Von Redaktion

Digital Health Report 2026: 70 Prozent der Patienten wollen schnellere Digitalisierung

70 Prozent der Patienten wollen schnellere Digitalisierung – das zeigt der Digital Health Report 2026. Was die Studie für App-Nutzer bedeutet.

Das Gesundheitssystem, das nie schläft – aber selten online ist. Während Bankgeschäfte per App in Sekunden erledigt sind, warten Millionen Deutsche Stunden am Telefon auf einen Arzttermin. Jetzt belegt der Digital Health Report 2026 von Doctolib schwarz auf weiß: Die Mehrheit der Patienten hat genug vom digitalen Stillstand.

Der Befund: Deutschland hinkt hinterher

Der Digital Health Report 2026 ist die bislang umfassendste Erhebung zur Digitalisierungserfahrung im deutschen Gesundheitswesen. Für den Bericht befragte das Marktforschungsinstitut YouGov insgesamt 1.000 Patientinnen und Patienten sowie 414 Ärztinnen, Ärzte und medizinisches Fachpersonal. Das Ergebnis ist eindeutig: 70 Prozent der Befragten empfinden das Tempo der Digitalisierung im Gesundheitssystem als zu langsam. Noch deutlicher: 68 Prozent sehen Deutschland im internationalen Vergleich auf einem hinteren Platz.

Damit ist die Unzufriedenheit keine diffuse Stimmung mehr – sie ist messbar, und sie ist in der Mehrheit. Länder wie Dänemark, Estland oder die Niederlande zeigen seit Jahren, dass digitale Gesundheitsversorgung funktioniert: elektronische Patientenakten, die tatsächlich genutzt werden, Telemedizin ohne bürokratische Hürden, Online-Termine als Standard statt Ausnahme.

Das konkrete Problem: Der Arzttermin als Geduldsprobe

Der vielleicht erschreckendste Befund des Reports betrifft den Alltag: 64 Prozent der befragten Patienten haben mindestens einmal auf einen Arztbesuch verzichtet – nicht weil sie keinen brauchten, sondern weil die Suche nach einer Praxis oder einem freien Termin zu mühsam war. Nur 35 Prozent finden die Suche nach einem Arzttermin einfach.

Das hat direkte Folgen für die Gesundheit. Wer auf Vorsorgeuntersuchungen verzichtet, weil das Terminbuchungssystem aus den 1990ern stammt, wird später krank und dann teurer behandelt. Der Report macht deutlich: Digitalisierung ist keine technische Spielerei, sondern eine Frage der Versorgungsgerechtigkeit.

Was Patienten wirklich wollen – und was sie akzeptieren würden

Die gute Nachricht: Die Akzeptanz für digitale Lösungen ist da. 70 Prozent der Befragten finden Online-Terminbuchung hilfreich, 67 Prozent schätzen E-Rezepte, 65 Prozent digitale Terminerinnerungen. Das sind keine Nischen-Wünsche – das ist der neue Standard, den Patienten erwarten.

Besonders überraschend ist die Offenheit gegenüber Künstlicher Intelligenz: 72 Prozent der Befragten würden einen KI-gestützten Terminassistenten nutzen, der rund um die Uhr verfügbar ist und sofort Termine bucht. 63 Prozent sind bereit, KI auch für allgemeine organisatorische Fragen im Gesundheitskontext zu nutzen. Die oft beschworene KI-Skepsis der Deutschen zeigt sich hier kaum.

Auch beim Thema Datenschutz – traditionell ein sensibles Feld – gibt es Bewegung: 65 Prozent würden ihre Gesundheitsdaten freiwillig teilen, wenn sie jederzeit widersprechen können. Das ist kein Freifahrtschein, aber ein Signal: Patienten sind bereit, Daten zu teilen, wenn Kontrolle und Transparenz gewährleistet sind.

Auf der anderen Seite: Ärzte wollen auch, können aber nicht

Dass der Stillstand nicht am fehlenden Willen liegt, zeigen die Zahlen auf der Anbieterseite: 79 Prozent der Ärztinnen und Ärzte bewerten digitale Anwendungen als hilfreich für die Versorgung. 53 Prozent wünschen sich schnelleren Zugriff auf Patientendaten aus anderen Praxen – ein klares Votum für Interoperabilität.

Gleichzeitig greifen 50 Prozent der befragten Ärzte zu privaten KI-Tools für Rechercheaufgaben – ohne institutionellen Rahmen, ohne Datenschutzprüfung. Diese sogenannte „Schatten-KI" ist weniger ein Zeichen von Technikbegeisterung als von schlichter Not: Die offiziell verfügbaren Systeme liefern nicht, was die Praxis braucht. Bürokratie, fehlende Schnittstellen und nicht kommunizierende Systeme gelten laut Report als die zentralen Bremsen.

Was das für Menschen bedeutet, die ihre Gesundheit selbst in die Hand nehmen

Der Digital Health Report 2026 beschreibt ein System im Wartezustand. Doch während Praxen, Krankenkassen und Gesundheitspolitik auf Lösungen warten, wächst eine andere Bewegung: Menschen, die nicht warten wollen. Apps, die Symptome einordnen, Checkup-Erinnerungen senden, Medikamente verwalten oder Schlafqualität tracken, füllen die Lücke, die das analoge System lässt.

Das ist kein Widerspruch zur ärztlichen Versorgung – sondern eine Ergänzung. Wer seine Grundvitalwerte kennt, wer Veränderungen früh bemerkt, wer versteht, was sein Körper signalisiert, kommt mit besseren Fragen zum Arzt. Und nutzt den knappen Facharzt-Termin effizienter. Genau das ist der Raum, den digitale Gesundheitsangebote sinnvoll besetzen können – nicht als Ersatz, sondern als Vorbereitung.

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Häufige Fragen

Was ist der Digital Health Report 2026?

Der Digital Health Report 2026 ist eine jährliche Studie des Gesundheits-Technologieunternehmens Doctolib, für die das Marktforschungsinstitut YouGov 1.000 Patienten sowie 414 Ärztinnen, Ärzte und medizinisches Fachpersonal in Deutschland befragt hat. Der Report misst Einstellungen, Erfahrungen und Wünsche rund um die Digitalisierung im Gesundheitswesen.

Warum verlaufen Arzttermin-Suchen in Deutschland so oft ins Leere?

Laut dem Report sind die Hauptgründe fehlende Online-Buchungsmöglichkeiten, veraltete Telefonsysteme und fehlende Transparenz über Verfügbarkeit. 64 Prozent der Patienten haben deshalb bereits auf einen Arzttermin verzichtet. Hinzu kommen fehlende digitale Schnittstellen zwischen Praxen und Krankenkassen, die eine einfache Terminkoordination verhindern.

Sind Patienten in Deutschland bereit, KI im Gesundheitsbereich zu nutzen?

Ja – mehr als erwartet. 72 Prozent der Befragten würden einen KI-Terminassistenten nutzen, 63 Prozent akzeptieren KI auch für allgemeine organisatorische Fragen im Gesundheitskontext. Die Bereitschaft ist damit deutlich höher als in öffentlichen Debatten oft angenommen.

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