Von Redaktion

Jeder fuenfte Junge Erwachsene stark einsam: Was die neue BiB-Studie zeigt

Rund 21 % der 21- bis 30-Jaehrigen in Deutschland fühlen sich stark einsam – auch Jahre nach Corona. Das zeigt das FReDA-Panel des BiB (Juni 2026). Hintergruende und Hilfe.

Rund jeder fuenfte junge Erwachsene in Deutschland fühlt sich stark einsam. Das hat das Bundesinstitut fuer Bevoelkerungsforschung (BiB) am 22. Juni 2026 in Wiesbaden bekannt gegeben – auf Basis aktueller Daten des familiendemografischen Panels FReDA, erhoben im Winter 2024/25. Besonders betroffen: die Generation Z, also Menschen, die grob zwischen 1995 und 2010 geboren wurden.

Was die Zahlen sagen

Laut BiB berichten rund 21 Prozent der 21- bis 30-Jaehrigen, sich sehr stark einsam zu fuehlen. Bei den 31- bis 54-Jaehrigen liegt dieser Wert mit 14 Prozent deutlich niedriger. Insgesamt gibt rund ein Drittel (34 Prozent) aller befragten Erwachsenen zwischen 21 und 54 Jahren an, sich zumindest teilweise einsam zu fuehlen – 16 Prozent stark, 18 Prozent moderat. Frauen sind etwas haeufiger betroffen: 36 Prozent gaben Einsamkeitsempfinden an, bei Maennern waren es 32 Prozent.

Besonders alarmierend ist, wie wenig sich seit der Coronapandemie getan hat. „Das Einsamkeitsempfinden hat sich seit der Coronapandemie kaum zurueckgebildet", erklaert BiB-Expertin Dr. Sabine Diabaté. „Damit bestaetigt sich, dass Einsamkeit unter jungen Erwachsenen kein kurzfristiges Phaenomen waehrend und nach der Pandemiezeit ist, sondern besonders fuer die Generation Z zu einer anhaltenden psychosozialen Belastung zu werden scheint."

Warum junge Menschen besonders betroffen sind

Das BiB nennt mehrere Erklaerungen fuer die hoehere Einsamkeitsrate bei Jüngeren. Viele befinden sich in einer Phase der Orientierung und des Uebergangs – Studium, erster Job, neues Wohnumfeld. Das schwaecht bestehende soziale Netze und macht den Aufbau neuer Kontakte schwieriger. Hinzu kommen praekaere Lebensverhaeltnisse und soziale Unsicherheit, die das Einsamkeitsrisiko erhoehen.

Aber auch strukturelle Faktoren spielen eine Rolle. Die Generation Z ist mit mehreren Krisen aufgewachsen: Klimawandel, Pandemie, geopolitische Spannungen. Diese multiplen Belastungen fuehren laut BiB zu unsicheren Zukunftsperspektiven – ein Naehrboden fuer soziale Rueckzugstendenzen und das Gefühl, nicht dazuzugehoeren.

Einsamkeit ist mehr als ein schlechtes Gefühl

Chronische Einsamkeit hat messbare koerperliche und psychische Folgen. Forschungsergebnisse aus den letzten Jahren zeigen ein erhoehtes Risiko fuer Depressionen, Angststoerungen und Schlafprobleme. Das Immunsystem reagiert auf anhaltende soziale Isolation aehnlich wie auf Stress – mit dauerhaft erhoehten Entzuendungsmarkern im Blut. Einsamkeit wird deshalb von Gesundheitsexperten laengst als eigenstaendiger Risikofaktor betrachtet, vergleichbar mit Rauchen oder Bewegungsmangel.

Fuer junge Menschen hat das besondere Bedeutung: Wer in der praegenden Phase zwischen 20 und 30 Jahren soziale Fertigkeiten nicht ausreichend entwickelt oder aufrechterhaelt, traegt dieses Defizit oft ins Erwachsenenleben mit.

Was hilft – und was nicht

Einsamkeit ist kein Charakterfehler und keine persoenliche Schwaeche. Der erste Schritt ist, das Gefuehl anzuerkennen – ohne Scham. Studien zeigen, dass gezielte Interventionen wirken: soziale Fertigkeitstraining, kognitive Umstrukturierung (also das Ueberdenken negativer Gedanken ueber soziale Situationen) und niedrigschwellige Gruppenangebote helfen nachweislich.

Digitale Tools koennen einen Einstieg erleichtern. Apps fuer Achtsamkeit, kognitive Verhaltenstherapie oder angeleitete Selbsthilfe bieten Unterstuetzung, ohne dass man sofort einen Therapeuten aufsuchen muss. Langfristig ersetzen sie aber keine echten sozialen Beziehungen – sondern helfen bestenfalls dabei, den Schritt dorthin zu machen.

Wer professionelle Hilfe sucht: Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die auf Angst, Depression oder soziale Isolation spezialisiert sind, findet du unabhaengig bewertet auf bestes.com. Auch digitale Therapieangebote – etwa als DiGA (Digitale Gesundheitsanwendung) – sind dort uebersichtlich aufgefuehrt.

Haeufige Fragen

Bin ich einsam – oder introvertiert?
Introvertierte Menschen tanken Energie in der Stille auf und brauchen weniger sozialen Kontakt. Einsamkeit hingegen ist das schmerzhafte Erleben, nicht so viel oder nicht die gewuenschte Art von Kontakt zu haben. Man kann introvertiert und trotzdem gut vernetzt sein – und umgekehrt extrovertiert und trotzdem einsam.

Hilft Social Media gegen Einsamkeit?
Meistens nicht, oft im Gegenteil. Passives Scrollen – also Inhalte nur anschauen ohne aktiv zu kommentieren oder zu chatten – ist laut mehreren Studien mit hoeherer Einsamkeit assoziiert. Aktiver Austausch, etwa gezieltes Schreiben oder Videotelefonieren, kann dagegen helfen. Entscheidend ist die Qualitaet der Kontakte, nicht die Quantitaet.

Was kann ich konkret tun, wenn ich mich einsam fuehle?
Kleine Schritte helfen: eine alte Freundschaft wieder aufgreifen, einem Verein oder einer Gruppe beitreten, die einem inhaltlich liegt, oder ehrenamtliche Arbeit aufnehmen. Wer merkt, dass das allein nicht reicht, sollte professionelle Unterstuetzung in Betracht ziehen – Wartezeiten fuer Psychotherapiepraetze sind lang, weshalb ein fruehzeitiger Antrag sinnvoll ist.

Ab wann sollte ich professionelle Hilfe suchen?
Wenn Einsamkeit laenger als wenige Wochen anhaelt, die Stimmung dauerhaft gedrueckt ist oder sich Rueckzug und Antriebslosigkeit verstaerken, ist ein Gespraech mit dem Hausarzt oder einer psychologischen Beratungsstelle sinnvoll. Studentische Gesundheitszentren und universitaere Beratungsdienste bieten oft kurzfristige Erstterminen an.

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