Von Redaktion

81 Prozent der Deutschen: Geringe Gesundheitskompetenz – RKI-Studie 2026

RKI-Studie: 81 % der Erwachsenen in Deutschland haben geringe Gesundheitskompetenz. Bildung ist der entscheidende Faktor – und Strukturen müssen sich ändern.

Acht von zehn Erwachsenen in Deutschland können Gesundheitsinformationen nicht ausreichend finden, verstehen und für eigene Entscheidungen nutzen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Auswertung des Robert Koch-Instituts (RKI), die auf Daten von über 26.000 Befragten basiert und im Journal of Health Monitoring erschienen ist. Die Zahlen werfen ein neues Licht darauf, warum viele Menschen Schwierigkeiten haben, mit ihrem Arzt über Diagnosen zu sprechen, Beipackzettel zu verstehen oder Informationen aus dem Internet richtig einzuordnen.

Was Gesundheitskompetenz bedeutet – und warum sie so wichtig ist

Gesundheitskompetenz beschreibt die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und für das eigene Leben zu nutzen. Es geht dabei nicht nur um das Lesen eines Arztbriefs. Es geht darum, zu verstehen, was eine Diagnose bedeutet, wie man mit Medikamenten umgeht, wann man zum Arzt sollte – und welche Informationsquellen vertrauenswürdig sind.

Wer eine geringe Gesundheitskompetenz hat, nutzt das Gesundheitssystem anders: Er geht häufiger in die Notaufnahme, statt erst einen Hausarzt zu konsultieren. Er nimmt Medikamente nicht korrekt ein. Er versteht Risikoinformationen falsch. Laut RKI ist geringe Gesundheitskompetenz mit ungünstigerem Gesundheitsverhalten und höheren Versorgungsbedarfen verbunden – das bedeutet im Umkehrschluss: höhere Kosten für das System und weniger Gesundheit für die Einzelperson.

Das Ergebnis: 81 Prozent haben eine geringe Gesundheitskompetenz

Für die Studie wurden 26.817 Erwachsene im Rahmen der Jahreserhebung 2024 des RKI-Panels „Gesundheit in Deutschland" befragt. Die Messung erfolgte mit dem international etablierten Instrument HLS19-Q12, das zwölf Fragen zu Alltagssituationen mit Gesundheitsbezug enthält – vom Arztbesuch über die Medikamenteneinnahme bis hin zur Beurteilung von Medienberichten über Gesundheitsthemen.

Das zentrale Ergebnis: 81,3 Prozent der Frauen und 81,0 Prozent der Männer weisen eine geringe allgemeine Gesundheitskompetenz auf. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist damit minimal. Deutlicher ist der Einfluss des Bildungsstands: Personen mit hoher Bildung zeigen bei beiden Geschlechtern die höchste Gesundheitskompetenz. Wer Abitur oder einen Hochschulabschluss hat, kann Gesundheitsinformationen besser einordnen – und ist damit in einer privilegierten Lage gegenüber der Mehrheit der Bevölkerung.

Beim Blick auf das Alter zeigt sich ein interessantes Muster: Bei Frauen sinkt der Anteil mit geringer Gesundheitskompetenz tendenziell bis zur Altersgruppe der 65- bis 79-Jährigen. Bei Männern ist dieser Trend nicht zu beobachten. Die Gründe dafür sind noch nicht vollständig geklärt – möglicherweise spielt die lebenslange Erfahrung mit Vorsorge und Gesundheitsversorgung eine Rolle, die Frauen oft intensiver wahrnehmen.

Was Expertinnen und Experten fordern

Das RKI-Forschungsteam zieht aus den Ergebnissen eine klare Schlussfolgerung: Es reicht nicht aus, einzelne Menschen besser zu informieren oder zu schulen. Stattdessen müssen die Strukturen selbst verändert werden – also das, wie Gesundheitsinformationen aufbereitet, kommuniziert und zugänglich gemacht werden.

Konkret bedeutet das: Arztbriefe in verständlicher Sprache, Beipackzettel ohne Fachjargon, Gesundheitsapps mit klarer Nutzerführung, und digitale Angebote, die Menschen wirklich erreichen – unabhängig von ihrem Bildungsstand. Digitale Gesundheitsplattformen wie bestes.com können dabei eine wichtige Rolle spielen, indem sie verlässliche Informationen zu Diagnosen, Therapien und Gesundheitsthemen auf Alltagsebene aufbereiten.

Wie steht Deutschland im internationalen Vergleich?

Deutschland ist mit diesem Ergebnis nicht allein. Internationale Studien zeigen, dass geringe Gesundheitskompetenz in vielen europäischen Ländern verbreitet ist – teilweise mit ähnlich hohen Anteilen wie in Deutschland. Der Unterschied liegt jedoch darin, wie Länder darauf reagieren: Finnland etwa hat die Förderung von Gesundheitskompetenz als Staatsziel verankert, Österreich hat eigene Aktionspläne entwickelt. In Deutschland gibt es zwar Initiativen einzelner Akteure, aber noch kein einheitliches nationales Konzept.

Die RKI-Daten liefern nun eine solide Grundlage für politische Entscheidungen – mit einer Stichprobengröße von über 26.000 Befragten und einem standardisierten Messverfahren, das internationale Vergleiche erlaubt.

Was kann ich selbst tun?

Wenn 81 Prozent der Bevölkerung eine geringe Gesundheitskompetenz haben, dann ist das keine individuelle Schwäche – sondern ein systemisches Problem. Wer trotzdem aktiv werden möchte, kann einige einfache Schritte gehen: Fragen beim Arztbesuch notieren und stellen, bevor man die Praxis verlässt. Diagnosen und Behandlungsoptionen auf verständlichen Plattformen nachschlagen. Medienberichte über Gesundheitsthemen kritisch einordnen und auf seriöse Quellen wie RKI, BZgA oder geprüfte Gesundheitsportale zurückgreifen.

Digitale Hilfsmittel können dabei eine echte Unterstützung sein: von Apps, die Medikamentenpläne verwalten, über Plattformen, die Diagnosen erklären, bis hin zu Telemedizin-Angeboten, die niedrigschwelligen Zugang zu Ärzten ermöglichen. Mehr zu solchen Angeboten findest du auf bestes.com.

Häufige Fragen zur Gesundheitskompetenz

Was bedeutet „geringe Gesundheitskompetenz" genau?

Geringe Gesundheitskompetenz bedeutet, dass eine Person Schwierigkeiten hat, relevante Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und in konkrete Handlungen umzusetzen. Das kann das Verstehen einer Diagnose, die korrekte Anwendung von Medikamenten oder die Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit von Gesundheitsquellen betreffen. Die RKI-Studie misst dies mit dem standardisierten Fragebogen HLS19-Q12.

Warum ist Bildung so entscheidend für Gesundheitskompetenz?

Die RKI-Studie bestätigt, was internationale Forschung bereits gezeigt hat: Personen mit höherem Bildungsstand haben eine bessere Gesundheitskompetenz. Das liegt daran, dass Bildung Fähigkeiten fördert, die auch im Gesundheitsbereich wichtig sind – kritisches Denken, Lese- und Schreibkompetenz sowie die Fähigkeit, komplexe Informationen einzuordnen. Genau deshalb fordern Expertinnen und Experten, Gesundheitsangebote so zu gestalten, dass sie unabhängig vom Bildungsstand verständlich sind.

Was plant die Politik?

Die RKI-Studie liefert eine belastbare Datengrundlage für politische Maßnahmen. Konkrete nationale Programme zur Förderung von Gesundheitskompetenz gibt es in Deutschland noch nicht in dem Umfang wie etwa in Österreich oder Finnland. Fachverbände und Institutionen wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) arbeiten jedoch an niedrigschwelligen Informationsangeboten – und das RKI betont, dass Strukturveränderungen gegenüber individuellen Schulungsansätzen Vorrang haben sollten.

Die Bestes-App

Gesundheit, die kostenlos in deiner Tasche ist.

Quiz, Vorsorge, KI-Coach und mehr — für dich und deine Familie. Jetzt im App Store und bei Google Play.