Drei Tage lang, vom 21. bis 23. April 2026, hat die DMEA in Berlin das Bild gezeigt, das das deutsche Gesundheitswesen in den nächsten Jahren prägen wird: Knapp 900 Aussteller, mehr als 20.500 Fachbesucher und über 470 Expertinnen und Experten diskutierten, wie künstliche Intelligenz, eine europäische digitale Brieftasche und Telemedizin den Alltag von Millionen Patientinnen und Patienten verändern werden [1]. Die Einreichungen für das Kongressprogramm hatten gegenüber dem Vorjahr um mehr als 50 Prozent zugenommen – ein Zeichen dafür, dass die Branche aus der Konzeptionsphase in die Umsetzung gewechselt ist [2].
KI als Übersetzer zwischen Medizin und Alltag
Das meistdiskutierte Thema auf der DMEA 2026 war künstliche Intelligenz – aber nicht als abstrakte Technologie, sondern als Werkzeug für konkrete Probleme. Im Vordergrund stand die Frage, wie KI-gestützte Systeme medizinisches Wissen für Patientinnen und Patienten verständlicher machen können. Wer einen Arztbrief liest und auf Begriffe wie "Exazerbation" oder "Komorbidität" stößt, verliert schnell den Überblick. KI-Anwendungen können solche Texte automatisch in Alltagssprache übersetzen – und damit die Eigenverantwortung von Menschen stärken, die ihre Gesundheit aktiv gestalten wollen.
Gleichzeitig diskutierten die DMEA-Sessions, wie KI in Klinikprozesse integriert werden kann – von der automatischen Auswertung bildgebender Verfahren bis hin zu Entscheidungsunterstützungssystemen für Ärztinnen und Ärzte [1]. Das Bundesministerium für Gesundheit und die gematik, die nationale Agentur für die Telematikinfrastruktur, waren mit eigenen Programmpunkten vertreten und verdeutlichten, dass KI-Regulierung und -Förderung zunehmend auf europäischer Ebene verhandelt werden [3].
EUDI-Wallet: Die digitale Identität kommt ins Krankenhaus
Ein eigenes Seminar auf der DMEA widmete sich der EUDI-Wallet – der europäischen digitalen Brieftasche, die bis Ende 2026 in allen EU-Mitgliedsstaaten eingeführt werden muss [4]. Deutschland plant den Start für Anfang 2027. Was technisch wie ein Detail klingt, hat für Millionen Menschen praktische Folgen: Mit der EUDI-Wallet sollen sich Patientinnen und Patienten künftig digital bei Arztpraxen anmelden, ihre Versicherungszugehörigkeit nachweisen und grenzüberschreitend Rezepte einlösen können – ohne Plastikkarte, ohne Warteschlange an der Rezeption [4].
Die Private Krankenversicherung (PKV) testet bereits im Rahmen eines Pilotprojekts, wie die EUDI-Wallet für den digitalen Check-in beim Arztbesuch genutzt werden kann [4]. Auf der DMEA zeigte sich, dass die technische Infrastruktur steht – offen ist vor allem die Frage, wie unterschiedliche nationale Systeme kompatibel gemacht werden. Der European Health Data Space (EHDS), der seit März 2025 den europäischen Rahmen für den grenzüberschreitenden Gesundheitsdatenaustausch regelt, bildet dafür die rechtliche Grundlage [2].
Für die Nutzerinnen und Nutzer von Gesundheits-Apps wie bestes.com bedeutet das: Wer heute schon eine digitale GesundheitsID anlegt und die elektronische Patientenakte (ePA) nutzt, ist besser vorbereitet auf eine Infrastruktur, in der Gesundheitsdaten sicher und selbstbestimmt geteilt werden können.
Telemedizin: Versorgungslücken schließen, Zugang erleichtern
Telemedizin war auf der DMEA 2026 kein Zukunftsthema mehr – sie ist Gegenwart. Das entsprechende DMEA-Seminar fragte nicht mehr, ob Telemedizin funktioniert, sondern wie sie Versorgungsqualität konkret verbessert und für welche Gruppen sie besonders wichtig ist [1].
Die Antwort ist eindeutig: Menschen in ländlichen Regionen, chronisch Kranke mit eingeschränkter Mobilität und Berufstätige, die einen Arzttermin kaum in den Alltag integrieren können, profitieren am stärksten. Die regulatorischen Grundlagen sind weitgehend geschaffen – seit der Pandemie sind Videosprechstunden für nahezu alle Fachrichtungen zugelassen und werden von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Was bleibt, ist der Weg in die Praxis: Viele Praxen nutzen Telemedizin noch nicht systematisch, und Patienten wissen oft nicht, dass sie diese Option haben.
ePA: Reality-Check nach dem Roll-out
Die gematik widmete der elektronischen Patientenakte auf der DMEA einen eigenen "Reality-Check". Der bundesweite Roll-out hatte Anfang 2025 begonnen – seither sind laut einer TK-Befragung mehr als 81 Prozent der gesetzlich Versicherten grundsätzlich mit einer ePA ausgestattet worden. Nun geht es darum, sie mit Inhalten zu füllen. Arztbriefe, Medikationspläne, Laborbefunde – all das soll künftig zentral und für Patientinnen und Patienten jederzeit abrufbar sein, ohne dass Unterlagen doppelt angefordert oder Befunde beim Praxiswechsel verloren gehen [3].
Die GesundheitsID, die die ePA und künftig auch die EUDI-Wallet verbinden soll, stand ebenfalls im Programm. Sie gibt Patientinnen und Patienten erstmals eine digitale Identität, mit der sie sich bei verschiedenen Gesundheitsplattformen einloggen können – ohne für jede App ein neues Konto anlegen zu müssen [3].
Was bedeutet das für Patientinnen und Patienten?
Die DMEA 2026 hat gezeigt: Die Digitalisierung des Gesundheitswesens kommt, und sie kommt schneller, als viele erwartet hatten. Wer heute handelt – also eine ePA beantragt, eine GesundheitsID anlegt und digitale Gesundheitsanwendungen ausprobiert –, positioniert sich für eine Versorgungslandschaft, die auf Vernetzung und Datensouveränität setzt.
Auf bestes.com finden Nutzerinnen und Nutzer geprüfte Gesundheitsangebote – von Telemedizin-Anbietern über TeleClinic bis hin zu digitalen Begleit-Apps für chronische Erkrankungen. Der Symptom-Checker hilft, erste Orientierung zu finden, bevor man einen Termin bucht.
Quellen
[1] DMEA, "Bühnenprogramm rund um KI, digitale Ökosysteme und smarte Pflege veröffentlicht", dmea.de, April 2026.
[2] Gelbe Liste, "DMEA 2026: Europäisches Leitevent rückt Interoperabilität, Gesundheitsdaten und KI in den Fokus", gelbe-liste.de, April 2026.
[3] gematik, "DMEA 2026 – Connecting Digital Health: Die gematik-Highlights", gematik.de, April 2026.
[4] Apotheken-Umschau / PKV, "EUDI Wallet im Gesundheitssystem", pkv.de / apotheken-umschau.de, 2026.
