ePA-Medikationsplan kommt: Was der Pilot ab Juli 2026 für dich bedeutet
Ab Juli 2026 startet der ePA-Medikationsplan-Pilot. Was das für Patienten bedeutet – und warum 90% die ePA nie geöffnet haben.
Ab Juli 2026 startet in deutschen Modellregionen der Pilot für den elektronischen Medikationsplan (eMP) – eine neue Funktion der elektronischen Patientenakte. Wer regelmäßig mehrere Medikamente einnimmt, kennt das Problem: Ein Arzt verschreibt etwas, die Spezialistin weiß es nicht, die Apotheke hat eine andere Liste. Der Überblick geht verloren – und im schlimmsten Fall entstehen gefährliche Wechselwirkungen. Genau das will der eMP ändern.
Was der neue Medikationsplan kann – und was ihn vom Bisherigen unterscheidet
Die elektronische Medikationsliste (eML) ist seit dem Start der ePA für alle bereits Teil der Akte. Ärzte und Apotheker können damit sehen, welche Medikamente ein Patient zuletzt eingelöst hat. Das klingt hilfreich – reicht aber nicht aus. Was bisher fehlt: eine strukturierte Übersicht mit Dosierung, Einnahmehinweisen und dem genauen Zeitplan. Genau das liefert der eMP.
Laut gematik-Gesellschafterbeschluss vom September 2025 fügt der eMP strukturierte Dosierungsangaben und Einnahmehinweise hinzu – also nicht nur „Ibuprofen", sondern „Ibuprofen 400 mg, dreimal täglich nach dem Essen, nicht länger als drei Tage". Damit lassen sich auch komplexe Dosierschemata abbilden, die das bisherige 4er-Schema des bundeseinheitlichen Medikationsplans überschreiten. Das 4er-Schema kennt nur morgens, mittags, abends, nachts – wer beispielsweise ein Herzmedikament alle 36 Stunden nehmen soll, fällt damit durchs Raster.
Neu ist auch: Betäubungsmittel, die noch kein E-Rezept haben, können nachgetragen werden. Und Ärzte sowie Apotheker dürfen künftig auch rezeptfreie Präparate ergänzen – Nasenspray, Paracetamol, Magnesium. Gerade bei Polymedikation – also der gleichzeitigen Einnahme von fünf oder mehr Präparaten – ist das entscheidend. Wechselwirkungen entstehen nämlich nicht nur zwischen Rezeptpflichtigen.
Wie weit die ePA schon ist – ein Jahr in Zahlen
Die Grundlage ist breiter als viele ahnen. Nach Angaben der gematik wurden bis Mitte April 2026 bereits mehr als 100 Millionen Dokumente in elektronischen Patientenakten gespeichert – ein Jahr nach dem bundesweiten Start. Befunde, Laborberichte, Arztbriefe: Sie alle landen zunehmend digital in der Akte.
Besonders eindrücklich ist eine Zahl aus dem Versorgungsalltag: Mehr als 21 Millionen Mal pro Woche werden Medikationslisten aus der ePA abgerufen – von Ärzten und Apothekern. Das zeigt, dass die Akte nicht nur existiert, sondern aktiv in Behandlungsprozesse eingebunden wird. Knapp 93.000 Praxen greifen wöchentlich auf ePA-Daten ihrer Patienten zu, Tendenz steigend. Vor einem halben Jahr waren es noch 84.000. Auch in Krankenhäusern nimmt die Nutzung zu: Mehr als 90.000 Dokumente wurden zuletzt wöchentlich von Kliniken in Patientenakten hochgeladen.
Für die persönliche Nutzung braucht es eine digitale Gesundheitsidentität – eine Art Login für die eigene Akte. Rund 5,1 Millionen Menschen haben diesen Schritt bislang gemacht. Vor einem halben Jahr waren es erst 3,9 Millionen, was einem Zuwachs von fast einem Drittel entspricht.
Wann kommt was – der Zeitplan im Überblick
Der Pilot des eMP startet laut gematik-Roadmap in ausgewählten Modellregionen ab Juli 2026. Das bewährte Vorgehen: Neue Funktionen werden zunächst in wenigen Regionen getestet, bevor sie bundesweit ausgerollt werden. Das hat sich bereits bei der ePA für alle bewährt, die 2025 schrittweise eingeführt wurde. Den genauen Zeitplan für den bundesweiten Rollout des eMP bestätigt die gematik für Ende 2026 beziehungsweise Anfang 2027 – zusammen mit weiteren geplanten Funktionen wie der Volltextsuche in der Akte und der Datenweiterleitung an das Forschungsdatenzentrum Gesundheit.
Für Patienten bedeutet das: Wer mehrere Erkrankungen hat und entsprechend viele Präparate nimmt, bekommt künftig in einer digitalen Übersicht angezeigt, was eingenommen wird, in welcher Dosis, von wem verordnet und ob es Hinweise auf Wechselwirkungen gibt. Das kann Leben retten – Studien zeigen, dass unerwünschte Arzneimittelwirkungen in Deutschland jährlich für Zehntausende Krankenhauseinweisungen verantwortlich sind.
Passive Akte oder aktive Gesundheitsbegleitung?
Der eMP ist ein wichtiger Schritt. Aber er löst nicht allein das eigentliche Problem: Die ePA ist für die meisten Menschen bisher eine passive Ablage. Daten landen dort, werden aber selten aktiv genutzt. Von mehr als 73 Millionen Versicherten mit ePA haben nur 5,1 Millionen eine digitale Identität angelegt und können ihre Akte selbst einsehen. Das bedeutet: Mehr als 90 Prozent der ePA-Inhaber haben noch nie in ihre eigene Akte geschaut.
Das liegt nicht nur an fehlendem Interesse. Die Hürde ist real – eine digitale Identität muss bei der Krankenkasse beantragt werden, oft über eine Kassen-App. Wer das einmal eingerichtet hat, kann nicht nur die Akte einsehen, sondern soll laut gematik künftig auch Push-Benachrichtigungen erhalten, wenn jemand auf die eigene Akte zugreift.
Wer seine Gesundheit aktiv begleiten will, braucht mehr als eine gut befüllte Akte. Auf bestes.com findest du digitale Gesundheitsangebote, die dich beim Verständnis deiner Therapie unterstützen – von Telemedizin über Medikamenten-Tracker bis hin zu DiGA, die von der Krankenkasse erstattet werden.