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Von Redaktion

DMEA 2026: ePA soll Alltags-App werden – und KI überwindet Sprachbarrieren

DMEA 2026 in Berlin: Ministerin Warken kündigt EUDI-Wallet für die ePA ab 2027 an – und KI-Lösungen übersetzen in Echtzeit im Sprechzimmer.

Drei Tage, rund 900 Aussteller, mehr als 20.500 Besucher: Die DMEA – Europas führende Fachmesse für digitale Gesundheit – hat vom 21. bis 23. April 2026 auf dem Berliner Messegelände wieder den Ton für das kommende Jahr im deutschen Gesundheits-IT-Markt gesetzt. Das zentrale politische Signal kam von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken: Die elektronische Patientenakte soll vom digitalen Dokumentenlager zur echten Alltags-App werden. Ab Anfang 2027 soll der Login über die europäische Digitalidentität möglich sein [1].

Was die Ministerin angekündigt hat

Nina Warken (CDU) eröffnete die DMEA 2026 mit einer klaren Ansage: Die ePA müsse sich von einem Ablagefach für Arztbriefe hin zu einem aktiven Werkzeug für Versicherte entwickeln. Konkret kündigte sie an, dass die ePA bis Ende 2026 eine Volltextsuche erhalten soll – Versicherte könnten dann in ihren eigenen Gesundheitsdaten gezielt suchen. Termine bei Fachärzten sollen langfristig direkt über die ePA-App buchbar sein [1].

Noch weitreichender ist die geplante Verknüpfung mit dem europäischen Identitätssystem. Ab Anfang 2027 soll der EUDI-Wallet – die europäische digitale Brieftasche – auch für den Login in die ePA nutzbar sein [2]. Das bedeutet: Wer seinen Personalausweis oder seinen Führerschein bereits digital im Wallet hinterlegt hat, kann sich damit auch in seiner Krankenakte identifizieren. Die Idee dahinter ist, dass Versicherte in ganz Europa mit einer einzigen digitalen Identität auf gesundheitliche Dienste zugreifen können – auch grenzüberschreitend, wie es der Europäische Gesundheitsdatenraum (EHDS) vorsieht.

Gesetzlich soll das alles durch das GeDIG abgesichert werden – das Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen, dessen Referentenentwurf im April 2026 in die Ministeriumsabstimmung gegeben wurde.

KI übersetzt live im Sprechzimmer

Eines der praktischsten Themen auf dem Messegelände war die KI-gestützte Sprachübersetzung in der medizinischen Versorgung. Mehrere Anbieter präsentierten Lösungen, die Sprachbarrieren zwischen Arzt und Patient in Echtzeit überbrücken – ein Problem, das im Versorgungsalltag deutlich unterschätzt wird. Nach Schätzungen aus der Versorgungsforschung sprechen rund 20 Prozent der gesetzlich Versicherten in Deutschland nicht ausreichend Deutsch für eine sichere medizinische Kommunikation.

Das Hamburger Startup Doq präsentierte seinen KI-Copiloten, der während einer Konsultation mitläuft, Gesprochenes in 59 Sprachen und Dialekte erfasst und gleichzeitig strukturierte medizinische Dokumente erzeugt [3]. Die Software unterscheidet automatisch zwischen Arzt- und Patientenstimme und erzeugt direkt einen SOAP-strukturierten Arztbrief. MARIS Healthcare zeigte auf der DMEA eine Erweiterung seiner Telemedizinplattform MARIS Glass um die KI-Dokumentationssoftware Corti – ein Ansatz, der vollständig automatisierte Gesprächsdokumentation bei Videosprechstunden ermöglicht [4].

Beide Ansätze adressieren dasselbe Grundproblem: Ärztinnen und Ärzte verbringen nach Angaben des Bundesarztregisters im Schnitt rund zwei Stunden täglich mit Dokumentation. Intelligente Transkription könnte diesen Anteil deutlich reduzieren – und nebenbei die Versorgungsqualität für Patienten mit Sprachbarrieren erhöhen.

Telemedizin: mehr Anbieter, offene Regulierungsfragen

Die DMEA 2026 widmete dem Thema Telemedizin ein eigenes Seminarformat: "Versorgungsqualität steigern durch Telemedizin – Chancen und Anwendungsbeispiele" [3]. Das Interesse ist berechtigt. Die Zahl der zertifizierten Videodienst-Anbieter für die gesetzliche Krankenversicherung hat sich in weniger als einem Jahr auf 88 mehr als verdoppelt – im September 2024 waren es noch 43.

Was fehlte, war eine klare Antwort auf offene Regulierungsfragen: Unter welchen Bedingungen können telemedizinische Erstkonsultationen abgerechnet werden? Wie integrieren sich Videosprechstunden in das geplante ePA-Ökosystem? Und welche Daten dürfen Telemedizin-Anbieter dauerhaft speichern? Diese Fragen werden im GeDIG adressiert, aber noch nicht abschließend beantwortet.

Häufige Fragen

Was ist die DMEA?

Die DMEA ist Europas führende Fachmesse für digitale Gesundheit, organisiert von der Messe Berlin und Bitkom. Sie findet jährlich in Berlin statt und zieht Fachpublikum aus Kliniken, Praxen, Startups, Politik und Krankenkassen an. 2026 kamen mehr als 20.500 Besucher.

Was ist der EUDI-Wallet und was hat er mit der ePA zu tun?

Der EUDI-Wallet ist eine europäische digitale Brieftasche, mit der Bürger ihre Identität und Dokumente – Personalausweis, Führerschein, Zeugnisse – digital speichern können. Ab 2027 soll er auch für den Login in die elektronische Patientenakte nutzbar sein. Das erleichtert den Zugang und ermöglicht langfristig grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung innerhalb der EU.

Was ist der Europäische Gesundheitsdatenraum (EHDS)?

Der EHDS ist ein EU-Rahmenwerk, das es ermöglicht, Gesundheitsdaten – mit Einwilligung der Betroffenen – grenzüberschreitend für Versorgung und Forschung zu nutzen. Deutschland muss dafür die ePA und andere Infrastrukturen interoperabel gestalten. Die DMEA 2026 widmete dem Thema mehrere Kongresssessions.

Auf bestes.com findest du eine unabhängige Übersicht über digitale Gesundheits-Apps, Telemedizin-Anbieter und zugelassene DiGAs – mit Informationen zur Kassenerstattung und Nutzerbewertungen.

Quellen:
[1] Deutsches Ärzteblatt: "Warken: Elektronische Patientenakte als Alltags-App in der Versorgung." aerzteblatt.de, 21. April 2026. https://www.aerzteblatt.de/news/warken-elektronische-patientenakte-als-alltags-app-in-der-versorgung-dbf12d7c-b046-41d6-a5db-600bd04d986a
[2] heise online: "Germany is expected to deliver on EU health data space, ePA and EUDI Wallet." heise.de, 22. April 2026. https://www.heise.de/en/news/Germany-is-expected-to-deliver-on-EU-health-data-space-ePA-and-EUDI-Wallet-11266858.html
[3] DMEA: "Stage programme focusing on AI, digital ecosystems and smart care published." dmea.de, 2026. https://www.dmea.de/en/press/press-releases/news_16000.html
[4] PresseBox: "Automatisierte KI-Dokumentation in der Telemedizin: MARIS Healthcare erweitert MARIS Glass mit Corti." pressebox.de, 2026. https://www.pressebox.de/pressemitteilung/maris-healthcare-gmbh/Automatisierte-KI-Dokumentation-in-der-Telemedizin-MARIS-Healthcare-erweitert-MARIS-Glass-mit-Corti/boxid/1294376

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