Von Redaktion

Fünf Minuten Gehen pro Stunde: Studie belegt Wirkung gegen Büromüdigkeit

British Journal of Sports Medicine: 5 Minuten Gehen pro Stunde senken Büromüdigkeit um 1,41 Punkte – ohne Einbußen bei Produktivität.

Wer im Büro stundenlang sitzt, kennt das Gefühl: Die Konzentration lässt nach, der Kopf wird schwer, die Energie sinkt. Was dagegen wirklich hilft – und wie wenig dafür nötig ist –, zeigt nun eine ungewöhnlich große Studie, veröffentlicht am 26. Juni 2026 im British Journal of Sports Medicine. Das Ergebnis: Bereits fünf Minuten Gehen pro Stunde senken die Büromüdigkeit messbar, ohne die Arbeitsleistung zu beeinträchtigen.

Wie die Studie aufgebaut war

Der sogenannte Body Electric Challenge wurde vom Bewegungsforscher Keith Diaz (Florence Irving Associate Professor of Behavioral Medicine, Columbia University Irving Medical Center) in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Radiosender NPR entwickelt. Hörerinnen und Hörer des Podcasts „Body Electric" wurden eingeladen, einen 21-tägigen Bewegungsversuch zu absolvieren. Über 19.000 Erwachsene meldeten sich an – 11.500 führten den Versuch vollständig durch.

Die Teilnehmenden wurden zufällig in drei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe sollte alle 30 Minuten eine fünfminütige Gehpause einlegen, eine zweite alle 60 Minuten, eine dritte alle 120 Minuten. Vor und nach dem Versuch berichteten alle Teilnehmenden über ihre Müdigkeit, Stimmung und ihr Arbeitsengagement. Die Erhebung war bewusst minimal gehalten: keine Fitnesstracker, keine Apps, keine Coaches – nur die Aufforderung zu gehen und anschließend der Bericht darüber, wie es sich angefühlt hat.

Was die Studie zeigt

Alle drei Gruppen profitierten von den Bewegungspausen. In der Gruppe mit stündlichen Pausen sank die Müdigkeit um durchschnittlich 1,41 Punkte auf einer standardisierten Skala – ein Effekt, der klinisch als bedeutsam gilt. Auch Stimmung und das Gefühl von niedrigschwelliger Erschöpfung, das einen langen Arbeitstag begleitet, verbesserten sich messbar.

Entgegen einer weit verbreiteten Befürchtung litt die Arbeitsleistung nicht. Beschäftigte in allen drei Gruppen berichteten von kleinen, aber positiven Veränderungen in ihrem Engagement und ihrer Produktivität. Das Argument, Pausen kosteten Leistung, ist laut den Studienautoren damit schwerer zu verteidigen als zuvor.

Wo liegt der optimale Rhythmus?

Die häufigsten Pausen – alle 30 Minuten – erzielten die stärksten Effekte. Allerdings waren sie auch am schwersten durchzuhalten: Viele Teilnehmende berichteten, dass der Rhythmus den Arbeitsfluss störte. Die seltensten Pausen – alle zwei Stunden – waren einfacher zu integrieren, lieferten aber weniger Wirkung.

Als praktisch beste Lösung identifizierten die Forschenden die stündliche Pause. Sie bietet laut den Studienergebnissen eine gute Balance zwischen Wirksamkeit und Alltagstauglichkeit. Fünf Minuten pro Stunde sind in den meisten Büroumgebungen realistisch umsetzbar – ohne Kalenderblockierungen, ohne Coaching und ohne spezielle Infrastruktur.

Warum langes Sitzen gefährlich ist

Die Studie steht in einem größeren Forschungskontext. Keith Diaz hat sich seit Jahren mit den gesundheitlichen Folgen langen Sitzens beschäftigt. Eine frühere Arbeit seines Labors, publiziert in Medicine & Science in Sports & Exercise, hatte gezeigt, dass kurze Bewegungspausen Blutdruck, Blutzucker und Stimmung signifikant verbessern – allerdings unter kontrollierten Laborbedingungen mit elf Teilnehmenden.

Die neue Studie repliziert diese Befunde erstmals im realen Alltag mit einer um das Tausendfache größeren Stichprobe. Dass die Effekte trotz fehlender Kontrolle, unterschiedlicher Berufe, Schichtmodelle und Lebenssituationen sichtbar blieben, wertet das Forscherteam als starkes Signal für die Robustheit des Ansatzes.

Einschränkungen und offene Fragen

Die Studie hat Grenzen. Die Beobachtungsphase von 21 Tagen ist zu kurz, um langfristige Effekte zu messen – ob die Teilnehmenden ihren neuen Bewegungsrhythmus beibehielten und ob die Wirkung anhielt, bleibt offen. Alle Daten wurden von den Teilnehmenden selbst berichtet, ohne Biomarker wie Blutdruck oder Herzrate. Und da die Studie in den USA durchgeführt wurde und sich vor allem an NPR-Hörerinnen und -Hörer richtete, ist die Stichprobe möglicherweise nicht repräsentativ für die gesamte Bevölkerung.

Trotzdem ist die Botschaft eindeutig genug, um als Grundlage für praktische Empfehlungen zu dienen, schreiben die Autoren: Kurze Gehpausen lassen sich in öffentliche Gesundheitsempfehlungen und betriebliche Gesundheitsmanagement-Programme integrieren.

Häufige Fragen

Reicht eine Pause alle zwei Stunden wirklich aus?

Die Studie zeigt, dass auch Pausen alle zwei Stunden messbare Verbesserungen der Stimmung und Müdigkeit bringen. Der Effekt ist jedoch geringer als bei stündlichen Pausen. Wer keine häufigeren Unterbrechungen einplanen kann, profitiert trotzdem – der optimale Rhythmus bleibt stündlich.

Muss ich wirklich gehen – oder reicht aufstehen und strecken?

In dieser Studie wurde spezifisch Gehen untersucht. Ob auch kurzes Aufstehen, Strecken oder andere leichte Bewegungsformen ähnliche Effekte erzielen, ist Gegenstand weiterer Forschung. Gehen hat den Vorteil, dass es die Durchblutung aktiv fördert und die neuromuskuläre Aktivierung verändert.

Gilt das auch für Homeoffice?

Die Teilnehmenden der Studie arbeiteten in verschiedenen Settings, darunter auch Homeoffice. Die Effekte zeigten sich unabhängig vom Arbeitsort. Im Homeoffice entfallen zudem viele der sozialen Barrieren – niemand muss einen Meeting-Raum verlassen oder Kolleginnen unterbrechen.

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