Studie
Von Redaktion

Frühjahrsmüdigkeit ist ein Mythos – Studie findet keine wissenschaftlichen Belege

Studie der Uni Basel 2026: Frühjahrsmüdigkeit ist ein kultureller Mythos. n=418, 12 Monate – kein Beleg für erhöhte Erschöpfung im Frühling.

Fast jeder Deutsche kennt das Phänomen: Im Frühjahr, wenn die Tage länger werden und die Temperaturen steigen, fühlen sich viele schlapp, müde und antriebslos. Die sogenannte "Frühjahrsmüdigkeit" gilt hierzulande als volkstümlich anerkanntes Leiden – doch eine neue Studie zeigt: Wissenschaftliche Belege für dieses Phänomen gibt es nicht. Forscher der Universität Basel und des Inselspitals Bern kommen zu dem Schluss, dass Frühjahrsmüdigkeit ein kultureller Mythos ist.

Was die Studie untersuchte

Die Studie wurde im Journal of Sleep Research veröffentlicht und gilt als bislang sorgfältigste Prüfung des Phänomens. 418 Erwachsene wurden ab April 2024 über ein volles Jahr alle sechs Wochen befragt – zu Schlafqualität, Tagesmüdigkeit, Erschöpfung und allgemeinem Wohlbefinden. Dabei wurden Frühling, Sommer, Herbst und Winter abgedeckt.

Das Ergebnis war eindeutig: Im Frühjahr gab es weder mehr Müdigkeit noch schlechtere Schlafqualität als zu anderen Jahreszeiten. Weder Erschöpfung noch Tagesschläfrigkeit stiegen im Frühling messbar an. Interessanterweise zeigte die Befragung jedoch: Fast die Hälfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer glaubte subjektiv, von Frühjahrsmüdigkeit betroffen zu sein.

Der Nocebo-Effekt: Erwartung erzeugt Wahrnehmung

Wie lässt sich dieser Widerspruch erklären? Die Forscher sehen den Nocebo-Effekt als Hauptursache. Der Nocebo-Effekt ist das Gegenstück zum bekannten Placebo-Effekt: Wenn man eine negative Erfahrung erwartet, nimmt man sie mit höherer Wahrscheinlichkeit auch wahr – auch wenn sie objektiv nicht stärker ist als sonst. "Der Begriff Frühjahrsmüdigkeit ist so fest in der deutschen Sprache verankert, dass er Menschen geradezu dazu einlädt, im Frühling auf Müdigkeit zu achten", erläuterten die Studienautoren gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung.

Im englischsprachigen Raum kennt man übrigens kein Äquivalent zur Frühjahrsmüdigkeit. Dort spricht man vom "spring fever" – also einem Frühlingsgefühl mit erhöhter Energie und Vitalität. Das ist kein Zufall: Was wir im Frühling wahrnehmen, ist kulturell geprägt. Im deutschsprachigen Raum haben Generationen gelernt, im März und April auf Müdigkeit zu achten; in Großbritannien lernt man, sich auf Energie zu freuen.

Was wirklich hinter Frühjahrs-Müdigkeit stecken kann

Das bedeutet nicht, dass Erschöpfung im Frühling eingebildet ist. Viele Menschen sind tatsächlich müde – aber nicht wegen des Frühlings, sondern wegen anderer Faktoren, die das ganze Jahr über wirken oder zufällig im Frühjahr auftreten. Mögliche Ursachen für anhaltende Müdigkeit sind: Schlafmangel oder schlechte Schlafhygiene, Eisenmangel (besonders bei Frauen), Vitamin-D-Mangel nach dem Winter, Schilddrüsenunterfunktion, saisonale Allergien (Heuschnupfen kann die Schlafqualität deutlich verschlechtern) oder Depressionen.

Wer sich also im Frühjahr dauerhaft erschöpft fühlt, sollte die Ursache nicht der Jahreszeit zuschieben und abwarten – sondern ärztlich klären lassen. Ein einfacher Blutbild-Test kann Eisenmangel, Vitamin-D-Mangel oder Schilddrüsenprobleme aufdecken.

Schlechter Schlaf: Was wirklich hilft

Unabhängig von der Jahreszeit ist Schlafhygiene der stärkste Hebel für ausgeruhte Morgen. Bewährt sind: feste Schlaf- und Aufstehzeiten (auch am Wochenende), dunkle und kühle Schlafumgebung, kein Bildschirm in der letzten Stunde vor dem Einschlafen, kein Koffein nach 14 Uhr und ausreichend Bewegung am Tag – allerdings nicht kurz vor dem Zubettgehen. Besonders der Einfluss von Abendroutinen auf den Schlaf ist in den vergangenen Jahren gut belegt worden.

Häufige Fragen

Gibt es Frühjahrsmüdigkeit also wirklich nicht?
Nicht als eigenständiges medizinisches Phänomen – das legt die aktuelle Forschung nahe. Müdigkeit im Frühling kann vorkommen, hat aber andere Ursachen als die Jahreszeit. Wer dauerhaft erschöpft ist, sollte einen Arzt aufsuchen.

Ab wann sollte ich zum Arzt wegen Müdigkeit?
Wenn Erschöpfung länger als zwei bis vier Wochen anhält, trotz ausreichend Schlaf besteht oder von anderen Symptomen (Schwindel, Gewichtsverlust, Herzrasen) begleitet wird, ist eine ärztliche Abklärung wichtig. Hausärzte und Allgemeinmediziner findest du auf bestes.com/services.

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