Von Redaktion

Gesundheitsreform 2026: Drei Viertel der Deutschen setzen auf Selbstversorgung

Eine neue Bertelsmann-Studie zeigt: 9 von 10 Deutschen wollen grundlegende Reformen – und 75 Prozent würden sich bei verlässlichen Infos selbst behandeln.

Neun von zehn Deutschen halten grundlegende Reformen im Gesundheitssystem für notwendig. Gleichzeitig geben drei von vier Befragten an, sich bei Krankheiten selbst behandeln zu wollen – vorausgesetzt, sie haben Zugang zu leicht verständlichen und verlässlichen Gesundheitsinformationen. Das sind zwei der zentralen Ergebnisse einer neuen Studie der Bertelsmann Stiftung und des Bosch Health Campus, die am 7. Mai 2026 veröffentlicht wurde. Für die Befragung wurden 2.301 Personen ab 18 Jahren von Februar bis März 2026 per Telefoninterview befragt [1].

Zufrieden – aber skeptisch

Zwei Drittel der Befragten zeigen sich grundsätzlich zufrieden mit dem deutschen Gesundheitssystem. Der Wunsch nach Veränderung widerspricht dem nicht: Wer zufrieden ist, muss trotzdem erkennen, dass ein System unter Druck steht. Fast genauso viele wie die Zufriedenen erwarten nämlich, dass sich die Lage in den nächsten fünf Jahren verschlechtern wird. Hausarztmangel in ländlichen Regionen, wochenlange Wartezeiten beim Facharzt, überlastete Notaufnahmen – das sind keine abstrakten Zukunftsängste mehr, sondern gelebte Realität in vielen Teilen Deutschlands.

Die Studie der Bertelsmann Stiftung und des Bosch Health Campus erfasst diese Stimmung präzise: 90 Prozent der Befragten halten grundlegende Veränderungen im Gesundheitssystem für sehr oder eher notwendig. Das ist kein knappes Ergebnis, sondern eine eindeutige gesellschaftliche Botschaft an die Politik. Besonders bemerkenswert: Dieses Reformverlangen zieht sich durch alle Altersgruppen und politischen Lager hindurch.

Hausarzt vor Facharzt: Mehrheit für das Primärversorgungsmodell

71 Prozent der Befragten sprechen sich für das Prinzip "Hausarzt vor Facharzt" aus. Das entspricht dem sogenannten Primärarztsystem, das in vielen europäischen Ländern – etwa in den Niederlanden, Großbritannien oder Schweden – bereits Standard ist. Dort ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner für alle gesundheitlichen Fragen und entscheidet, ob eine Überweisung zum Spezialisten medizinisch notwendig ist [1].

In Deutschland ist der direkte Facharzttermin ohne Überweisung noch weit verbreitet – und rechtlich möglich. Dass sich inzwischen fast drei von vier Deutschen für ein Gatekeeping-Modell aussprechen, signalisiert: Die Bereitschaft für strukturelle Veränderungen ist in der Bevölkerung vorhanden, auch wenn sie politisch nur langsam umgesetzt werden.

Ähnliches gilt für die ambulante Versorgung: 63 Prozent der Befragten bevorzugen ambulante statt stationärer Behandlung, wenn das medizinisch möglich ist [1]. Damit deckt sich die Volksmeinung mit dem gesundheitspolitischen Kurs der letzten Jahre, der auf weniger stationäre Krankenhausbetten und mehr ambulante Eingriffe setzt. Die Krankenhausreform der Bundesregierung geht in genau diese Richtung – mit breiter Unterstützung aus der Bevölkerung, wie die Studie zeigt.

Versorgung näher an den Alltag bringen

Besonders hohe Zustimmung erhalten Maßnahmen, die Gesundheitsversorgung aus dem Krankenhaus heraus in den Alltag verlagern. 79 Prozent der Befragten befürworten mobile Sprechstunden in kleineren Gemeinden – ein Modell, das in strukturschwachen Regionen bereits erprobt wird, aber noch keine flächendeckende Realität ist. 77 Prozent unterstützen Vorsorgemaßnahmen in Alltagseinrichtungen wie Apotheken, Schulen oder Betrieben [1].

Hinter diesen Zahlen steckt ein tiefgreifender Wandel in der Erwartungshaltung. Gesundheit soll nicht mehr ausschließlich im Wartezimmer stattfinden. Die Menschen wollen niedrigschwelligen Zugang – schnell, nah, digital oder persönlich. Dieser Wandel kommt auch dem Konzept der Präventionsmedizin zugute: Wer früh angesprochen wird, ob in der Apotheke, im Betrieb oder beim Hausarzt, kann Risiken erkennen, bevor sie sich zu chronischen Erkrankungen entwickeln.

75 Prozent würden sich selbst behandeln – mit den richtigen Informationen

Der vielleicht aufschlussreichste Befund der Studie betrifft die Bereitschaft zur Eigenverantwortung: 75 Prozent der Befragten gaben an, sich bei Erkrankungen selbst behandeln zu wollen – wenn sie dabei Zugang zu leicht zugänglichen, verlässlichen und verifizierten Gesundheitsinformationen hätten [1].

Dieses Ergebnis zeigt: Das Problem ist oft nicht die fehlende Motivation zur Eigenverantwortung, sondern der Mangel an qualitativ hochwertigen, verständlichen Informationen. Wer online nach Symptomen sucht, landet häufig in einem Dschungel aus widersprüchlichen Ratschlägen, nicht verifizierten Portalen und Angst machenden Foren. Verlässliche, evidenzbasierte Gesundheitsinformationen – von Behörden wie RKI oder BfArM, von Fachgesellschaften oder unabhängigen Portalen – bleiben für viele Nutzerinnen und Nutzer schwer auffindbar oder schwer verständlich.

Genau diese Informationslücke schließen unabhängige Gesundheitsportale wie bestes.com: als strukturierter Überblick über digitale Gesundheitsangebote – von Apps über DiGAs bis zu Telemedizin-Diensten – damit Menschen informierte Entscheidungen über ihre Gesundheit treffen können, ohne selbst Medizin studiert zu haben.

Was die Studie für die Gesundheitspolitik bedeutet

Die Befunde erscheinen zu einem politisch entscheidenden Zeitpunkt. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz wurde gerade vom Kabinett beschlossen. Die Krankenhausreform läuft. Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) werden neu bewertet. In dieser Phase zeigt die Studie klar: Die Bevölkerung ist reformbereit – deutlich bereiter, als die oft zähe politische Debatte vermuten lässt [2].

Gleichzeitig mahnt das Ergebnis zur Umsicht. Reformen werden dann akzeptiert, wenn sie den Alltag der Menschen spürbar verbessern – kürzere Wartezeiten, bessere Erreichbarkeit, mehr Transparenz über Kosten und Qualität. Wenn strukturelle Veränderungen nur auf dem Papier stattfinden oder lediglich Kosten verlagern, ohne die Versorgungsqualität zu steigern, droht Enttäuschung. Die Zustimmung zu Reformen ist kein Blankoscheck. Sie ist eine Einladung, es diesmal besser zu machen.

Quellen

[1] Bertelsmann Stiftung / Bosch Health Campus: "Große Mehrheit der Bevölkerung unterstützt grundlegende Reformen im Gesundheitssystem." Pressemitteilung, 7. Mai 2026. URL: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2026/grosse-mehrheit-der-bevoelkerung-unterstuetzt-grundlegende-reformen-im-gesundheitssystem

[2] Ärztezeitung: "Prinzip Hausarzt vor Facharzt: Mehrheit der Bundesbürger ist dafür." Mai 2026. URL: https://www.aerztezeitung.de/Politik/Prinzip-Hausarzt-vor-Facharzt-Mehrheit-der-Bundesbuerger-ist-dafuer--462910.html

[3] Apotheken-Umschau: "Umfrage: 77 Prozent wollen Gesundheitschecks in Apotheken." Mai 2026. URL: https://www.apotheken-umschau.de/gesundheitspolitik/mehrheit-der-menschen-fuer-mehr-vorsorge-in-apotheken-1519631.html

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