Von Redaktion

ePA Medikationsplan 2026: Was der Pilot bedeutet

Ab Juli 2026 testet Deutschland den digitalen Medikationsplan in der ePA – als Antwort auf 16.000 bis 25.000 Todesfaelle durch Medikationsfehler jedes Jahr.

Wer regelmaessig mehrere Medikamente nimmt, kennt das Problem: Welche Tablette gehoert wann eingenommen? Vertraegt die neue Herztablette die alte Diabetespille? Und was passiert, wenn der Facharzt nicht weiss, was der Hausarzt verschrieben hat? Genau hier soll der elektronische Medikationsplan helfen – und seit Mitte Juli 2026 laeuft in Deutschland der erste Praxistest. Laut Pharmazeutischer Zeitung starteten ab dem 15. Juli 2026 erste Pilotpraxen in drei Modellregionen mit der neuen Funktion innerhalb der elektronischen Patientenakte (ePA).

Was der elektronische Medikationsplan kann

Der elektronische Medikationsplan (eMP) ist mehr als eine digitale Liste. Er bietet eine strukturierte Gesamtuebersicht ueber alle Arzneimittel, die eine Person aktuell einnimmt – inklusive Dosierangaben, Einnahmehinweisen und auch nicht verschreibungspflichtigen Mitteln wie Nasenspray oder Schmerzmitteln, die Patienten selbst ergaenzen koennen. Das ist ein wichtiger Unterschied zur elektronischen Medikationsliste (eML), die seit Start der ePA in der Akte liegt: Die eML erfasst nur Verordnungen und Abgaben durch Praxen und Apotheken – die tatsaechliche Einnahme blieb bisher unsichtbar.

Neu ist auch: Arztpraxen koennen Betaeubungsmittelrezepte nachtragen, die bislang nicht elektronisch verordnet werden konnten. Und die ePA wird kuenftig Push-Nachrichten an die Smartphone-App verschicken – zum Beispiel wenn ein neues Dokument in der Akte eingeht oder ein Medikament ergaenzt wurde.

Warum das dringend noetig ist

Die Zahlen hinter dem Problem sind erschreckend. Laut Faktenblatt der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbaende (Stand Oktober 2025) nehmen 7,6 Millionen Deutsche ab 65 Jahren taeglich fuenf oder mehr Arzneimittel ein. Bei Menschen zwischen 75 und 80 Jahren braucht sogar jeder Dritte mehr als acht Medikamente gleichzeitig. Und insgesamt nimmt jeder vierte Bundesbuerger – rund 23 Prozent der Bevoelkerung – dauerhaft mindestens drei Praeparate.

Die Folgen dieser Polymedikation sind medizinisch gravierend: Experten schaetzen, dass in Deutschland jaehrlich 16.000 bis 25.000 Menschen in Zusammenhang mit vermeidbaren Medikationsfehlern sterben. Hinzu kommen mehrere hunderttausend Krankenhauseinweisungen pro Jahr, die auf unerwaenschte Wechselwirkungen oder falsche Dosierungen zurueckgehen. Besonders brisant: Laut ABDA stimmen neun von zehn Medikationslisten, die allein vom Arzt ausgestellt werden, nicht mit dem ueberein, was Patientinnen und Patienten tatsaechlich einnehmen.

Drei Modellregionen testen zuerst

Der Pilot laeuft zunachst in den Regionen Franken, Hamburg und Teilen von Nordrhein-Westfalen – denselben Regionen, die bereits beim Start der ePA fuer alle im Januar 2025 als erste dabei waren. Das Vorgehen ist bewaehrt: Gematik und BMG setzen auf kontrolliertes Ausrollen, bevor die Funktion bundesweit verfuegbar ist. Die Pilotphase ist auf mehrere Monate angelegt. Laut Aerzteblatt sollen alle neuen ePA-Funktionen schrittweise auf das gesamte Bundesgebiet ausgeweitet werden – der bundesweite Rollout wird fuer Anfang 2027 erwartet.

Allerdings gibt es auch kritische Stimmen: Die Kassenaerztliche Bundesvereinigung (KBV) hat laut Pharmazeutischer Zeitung Bedenken angemeldet, weil einzelne technische Module der Praxissoftware zum Starttermin noch nicht vollstaendig verfuegbar seien. Das bedeutet: Nicht alle Praxen in den Pilotregionen werden sofort starten koennen. Fuer Versicherte aendert sich deshalb zunaechst noch nicht viel.

Was Versicherte jetzt wissen muessen

Wer eine gesetzliche Krankenversicherung hat, besitzt seit 2025 automatisch eine ePA – ausser man hat aktiv widersprochen. Ueber die App der eigenen Krankenkasse laesst sich die Akte einsehen und verwalten. Den elektronischen Medikationsplan befuellen und pflegen koennen Arztpraxen, Apotheken und die Versicherten selbst – vorausgesetzt, die Software auf Praxisseite unterstuetzt die neue Funktion.

Wer Fragen zu den eigenen Medikamenten hat oder sich ueber moegliche Wechselwirkungen informieren moechte, findet Unterstuetzung auf verschiedenen Wegen: Digitale Gesundheits-Apps wie Ada Health helfen bei der Einordnung von Beschwerden. MyTherapy ist eine spezialisierte App fuer Medikamentenerinnerungen und Wechselwirkungschecks, die von ueber zwoelf Millionen Menschen weltweit genutzt wird. Fuer aerztliche Rueckfragen zur Medikation bieten Kry und APPzumARZT schnelle Videosprechstunden an. Wer Gesundheitsdokumente – Arztbriefe, Befunde, Rezepte – digital verwalten moechte, kann das auch mit DoctorBox tun, einem digitalen Gesundheitskonto, das unabhaengig von der ePA funktioniert.

Der groessere Rahmen: GeDIG und die ePA als Gesundheitsplattform

Der Medikationsplan-Pilot ist kein Einzelprojekt. Er passt in das grosse Bild, das das Bundesgesundheitsministerium mit dem im Juli 2026 beschlossenen Gesetz fuer Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) entworfen hat. Das Gesetz sieht vor, die ePA schrittweise zur zentralen Plattform der Versorgung auszubauen – mit Volltextsuche fuer Aerzte ab dem ersten Quartal 2027, automatischen Impferinnerungen ab Mitte 2027 und einer kassenindividuellen Erweiterbarkeit durch weitere Apps und Dienste. Der elektronische Medikationsplan ist dabei ein entscheidender Baustein: Wenn Arztpraxis, Apotheke und Klinik endlich aus derselben Datenbasis arbeiten, koennen viele der jaehrlichen Medikationsfehler verhindert werden.

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