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Stuhltransplantation verdoppelt Remissionsraten bei Colitis ulcerosa

March 29, 2026

Für Millionen Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen könnte eine ungewöhnliche Therapie zum Gamechanger werden: die fäkale Mikrobiota-Transplantation, kurz FMT. Eine im Februar 2026 auf dem Deutschen Gesundheitsportal publizierte Auswertung aktueller Studien zeigt, dass FMT die kombinierte klinische und endoskopische Remissionsrate bei Colitis ulcerosa verdoppeln kann – verglichen mit Placebo [1]. Voraussetzung: Die Transplantation erfolgt mit Stuhlproben mehrerer sorgfältig ausgewählter Spender und wird durch eine medikamentöse Vorbehandlung des Empfängers vorbereitet. ## Was ist eine Stuhltransplantation? Bei der fäkalen Mikrobiota-Transplantation werden Stuhlproben eines gesunden Spenders aufbereitet und auf einen Patienten übertragen – über eine Darmspiegelung, einen Einlauf, eine Magensonde oder inzwischen auch in Kapselform. Das Ziel: das gestörte Darmmikrobiom des Empfängers mit gesunden Bakterien zu "besiedeln" und das Gleichgewicht der Darmflora wiederherzustellen. Das Konzept klingt ungewöhnlich, ist aber gut belegt: Für die Behandlung rezidivierender Clostridioides-difficile-Infektionen (CDI) – einer gefährlichen Darminfektion – gilt FMT seit Jahren als hochwirksame Standardtherapie mit Erfolgsraten von 80 bis 95 Prozent [2]. ## Neue Daten für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen Komplexer ist die Datenlage bei Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Ein umfassendes Review, das 2025 im Fachmagazin *Fecal Microbiota Transplantation* erschien und in PubMed indexiert ist, fasst den aktuellen Wissensstand zusammen: FMT ist bei Colitis ulcerosa vielversprechend, aber die Ergebnisse variieren stark – je nach Spenderauswahl, Übertragungsweg und Patientengruppe [2]. Entscheidend für den Erfolg, so die Autoren: Spender mit einem besonders vielfältigen und gut zusammengesetzten Darmmikrobiom ("Superspender") erzielen deutlich bessere Ergebnisse als durchschnittliche Spender. Ebenfalls wirksam: die Kombination mehrerer Spender in einer Transplantation, um die mikrobielle Diversität zu maximieren. Kliniken in Australien und Großbritannien erproben diesen "Pooled-Donor"-Ansatz bereits in klinischen Studien. Die Europäische Gesellschaft für Crohn und Colitis (ECCO) präsentierte auf ihrem Kongress 2025 Daten zur mikrobiomgesteuerten Spenderselektion: Mit algorithmusbasierter Auswahl des optimalen Spenders für jeden einzelnen Patienten stiegen die Remissionsraten auf über 40 Prozent – mehr als doppelt so hoch wie in früheren Studien ohne gezielte Spenderauswahl [3]. ## Zugelassen ist FMT bislang nur für C.-difficile-Infektionen In Deutschland und der EU sind FMT-Präparate regulatorisch primär für CDI-Behandlungen zugelassen. Die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat 2023 zwei auf FMT basierende Präparate für CDI zugelassen – Rebyota (RBX2660) und Vowst (SER-109). Die AGA-Leitlinie 2024 empfiehlt FMT ausdrücklich bei rezidivierender CDI, rät aber für Colitis ulcerosa außerhalb klinischer Studien noch zur Zurückhaltung [2]. Für Patienten bedeutet das: FMT bei CED ist in Deutschland derzeit nur in spezialisierten Zentren im Rahmen klinischer Studien zugänglich, nicht als Kassenleistung. Ein Selbstzahlerangebot ist aufgrund fehlender Zulassung hierzulande nicht verfügbar – anders als in einigen außereuropäischen Ländern. ## Worüber die Forschung jetzt nachdenkt: Krebsimmuntherapie und FMT Ein aufsehendes Forschungsfeld geht noch weiter: Im Februar 2026 berichteten mehrere Studiengruppen, dass FMT bei Krebspatienten das Ansprechen auf Immuntherapien verbessern könnte. Konkret untersuchen Forscher in der Schweiz und Deutschland, ob die Übertragung von Darmbakterien aus Immuntherapie-Respondern auf Nicht-Responder deren Tumoren für Checkpoint-Inhibitoren sensibilisiert [4]. Erste Ergebnisse bei Nierenzellkarzinom-Patienten sind ermutigend – klinisch verwertbar sind die Daten noch nicht. ## Risiken nicht unterschätzen So vielversprechend die Methode ist, so wichtig ist es, die Risiken zu kennen. FMT ist kein harmloses Verfahren: Fehlerhafte Spenderscreenings haben in Einzelfällen zu schweren Infektionen geführt, darunter Übertragungen von multiresistenten Keimen. In der EU gelten daher strenge Vorgaben für Spendertestung und Probenaufbereitung. Außerdem hat die US-amerikanische OpenBiome – der weltweit größte FMT-Anbieter – Ende 2024 die Lieferung kommerzieller FMT-Präparate eingestellt, was den Zugang für Kliniken im englischsprachigen Raum erschwert [2]. ## Was Betroffene wissen sollten Menschen mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, die über FMT nachdenken, sollten dies ausschließlich mit ihrem Gastroenterologen besprechen. Selbstversuche mit "Do-it-yourself"-FMT – die in sozialen Netzwerken diskutiert werden – sind medizinisch gefährlich und rechtlich problematisch. Wer nach spezialisierten Gastroenterologen oder Darm-Spezialisten sucht, findet auf [bestes.com](https://bestes.com) geprüfte Einträge zu entsprechenden Gesundheitsangeboten und Apps, die bei der Symptomverfolgung helfen. ## Ausblick: Mikrobiommedizin als neues Feld FMT ist der prominenteste Vertreter einer wachsenden Disziplin: der Mikrobiommedizin. Forscher weltweit arbeiten an der Frage, welche Bakterienmischungen für welche Erkrankungen optimal sind – und wie sich das Darmmikrobiom nicht nur transplantieren, sondern gezielt kultivieren lässt, etwa durch Probiotika der nächsten Generation oder Präbiotika-Protokolle. In Deutschland fördert das BMBF seit 2024 mehrere Konsortien zu diesem Thema. Bis FMT für CED regulär verfügbar ist, dürfte noch Zeit vergehen. Aber die Daten aus 2025 und 2026 machen deutlich: Das Potenzial ist real. **Quellen:** [1] Deutsches Gesundheitsportal, Februar 2026: FMT steigert Remissionsraten bei CU [2] PubMed / Fecal Microbiota Transplantation Review 2025 (PMID 41530607) [3] ECCO Kongress 2025: Mikrobiomgesteuerte Spenderselektion [4] Humanforschung Schweiz / Universitätskliniken 2026: FMT + Immuntherapie ## Häufige Fragen zu FMT **Kann ich FMT beim Hausarzt ansprechen?** Ja, allerdings kann der Hausarzt selbst keine FMT durchführen. Er kann Sie in ein spezialisiertes Zentrum überweisen, das klinische Studien anbietet. Eine Liste von FMT-Zentren in Deutschland finden Sie über die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie (DGVS) und die Deutsche Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV). **Was kostet FMT?** Im Rahmen klinischer Studien entstehen für Patienten in der Regel keine Kosten. Außerhalb von Studien ist FMT für CED in Deutschland nicht als Kassenleistung anerkannt. Selbstzahlertarife einzelner Kliniken beginnen bei mehreren tausend Euro. **Wie lange dauert der Effekt?** Bei CDI ist FMT in der Regel langfristig wirksam. Bei CED zeigen Studien nach 6–12 Monaten unterschiedliche Dauerhaftigkeitsraten; Wiederholungsbehandlungen werden in manchen Protokollen geplant eingesetzt. **Welche Nebenwirkungen gibt es?** Häufig: vorübergehendes Blähungsgefühl, Krämpfe oder leichter Durchfall in den ersten Tagen nach der Transplantation. Selten: Übertragung von Infektionserregern vom Spender – deshalb ist das Spenderscreening entscheidend.
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