Digital Health Report 2026: Patienten wollen Apps als Ergänzung zum Arzt
Digital Health Report 2026 (Doctolib/YouGov, n=1.414): 70 Prozent der Patienten fordern schnellere Digitalisierung. 60 Prozent wünschen sich digitale Gesundheitsbegleiter für Prävention – als Ergänzung, nicht Ersatz für den Arzt.
Sieben von zehn Patienten in Deutschland finden, dass die Digitalisierung im Gesundheitswesen zu langsam vorangeht. Nur jeder fünfte ist mit dem aktuellen Stand zufrieden. Das sind zentrale Befunde des Digital Health Report 2026, den Doctolib im Mai 2026 veröffentlicht hat – und der ein ernüchterndes Bild der deutschen Gesundheitsversorgung zeichnet.
## Deutschland hängt international hinterher
Über zwei Drittel der befragten Patienten sind überzeugt, dass Deutschland im internationalen Vergleich bei der Gesundheitsdigitalisierung bereits abgehängt ist. Das ist kein neues Urteil – aber es wird mit jedem Jahr lauter. Die Studie wurde von YouGov im Auftrag von Doctolib durchgeführt und umfasste 1.000 Patienten sowie 204 Ärztinnen und Ärzte und 210 Medizinische Fachangestellte (MFA). Befragt wurden alle Gruppen im Sommer 2025.
Das Unbehagen der Patienten hat konkrete Ursachen: 64 Prozent der Befragten gaben an, bereits auf einen Arzttermin verzichtet zu haben – nicht weil sie keinen brauchten, sondern weil die Suche nach einer Praxis oder einem freien Termin zu aufwendig war. Wer einmal 45 Minuten in der Warteschleife einer Praxis verbracht hat, versteht, warum digitale Terminbuchung kein Luxus ist, sondern eine Frage der Versorgungsgerechtigkeit.
## Was Patienten wirklich wollen: Prävention, Dokumente, Nachsorge
Der Bericht zeigt, dass das Interesse an digitalen Gesundheitslösungen weit über die Terminbuchung hinausgeht. Patienten wünschen sich digitale Unterstützung vor allem in drei Bereichen:
69 Prozent wollen Hilfe bei der **Gesundheitsprävention** – also bei der aktiven Vorsorge, bevor eine Erkrankung entsteht. 72 Prozent wünschen sich eine digitale Unterstützung bei der **Übermittlung medizinischer Dokumente** zwischen Praxen und Einrichtungen – ein alltägliches Problem, das sich im deutschen System noch immer häufig per Fax löst. 66 Prozent sehen digitalen Bedarf in der **Nachsorge** nach Behandlungen, also für Erinnerungen, Verlaufskontrollen und die Kommunikation mit der behandelnden Praxis.
Der gemeinsame Nenner: Patienten wollen keine App, die den Arzt ersetzt. Sie wollen eine App, die die Zeit zwischen den Arztbesuchen sinnvoll füllt – und die Arztbesuche selbst effizienter macht.
## 60 Prozent wollen digitale Gesundheitsbegleiter
Besonders aufschlussreich ist der Befund zur Prävention: 60 Prozent der befragten Patienten möchten Erinnerungen und Hinweise von einem digitalen Gesundheitsbegleiter erhalten – etwa für Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen oder Medikamenteneinnahmen. 30 Prozent wünschen sich mehr allgemeine Gesundheitsinformationen über digitale Kanäle.
Das spiegelt eine gesellschaftliche Verschiebung wider: Gesundheit wird zunehmend als etwas verstanden, das man aktiv gestalten kann – und nicht nur dann in den Fokus rückt, wenn man krank ist. Digitale Anwendungen können dabei eine Brückenfunktion übernehmen: zwischen dem Patienten und der medizinischen Versorgung, zwischen Arztbesuch und Alltag.
Apps wie Doktor.de bieten genau das: eine niedrigschwellige digitale Anlaufstelle, über die Patienten ärztliche Einschätzungen einholen können, ohne sofort eine Präsenzpraxis aufsuchen zu müssen. Für das Medikamentenmanagement – ein besonders praxisrelevantes Thema für chronisch Kranke – bieten Lösungen wie Mediteo strukturierte Einnahme-Erinnerungen und die digitale Verwaltung von Arzneiplan und Wechselwirkungscheck. Für Patienten mit Muskel- oder Rückenbeschwerden ist Kaia Health ein Beispiel dafür, wie digitale Therapeutika (DiGA) als vom Arzt verordnete, evidenzbasierte Ergänzung zur Physiotherapie eingesetzt werden.
## Ärzte kämpfen mit Datenzugang und Schatten-KI
Die Herausforderungen der Digitalisierung betreffen nicht nur Patienten. Laut dem Report wünschen sich 53 Prozent der befragten Ärztinnen, Ärzte und MFA einen schnelleren Zugriff auf Patientendaten anderer Praxen. Die fehlende Interoperabilität – also die mangelnde Fähigkeit verschiedener IT-Systeme im Gesundheitswesen, miteinander zu kommunizieren – kostet täglich Zeit und birgt Risiken für die Patientenversorgung.
Gleichzeitig greift die Hälfte der befragten Ärzte bereits zu privaten KI-Tools für Rechercheaufgaben. Das Phänomen der sogenannten Schatten-KI – also die Nutzung nicht zertifizierter, im Praxisalltag selbst beschaffter Anwendungen – macht deutlich, wie groß der Bedarf an KI-Unterstützung ist und wie weit das regulierte Angebot dahinter zurückbleibt. Wo zertifizierte Lösungen fehlen, helfen sich Ärzte selbst – mit allen damit verbundenen Datenschutz- und Haftungsrisiken.
## Offenheit für Digitales – aber mit klaren Grenzen
Trotz aller Kritik am Status quo zeigt der Bericht auch, dass sowohl Patienten als auch Ärzte digitalen Lösungen grundsätzlich offen gegenüberstehen. Digitale Helfer werden dann als besonders wertvoll eingeschätzt, wenn sie administrative Aufgaben übernehmen – Terminplanung, Dokumentenmanagement, Erinnerungen. Bei medizinischen Einschätzungen hingegen bleibt die klare Präferenz: menschliche Expertise, abgesichert durch die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt.
Diese Haltung ist vernünftig. Apps und digitale Anwendungen sind keine Ärzte. Sie können Informationen strukturieren, Muster erkennen, Erinnerungen senden und die Kommunikation vereinfachen. Die klinische Bewertung bleibt beim Menschen. Der Digital Health Report 2026 beschreibt damit kein Entweder-oder – sondern ein Sowohl-als-auch: Technologie als Unterstützung für Patienten und Behandelnde, nicht als Ersatz.
## Häufige Fragen
**Was ist der Digital Health Report 2026?**
Der Digital Health Report 2026 ist eine repräsentative Studie von Doctolib, durchgeführt von YouGov. Befragt wurden 1.000 Patientinnen und Patienten sowie 204 Ärztinnen und Ärzte und 210 Medizinische Fachangestellte in Deutschland. Die Befragungen fanden im Sommer 2025 statt; der Report wurde 2026 veröffentlicht. Ziel ist es, Einstellungen und Erwartungen gegenüber der Digitalisierung im Gesundheitswesen zu erfassen.
**Warum verzichten Patienten auf Arzttermine?**
Laut dem Digital Health Report 2026 haben 64 Prozent der Befragten bereits auf einen Arzttermin verzichtet, weil die Suche nach einer geeigneten Praxis oder einem freien Termin zu schwierig war. Lange Wartezeiten, begrenzte Erreichbarkeit und fehlende digitale Terminbuchung sind die häufigsten genannten Hürden.
**Was ist Schatten-KI im Gesundheitswesen?**
Als Schatten-KI bezeichnet man die Nutzung privater, nicht zertifizierter KI-Tools durch Ärztinnen und Ärzte oder anderes medizinisches Personal – außerhalb offizieller IT-Infrastrukturen der Praxis oder Klinik. Laut dem Digital Health Report 2026 greifen 50 Prozent der befragten Ärzte auf solche Tools zurück, etwa für medizinische Recherchen. Das birgt Datenschutz- und Haftungsrisiken und zeigt gleichzeitig, dass der Bedarf an zertifizierten KI-Lösungen im klinischen Alltag kaum gedeckt wird.
**Welche Apps helfen Patienten im Alltag zwischen Arztbesuchen?**
Je nach Bedarf gibt es verschiedene digitale Gesundheitsanwendungen: für digitale Arztgespräche Apps wie Doktor.de, für strukturiertes Medikamentenmanagement Tools wie Mediteo, für evidenzbasierte Therapie bei Rücken- oder Gelenkbeschwerden digitale Therapeutika wie Kaia Health. Eine Übersicht geprüfter Gesundheits-Apps für Deutschland findet sich auf bestes.com.