Von Redaktion

ePA bekommt elektronischen Medikationsplan – Pilotstart Juli 2026

Ab Juli 2026 zeigt die ePA den vollständigen Medikationsplan – auch rezeptfreie Mittel. Was Patienten mit Polymedikation jetzt wissen müssen.

Die elektronische Patientenakte in Deutschland bekommt ab Juli 2026 einen neuen Kern: den elektronischen Medikationsplan. Für Millionen Menschen mit chronischen Erkrankungen, die täglich mehrere Tabletten nehmen, könnte das einer der praktisch spürbarsten Fortschritte der Gesundheitsdigitalisierung werden. Laut Gematik startet der Pilotbetrieb im Juli 2026, der bundesweite Rollout ist für Oktober 2026 geplant. Grundlage ist die Ausbaustufe 3.1.3 der ePA, die Gematik im Juni 2026 angekündigt hat.

Was bisher in der ePA fehlte

Seit 2025 ist die elektronische Patientenakte für alle gesetzlich Versicherten verfügbar – rund 75 Millionen Menschen haben seitdem theoretisch Zugang. Doch die Alltagstauglichkeit stieß bislang an Grenzen. Das zentrale Problem: Die ePA enthält die elektronische Medikationsliste, kurz eML. Diese zeigt, welche Rezeptmedikamente ein Patient bekommen hat – Wirkstoff, abgebende Apotheke, Verordnungsdatum. Apotheken haben dabei nur Lesezugriff und können selbst nichts eintragen oder korrigieren.

Noch gravierender: Rezeptfreie Präparate fehlen in der eML vollständig. Wer neben seinen Blutdrucktabletten täglich ein Schmerzmittel kauft oder Nahrungsergänzungsmittel nimmt, ist in der Akte unsichtbar. Dabei sind Wechselwirkungen zwischen verschreibungspflichtigen und frei erhältlichen Mitteln laut Bundesgesundheitsministerium eine der häufigsten vermeidbaren Ursachen für Krankenhauseinweisungen in Deutschland.

In Deutschland nehmen rund 50 Prozent der Menschen über 65 Jahre täglich mehr als fünf verschiedene Medikamente ein – ein Phänomen, das Mediziner als Polymedikation bezeichnen. Das Risiko dabei: Jedes zusätzliche Medikament erhöht die Wahrscheinlichkeit unerwünschter Wechselwirkungen exponentiell. Laut einer Analyse der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin sind mehr als ein Drittel aller Krankenhauseinweisungen bei älteren Patienten auf vermeidbare Medikamentenfehler zurückzuführen. Der vollständige digitale Medikationsplan soll genau dieses Problem adressieren.

Das zeigt auch die ePA-Nutzungsstatistik: Laut Bundesgesundheitsministerium haben zwar über 90 Prozent der gesetzlich Versicherten eine ePA, aber weniger als zehn Prozent nutzen sie aktiv. Einer der Hauptgründe dafür ist laut Nutzerstudien, dass die bisherige Akte schlicht zu wenig enthielt, um im Alltag nützlich zu sein. Der elektronische Medikationsplan soll das ändern – und damit den Sprung von der Karteikarte zur echten digitalen Gesundheitsakte vollziehen.

Was der elektronische Medikationsplan konkret kann

Der bisherige bundeseinheitliche Medikationsplan – ein zweiseitiger Papierbogen, der seit 2016 jedem Patienten mit mindestens drei Dauermedikamenten zusteht – ist zwar ein guter Ansatz, hat aber in der Praxis erhebliche Schwächen. Er wird oft nicht aktualisiert, geht verloren oder bleibt daheim, wenn man ihn beim Arzttermin bräuchte. Der digitale Nachfolger in der ePA soll diese Probleme lösen.

Der neue eMP unterscheidet sich grundlegend von der bisherigen Medikationsliste. Die eML dokumentiert, was irgendwann verordnet wurde. Der Medikationsplan zeigt, was ein Mensch heute tatsächlich einnimmt. Dieser Unterschied klingt klein, ist aber klinisch entscheidend: Viele Patienten setzen Medikamente eigenmächtig ab oder variieren die Dosierung, ohne ihren Arzt zu informieren. Im Medikationsplan wird der aktuelle Ist-Stand abgebildet.

Erstens können laut Gematik nun auch rezeptfreie Medikamente erfasst werden – also Ibuprofen, Antihistaminika, Vitaminpräparate oder pflanzliche Mittel. Diese Information ist gerade für ältere Menschen oder chronisch Kranke entscheidend, die oft mehrere Ärzte aufsuchen.

Zweitens werden strukturierte Dosierungsangaben möglich: nicht nur "1 Tablette täglich", sondern konkret wann, wie und wie lange. Das macht die Akte für Ärzte informativer und für Patienten verständlicher.

Drittens können Apotheken künftig aktiv zur Datenpflege beitragen – ein Schritt über die reine Leseberechtigung der bisherigen eML hinaus. In Deutschland sehen Menschen mit schweren chronischen Erkrankungen durchschnittlich mehr als vier verschiedene Behandelnde pro Jahr – ohne gemeinsame digitale Datenbasis bleibt jeder dieser Ärzte auf die mündlichen Angaben der Patienten angewiesen.

Weitere neue ePA-Funktionen

Gematik hat drei weitere Funktionen für die Ausbaustufe 3.1.3 angekündigt.

Push-Benachrichtigungen: Versicherte bekommen eine Mitteilung, wenn jemand auf ihre ePA zugreift oder neue Dokumente hochlädt. Das erhöht die Transparenz – ein Punkt, den Datenschutzexperten lange gefordert hatten.

Volltextsuche: Die neue Suchfunktion erlaubt es, Inhalte direkt nach Stichworten zu durchsuchen. Bislang mussten Patienten wissen, wo genau ein Befund abgelegt ist.

Pseudonymisierte Forschungsdaten: Die Ausbaustufe schafft die Grundlage, um ePA-Daten anonymisiert an das Forschungsdatenzentrum Gesundheit weiterzugeben. Wer das nicht möchte, kann per Opt-out widersprechen.

Was das für Patienten bedeutet

Für Patienten ändert sich zunächst nichts Aktives: Die neuen Funktionen landen automatisch in der ePA-App der jeweiligen Krankenkasse.

Besonders profitieren werden Menschen mit mehreren chronischen Erkrankungen. Wer Diabetes, Bluthochdruck und Gelenkprobleme gleichzeitig hat, für den schafft ein vollständiger digitaler Medikationsplan echten Mehrwert. Ärzten erspart das Nachfragen, Patienten das Eintippen langer Medikamentenlisten auf jedem neuen Formularbogen.

Auch pflegende Angehörige profitieren: Wenn Familienmitglieder mehrere Tabletten nehmen, aber nicht alle Fachbegriffe kennen, bietet der digitale Medikationsplan eine verlässliche Grundlage für Arztgespräche.

Welche Gesundheits-Apps bei Medikamenten-Management, chronischen Erkrankungen und der Nutzung der ePA helfen, findest du auf bestes.com.

Häufige Fragen

Muss ich den elektronischen Medikationsplan aktiv einrichten?

Nein. Die Funktion wird automatisch mit der ePA-App deiner Krankenkasse ausgerollt. Arztpraxen und Apotheken können beim nächsten Besuch die aktuellen Daten eintragen.

Werden rezeptfreie Medikamente automatisch erfasst?

Nicht automatisch. Sie können künftig durch Apotheken oder durch dich selbst in der ePA-App eingetragen werden. Die Vollständigkeit hängt von aktiver Pflege ab.

Wann ist der bundesweite Rollout abgeschlossen?

Laut Gematik beginnt der Pilotbetrieb im Juli 2026. Der bundesweite Rollout ist für Oktober 2026 geplant. Die Einführung erfolgt schrittweise, nicht auf einen Schlag.

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