Von Redaktion

DiGA per E-Rezept: Nur 12,6 Prozent eingelöst – was Patienten jetzt wissen müssen

Nur 12,6 % der DiGA-E-Rezepte wurden im Pilot digital eingeloest. Was das fuer GKV-Patienten bedeutet – unabhaengig erklaert auf Bestes.com.

Digitale Gesundheitsanwendungen – kurz DiGA, auch "Apps auf Rezept" genannt – sollen Patienten eigenstandig bei der Therapie unterstutzen. Fur Millionen GKV-Versicherte sind sie langst erstattungsfahig. Doch der Weg zur DiGA war bisher umstandlich: Arztpraxis, Papierrezept, Kasse, Freischaltcode. Das E-Rezept sollte das einfacher machen. Ein Pilotprojekt hat jetzt gezeigt, dass der neue Weg in der Praxis nicht funktioniert – zumindest nicht so, wie er gedacht war.

Was der Pilot gemessen hat

Von Mai bis September 2025 wurde in Hamburg und dem Umland getestet, wie gut Patienten eine DiGA uber das E-Rezept einlosen konnen. Die Ergebnisse liegen im Abschlussbericht der gematik vor und sind ernuchternd. Von insgesamt 119 ausgestellten DiGA-E-Rezepten wurden lediglich 15 vollstandig digital eingelost. Das entspricht einer Quote von 12,6 Prozent.[1] Weitere 13 Rezepte – rund 11 Prozent – konnten zumindest mit einem Papierausdruck genutzt werden. Zusammengenommen bleibt das weit hinter dem zuruck, was beim bisherigen Verfahren ublich ist: Das alte Muster-16-Formular auf Papier erreichte Einlosequoten von 50 bis 70 Prozent.[1]

Der Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung (SVDGV), der die Interessen der DiGA-Anbieter vertritt, hat die Ergebnisse analysiert und klare Konsequenzen gefordert. "Das E-Rezept ist ein wichtiger Baustein fur moderne Versorgung. Gerade deshalb mussen wir jetzt ehrlich auf die Pilotergebnisse schauen und den Prozess so weiterentwickeln, dass Patientinnen und Patienten ohne Hurden in ihre digitale Therapie kommen", sagte Vorstand Dr. Christoph Twesten laut Gelbe Liste.[1]

Warum so wenige Patienten die E-Rezepte einlosen konnten

Das zentrale Problem ist die Komplexitat des Einloseprozesses. Wer eine DiGA per E-Rezept nutzen will, muss derzeit mehrere Schritte nacheinander abarbeiten: In vielen Fallen muss zunachst eine PIN fur die elektronische Gesundheitskarte beantragt werden. Dann muss eine sogenannte Gesundheits-ID uber die App der eigenen Krankenkasse eingerichtet werden. Parallel dazu ist oft das Herunterladen weiterer Anwendungen notwendig. Jeder dieser Schritte kann schon fur sich genommen zur Hurde werden – zusammen schrecken sie viele Patienten ab, bevor sie auch nur die erste Funktion der DiGA genutzt haben.

Arzte berichten laut SVDGV, dass der Ablauf in seiner aktuellen Form wenig praxistauglich sei.[2] Arztpraxen mussen Patienten erklaren, dass das DiGA-E-Rezept nicht in der Apotheke mit der eGK eingelost werden kann – wie das bei Medikamenten-E-Rezepten inzwischen ublich ist. Das schafft Verwirrung und zusatzlichen Aufwand. Einer der wichtigsten Ruckmeldungen aus den Praxen: Schon ein klar sichtbarer Hinweis auf dem Ausdruck – "Nicht in der Apotheke einlosbar" – konnte Missverstandnisse reduzieren.

Was der SVDGV fordert

Der Verband empfiehlt, den geplanten bundesweiten Rollout im ersten Halbjahr 2026 in seiner jetzigen Form auszusetzen.[2] Stattdessen solle der gesamte Einloseprozess gemeinsam mit allen Beteiligten – Kassen, Industrie, Praxen und Patienten – grundlegend uberarbeitet werden. Ziel sei ein Ablauf ohne Medienbruche: Die DiGA solle direkt nach der Verordnung starten konnen – digital, ohne Papier, ohne parallele Apps, ohne komplizierte Identitatsverfahren.

Bereits im Juli 2024 hatte der SVDGV ein alternatives Konzept vorgelegt. Es setzt auf einen patientenzentrierten, niedrigschwelligen Zugang – und will gleichzeitig den administrativen Aufwand in Arztpraxen spurbar senken.[3] Dieses Modell liegt bereits auf dem Tisch. Es braucht jetzt politischen Willen, um umgesetzt zu werden.

Was auf dem Spiel steht

Die Debatte ist nicht nur ein Komfortproblem. Hinter den meisten DiGA stecken kleine und mittelstandische Unternehmen. Sie investieren Millionen in die Zulassung und tragen hohe laufende Kosten. Sollte ein bundesweiter Rollout mit ahnlich niedrigen Einlosequoten starten wie im Pilotprojekt, konnten viele dieser Geschaftsmodelle unter Druck geraten – und die Innovationslandschaft im deutschen Gesundheitswesen langfristig geschwacht werden.[1] Das ware umso bitterer, weil das deutsche DiGA-Modell international als Vorbild gilt und von anderen Landern bereits ubernommen wird.

Fur Patienten bleibt im Kern eine Frage: Wie einfach ist es wirklich, eine digitale Therapieoption zu nutzen, auf die man rechtlich Anspruch hat? Die Antwort lautet im Moment: nicht einfach genug. Auf bestes.com finden Sie eine unabhangige Ubersicht uber DiGA und andere erstattungsfahige Health-Apps.

Haufige Fragen

Was ist eine DiGA und wie bekomme ich sie?

Eine DiGA ist eine vom BfArM geprufte digitale Gesundheitsanwendung, die Arzte auf Rezept verordnen durfen. GKV-Versicherte haben darauf Anspruch, die Krankenkasse ubernimmt die Kosten. Aktuell lauft die Einlosung noch meist uber das alte Papierrezept oder ein gesondertes Online-Verfahren der Kasse.

Wird das DiGA-E-Rezept bundesweit eingefuhrt?

Geplant war der bundesweite Start im ersten Halbjahr 2026. Nach den schwachen Pilotergebnissen fordert der SVDGV eine Verschiebung und Uberarbeitung des Prozesses. Eine endgultige Entscheidung steht noch aus.

Warum konnte ich mein DiGA-E-Rezept nicht einlosen?

Haufige Grunde sind: fehlende PIN fur die elektronische Gesundheitskarte, keine eingerichtete Gesundheits-ID, oder Versuche, das Rezept uber eine Apotheke einzulosen – was bei DiGA nicht moglich ist. Im Zweifel direkt bei der eigenen Krankenkasse nachfragen, die meisten Kassen haben eigene Apps oder Support-Wege dafur.

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