Studie
Von Redaktion

Frühjahrsmüdigkeit ist ein Mythos – Studie findet keine wissenschaftlichen Belege

Studie der Uni Basel 2026: Frühjahrsmüdigkeit ist ein kultureller Mythos. n=418, 12 Monate – kein Beleg für erhöhte Erschöpfung im Frühling.

Fast jeder Deutsche kennt das Phänomen: Im Frühjahr, wenn die Tage länger werden und die Temperaturen steigen, fühlen sich viele schlapp, müde und antriebslos. Die sogenannte "Frühjahrsmüdigkeit" gilt hierzulande als volkstümlich anerkanntes Leiden – doch eine neue Studie zeigt: Wissenschaftliche Belege für dieses Phänomen gibt es nicht [1]. Forscher der Universität Basel und des Inselspitals Bern kommen zu dem Schluss, dass Frühjahrsmüdigkeit ein kultureller Mythos ist. ## Was die Studie untersuchte Die Studie wurde im Journal of Sleep Research veröffentlicht und gilt als bislang sorgfältigste Prüfung des Phänomens. 418 Erwachsene wurden ab April 2024 über ein volles Jahr alle sechs Wochen befragt – zu Schlafqualität, Tagesmüdigkeit, Erschöpfung und allgemeinem Wohlbefinden [1]. Dabei wurden Frühling, Sommer, Herbst und Winter abgedeckt. Das Ergebnis war eindeutig: Im Frühjahr gab es weder mehr Müdigkeit noch schlechtere Schlafqualität als zu anderen Jahreszeiten. Weder Erschöpfung noch Tagesschläfrigkeit stiegen im Frühling messbar an. Interessanterweise zeigte die Befragung jedoch: Fast die Hälfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer glaubte subjektiv, von Frühjahrsmüdigkeit betroffen zu sein [1]. ## Der Nocebo-Effekt: Erwartung erzeugt Wahrnehmung Wie lässt sich dieser Widerspruch erklären? Die Forscher sehen den Nocebo-Effekt als Hauptursache. Der Nocebo-Effekt ist das Gegenstück zum bekannten Placebo-Effekt: Wenn man eine negative Erfahrung erwartet, nimmt man sie mit höherer Wahrscheinlichkeit auch wahr – auch wenn sie objektiv nicht stärker ist als sonst. "Der Begriff Frühjahrsmüdigkeit ist so fest in der deutschen Sprache verankert, dass er Menschen geradezu dazu einlädt, im Frühling auf Müdigkeit zu achten", erläuterten die Studienautoren gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung [2]. Im englischsprachigen Raum kennt man übrigens kein Äquivalent zur Frühjahrsmüdigkeit. Dort spricht man vom "spring fever" – also einem Frühlingsgefühl mit erhöhter Energie und Vitalität. Das ist kein Zufall: Was wir im Frühling wahrnehmen, ist kulturell geprägt. Im deutschsprachigen Raum haben Generationen gelernt, im März und April auf Müdigkeit zu achten; in Großbritannien lernt man, sich auf Energie zu freuen. ## Was wirklich hinter Frühjahrs-Müdigkeit stecken kann Das bedeutet nicht, dass Erschöpfung im Frühling eingebildet ist. Viele Menschen sind tatsächlich müde – aber nicht wegen des Frühlings, sondern wegen anderer Faktoren, die das ganze Jahr über wirken oder zufällig im Frühjahr auftreten. Mögliche Ursachen für anhaltende Müdigkeit sind: Schlafmangel oder schlechte Schlafhygiene, Eisenmangel (besonders bei Frauen), Vitamin-D-Mangel nach dem Winter, Schilddrüsenunterfunktion, saisonale Allergien (Heuschnupfen kann die Schlafqualität deutlich verschlechtern) oder Depressionen [2]. Wer sich also im Frühjahr dauerhaft erschöpft fühlt, sollte die Ursache nicht der Jahreszeit zuschieben und abwarten – sondern ärztlich klären lassen. Ein einfacher Blutbild-Test kann Eisenmangel, Vitamin-D-Mangel oder Schilddrüsenprobleme aufdecken. ## Schlechter Schlaf: Was wirklich hilft Unabhängig von der Jahreszeit ist Schlafhygiene der stärkste Hebel für ausgeruhte Morgen. Bewährt sind: feste Schlaf- und Aufstehzeiten (auch am Wochenende), dunkle und kühle Schlafumgebung, kein Bildschirm in der letzten Stunde vor dem Einschlafen, kein Koffein nach 14 Uhr und ausreichend Bewegung am Tag – allerdings nicht kurz vor dem Zubettgehen. Besonders der Einfluss von Abendroutinen auf den Schlaf ist in den vergangenen Jahren gut belegt worden. ## Häufige Fragen **Gibt es Frühjahrsmüdigkeit also wirklich nicht?** Nicht als eigenständiges medizinisches Phänomen – das legt die aktuelle Forschung nahe. Müdigkeit im Frühling kann vorkommen, hat aber andere Ursachen als die Jahreszeit. Wer dauerhaft erschöpft ist, sollte einen Arzt aufsuchen. **Ab wann sollte ich zum Arzt wegen Müdigkeit?** Wenn Erschöpfung länger als zwei bis vier Wochen anhält, trotz ausreichend Schlaf besteht oder von anderen Symptomen (Schwindel, Gewichtsverlust, Herzrasen) begleitet wird, ist eine ärztliche Abklärung wichtig. Hausärzte und Allgemeinmediziner findest du auf bestes.com/services. --- **Quellen:** [1] Universität Basel / Inselspital Bern. "Frühjahrsmüdigkeit: Studie findet keine Belege für verstärkte Erschöpfung im Frühling." Journal of Sleep Research. März 2026. https://www.scinexx.de/news/medizin/fruehjahrsmuedigkeit-nur-ein-mythos/ [2] Pharmazeutische Zeitung. "Wissenschaftliche Studie: Frühjahrsmüdigkeit ist ein Mythos." März 2026. https://www.pharmazeutische-zeitung.de/fruehjahrsmuedigkeit-ist-ein-mythos-163427/ ## Was wirklich gegen Müdigkeit hilft Da Frühjahrsmüdigkeit wissenschaftlich nicht existiert, braucht es auch keine speziellen Frühjahrskuren oder Nahrungsergänzungsmittel, die damit vermarktet werden. Viele der im Frühjahr beworbenen Vitaminpräparate und "Entschlackungskuren" haben keine nachgewiesene Wirkung auf Müdigkeit. Die Gesundheitsindustrie profitiert von einer Erwartung, die der Nocebo-Effekt erst erzeugt. Was hingegen wissenschaftlich belegt ist: Regelmäßige Bewegung steigert die Energie – paradoxerweise auch dann, wenn man sich müde fühlt. Bereits 30 Minuten moderates Gehen dreimal pro Woche verbessern nachweislich Stimmung, Schlafqualität und Energieniveau. Eisenmangel ist die häufigste Mangelerkrankung in Deutschland (besonders bei Frauen) und verursacht anhaltende Erschöpfung – ein einfacher Bluttest beim Hausarzt klärt das in Minuten [1]. Wenn die Erschöpfung nach dem Winter besonders stark ist, kann auch ein Vitamin-D-Mangel eine Rolle spielen: In Mitteleuropa hat die Mehrheit der Bevölkerung am Ende des Winters niedrige Vitamin-D-Spiegel. Bei nachgewiesenem Mangel ist eine Supplementierung sinnvoll – nicht als Universalmittel, sondern als gezielte Intervention. Hausärzte und Allgemeinmediziner auf bestes.com/services. ## Schlaf priorisieren – das Fundament für Jahresenergie Eine Beobachtung aus der Schlafforschung: Der größte Energieverlust im Frühjahr korreliert mit dem Beginn der Sommerzeit – dem Uhrenumstellen. Dieses artificial "spring forward" kostet Menschen im Schnitt 40–50 Minuten Schlaf pro Nacht in der ersten Woche danach, mit messbaren Auswirkungen auf Herzinfarktrate, Unfallhäufigkeit und Arbeitsproduktivität. Das ist echter biologischer Stress – nicht Frühjahrsmüdigkeit. Wer im April müde ist, sollte zuerst seinen Schlaf optimieren: feste Schlafzeiten, dunkles Schlafzimmer, Bildschirmverzicht 60 Minuten vor dem Schlafengehen. Das hilft messbar besser als jedes Frühjahrs-Supplement. Schlafmediziner auf bestes.com/services.

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