Von Redaktion

ePA 2026: 90 Prozent haben sie – doch kaum jemand nutzt sie wirklich

Über 90 % der GKV-Versicherten haben eine ePA – doch weniger als 10 % nutzen sie aktiv. Was steckt hinter der Nutzungslücke 2026?

Fast alle gesetzlich Versicherten in Deutschland haben seit 2025 eine elektronische Patientenakte. Doch laut aktuellen Erhebungen nutzen weniger als zehn Prozent der ePA-Besitzer ihre Akte aktiv. Das Bundesgesundheitsministerium hat mit dem ePA-für-alle-Rollout ein ehrgeiziges Ziel verfolgt – doch zwischen Verbreitung und echter Nutzung klafft eine bemerkenswerte Lücke. Was steckt dahinter, und was müssen Versicherte jetzt wissen?

Was die ePA kann – und warum sie kaum geöffnet wird

Die elektronische Patientenakte bündelt Befunde, Medikamentenpläne, Impfnachweise und Arztbriefe an einem digitalen Ort. Patienten können ihre Daten über eine App ihrer Krankenkasse einsehen, verwalten und gezielt mit behandelnden Ärzten teilen. Das klingt praktisch – doch in der Realität bleibt die Akte bei den meisten Versicherten leer oder ungeöffnet.

Laut Schätzungen von Branchenbeobachtern lag die aktive Nutzungsquote Anfang 2026 bei deutlich unter zehn Prozent, eher bei etwa fünf Prozent der ePA-Besitzer. Das steht im krassen Kontrast dazu, dass seit Anfang 2025 über 90 Prozent der rund 73 Millionen GKV-Versicherten eine ePA haben – weil diese automatisch angelegt wurde, sofern man nicht aktiv widersprochen hat. Deutschland setzt dabei auf ein Opt-out-Modell: Wer keine ePA will, muss das ausdrücklich seiner Krankenkasse mitteilen.

Das Paradox ist offensichtlich: Die Infrastruktur ist da, aber die Nutzung fehlt. Experten sprechen von einer klassischen Nutzungslücke, wie sie bei vielen digitalen Gesundheitsinstrumenten zu beobachten ist. Allein das Vorhandensein einer Akte reicht nicht aus – Versicherte müssen auch verstehen, wozu sie gut ist, und Ärzte müssen sie aktiv befüllen.

Warum der Start stockt: technische und organisatorische Hürden

Auf der DMEA 2026, der größten deutschen Digitalkonferenz im Gesundheitsbereich, wurde offen über die Umsetzungshürden gesprochen. Laut einem Bericht zur DMEA im April 2026 haben zwar 40 Prozent der Krankenhäuser mit der ePA-Pilotierung begonnen, viele warten aber noch auf notwendige Software-Updates ihrer Praxissysteme. Bis diese verfügbar sind, können Ärzte keine Dokumente automatisch in die ePA einstellen – selbst wenn sie es wollen.

Für Arztpraxen gilt seit Oktober 2025 eine Nutzungspflicht. Wer die ePA im Praxisalltag konsequent ignoriert, riskiert seit Januar 2026 eine Honorarkürzung von einem Prozent sowie eine dauerhaft halbierte Telematikinfrastruktur-Pauschale. Die Sanktionen zeigen, dass der Gesetzgeber den Druck erhöht – doch Sanktionen allein lösen keine technischen Probleme.

Für Patienten kommt ein weiterer Faktor hinzu: Viele wissen nicht einmal, dass sie eine ePA haben, geschweige denn wie sie darauf zugreifen sollen. Die Apps der einzelnen Krankenkassen sind qualitativ sehr unterschiedlich. Manche Kassen bieten eine durchdachte, nutzerfreundliche ePA-App; andere haben das Feature bislang nur rudimentär umgesetzt. Eine einheitliche, kassenunabhängige ePA-App gibt es bislang nicht.

Was das für Versicherte bedeutet

Wer seine ePA nutzen will, braucht zunächst die App seiner Krankenkasse und ein NFC-fähiges Smartphone für die digitale Identifikation. Der erste Login erfordert außerdem in den meisten Fällen die physische Gesundheitskarte und eine PIN, die man bei der Krankenkasse anfordern muss. Dieser Einrichtungsaufwand schreckt viele Versicherte ab, obwohl der Prozess in der Regel nicht mehr als zwanzig Minuten dauert.

Der echte Nutzen entsteht erst dann, wenn mehrere Befunde und Medikamentenpläne in der Akte zusammenlaufen. Besonders für Menschen mit chronischen Erkrankungen, die mehrere Fachärzte aufsuchen, kann die ePA erheblichen Mehrwert bieten: Sie vermeidet Doppeluntersuchungen, reduziert das Risiko von Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und gibt jedem behandelnden Arzt sofort den nötigen Überblick. Für Menschen, die bisher mit einem gefüllten Aktenordner in die Sprechstunde kamen, ist die ePA ein echter Fortschritt.

Digitale Gesundheits-Apps können als sinnvolle Ergänzung zur ePA dienen. Während die ePA vor allem strukturierte Versorgungsdaten aus dem Gesundheitssystem speichert, helfen Apps im Alltag dabei, Gesundheitsverhalten zu begleiten, Symptome zu verstehen und die eigene Gesundheit aktiv zu gestalten. Digitale Gesundheitsangebote passend zu deiner Situation findest du auf bestes.com.

Ausblick: Was 2026 noch geplant ist

Das Bundesgesundheitsministerium plant für das zweite Halbjahr 2026 weitere Ausbaustufen. Dazu gehört die vollständige Integration des elektronischen Medikationsplans, mit dem Patienten alle aktuellen Medikamente auf einen Blick einsehen können. Außerdem soll die Anbindung von DiGAs – digitalen Gesundheitsanwendungen, die per Kassenrezept verschrieben werden – verbessert werden, damit Verlaufsdaten aus DiGAs direkt in die ePA fließen können.

Ob diese Schritte die Nutzungsquote spürbar steigern, wird maßgeblich davon abhängen, ob der Zugang für Versicherte niedrigschwelliger wird. Ein entscheidender Faktor ist die sogenannte ePA-App für alle, die eine einheitliche Lösung unabhängig von der Krankenkasse bieten soll. Hier hat die Politik noch Hausaufgaben zu erledigen. Bis dahin bleibt die ePA für viele Versicherte ein ungenutztes Potenzial.

Häufige Fragen zur ePA

Habe ich automatisch eine ePA?

Ja, wenn du gesetzlich versichert bist und nicht aktiv widersprochen hast, wurde seit Anfang 2025 automatisch eine ePA für dich angelegt. Zugriff erhältst du über die App deiner Krankenkasse. Ob und wie die App in deiner Kasse aufgebaut ist, findest du auf der Website deiner Kasse.

Kann ich selbst Dokumente in die ePA hochladen?

Ja. Seit dem Rollout können Versicherte in den meisten Kassen-Apps auch eigene Dokumente wie Arztbriefe, Laborwerte oder Impfpässe hochladen. Das ist besonders nützlich, wenn der behandelnde Arzt noch nicht technisch angebunden ist und Dokumente nicht direkt einstellen kann.

Was passiert mit meinen Daten beim Kassenwechsel?

Die ePA wird beim Kassenwechsel automatisch zur neuen Krankenkasse übertragen. Deine gespeicherten Gesundheitsdaten gehen dabei nicht verloren. Du musst lediglich die App der neuen Kasse installieren und dich neu anmelden.

Die Bestes-App

Gesundheit, die kostenlos in deiner Tasche ist.

Quiz, Vorsorge, KI-Coach und mehr — für dich und deine Familie. Jetzt im App Store und bei Google Play.