sozialen Netzwerken befeuert wird, hat in Deutschland zu Masernausbrüchen beigetragen. Und falsch verstandene Mental-Health-Tipps aus TikTok können im schlimmsten Fall professionelle Hilfe ersetzen, die dringend nötig wäre.

Was Schule leisten könnte

Dabei bietet Schule einzigartige Voraussetzungen: Sie erreicht nahezu alle Kinder und Jugendlichen, unabhängig von sozialem Status und Elternhaus. Gesundheitliche Bildungsungleichheit – die Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern stärker betrifft – könnte hier gezielt ausgeglichen werden.

Expertinnen und Experten fordern ein eigenständiges Schulfach "Gesundheit" oder eine verbindliche Integration in bestehende Fächer wie Biologie und Sport. Inhalte sollten umfassen: Ernährungsgrundlagen ohne Verbote, Bewegung und Schlaf, Impfaufklärung, erste Hilfe, psychische Gesundheit und Umgang mit Social-Media-Inhalten – also Medienkompetenz im Gesundheitsbereich.

Health Literacy: Gesundheitskompetenz als Schlüsselqualifikation

Der Fachbegriff für Gesundheitswissen und -kompetenz ist "Health Literacy". Deutschland schneidet in internationalen Vergleichen zur Health Literacy vergleichsweise schlecht ab. Eine Studie der Universität Bielefeld zeigte, dass fast 60 Prozent der Deutschen Schwierigkeiten haben, Gesundheitsinformationen angemessen zu finden, zu verstehen und anzuwenden. Die Folgen sind teuer: schlechtere Therapietreue, häufigere Notaufnahmebesuche und vermeidbare Krankenhauseinweisungen.

Investitionen in Gesundheitsbildung zahlen sich aus – das belegen internationale Studien. Länder wie Finnland und die Niederlande, die Health Literacy früh in der Schule verankern, haben messbar bessere Bevölkerungsgesundheit und niedrigere Gesundheitsausgaben pro Kopf.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich verlässliche Gesundheitsinformationen im Netz?
Vertrauenszeichen sind: klare Quellenangaben (Studien, Fachgesellschaften), bekannte Institutionen (RKI, BZgA, Universitätskliniken, WHO), Datum der Veröffentlichung und Aktualisierung. Vorsicht bei Absolutaussagen ("Heilt jeden Krebs"), Verkaufsabsichten und fehlenden Quellenangaben. Auch bestes.com/news setzt auf belegte Gesundheitsinformation mit Quellenangaben.

Was tun wenn mein Kind Gesundheitsmythen von TikTok glaubt?
Offen und neugierig nachfragen – nicht sofort widersprechen. Gemeinsam Quellen prüfen. Den eigenen Hausarzt als Gesprächspartner für die ganze Familie nutzen. Hausärzte und Kinderärzte auf bestes.com/services.

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