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Von Redaktion

Demenzprävention: Wissenschaftsakademien fordern nationale Datenoffensive

Leopoldina, acatech und Akademien-Union fordern Datenoffensive gegen Demenz. 36 % der Fälle vermeidbar durch 12 Risikofaktoren. Stellungnahme 28.03.2026.

Demenz ist eine der größten medizinischen Herausforderungen Deutschlands: Rund 1,8 Millionen Menschen leben hierzulande mit einer Demenzerkrankung, und jedes Jahr kommen etwa 300.000 Neuerkrankungen hinzu. Doch bis zu 36 Prozent der Demenzfälle wären durch zwölf bekannte, veränderbare Risikofaktoren vermeidbar – wenn man früh genug handelt. Das betonen führende Wissenschaftsakademien in einer gemeinsamen Stellungnahme vom 28. März 2026 und fordern eine nationale Datenoffensive für bessere Prävention.

Wer hinter der Stellungnahme steht

Die Stellungnahme wurde gemeinsam von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) und der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften erarbeitet – dem wissenschaftlichen Establishment Deutschlands. In einer knapp 60-seitigen Analyse zeigen die Akademien: Deutschland hat gravierende Datenlücken im Bereich Demenzprävention und nutzt vorhandene Daten schlecht.

Die Kernforderung: Vorhandene Gesundheitsdaten aus Krankenkassen, Kliniken und Forschung müssen besser verknüpft werden. Als konkretes Instrument schlagen die Akademien einen "Unique Identifier" (UID) vor – eine persönliche Gesundheits-ID, mit der Daten verschiedener Quellen ohne Datenschutzverletzung verknüpft werden könnten. Das würde es ermöglichen, Risikofaktoren über Jahrzehnte hinweg zu verfolgen und Präventionsmaßnahmen evidenzbasiert zu optimieren.

Die zwölf vermeidbaren Risikofaktoren

Forschende haben berechnet: 36 Prozent aller Demenzfälle in Deutschland könnten durch Reduktion von zwölf beeinflussbaren Faktoren verhindert werden. Diese sind:

  1. Niedrige Bildung (in der Kindheit/Jugend)
  2. Bluthochdruck (ab Mittelalter)
  3. Hörminderung (wird oft zu spät behandelt)
  4. Rauchen
  5. Adipositas
  6. Depressionen
  7. Körperliche Inaktivität
  8. Diabetes mellitus
  9. Übermäßiger Alkoholkonsum
  10. Kopfverletzungen (Traumata)
  11. Luftverschmutzung
  12. Soziale Isolation

Besonders relevant für den deutschsprachigen Raum: Unbehandelte Hörminderung ist einer der Faktoren mit dem größten Einzeleffekt – und gleichzeitig einer der am stärksten unterschätzten. Wer schlecht hört und kein Hörgerät trägt, isoliert sich sozial und stimuliert das Gehirn weniger – beides erhöht das Demenzrisiko.

Kognitive Reserve: Bildung schützt das Gehirn

Der Faktor "niedrige Bildung" in frühen Jahren kann nicht rückgängig gemacht werden – aber das Prinzip dahinter eröffnet lebenslange Möglichkeiten. Das Gehirn kann durch mentale Aktivität ein Netzwerk von Verbindungen aufbauen, das als kognitive Reserve bezeichnet wird. Diese Reserve verzögert, bis Demenzsymptome auftreten, auch wenn bereits neuropathologische Veränderungen vorhanden sind.

Was kognitive Reserve stärkt: lebenslange Bildung und neues Lernen, soziale Aktivität, komplexe Tätigkeiten im Beruf oder Ehrenamt, Musikinstrument spielen, mehrsprachig sein und regelmäßige körperliche Bewegung. Neueste Erkenntnisse zeigen auch: Schlaf ist für die Gedächtniskonsolidierung und den Abbau von Abfallstoffen im Gehirn essenziell.

Was die Akademien konkret fordern

Neben dem Unique Identifier fordern die Akademien sechs Handlungsansätze: bessere Datenerhebung zu Demenz in der Bevölkerung, Integration von Demenzprävention in bestehende Präventionsprogramme (z.B. Herz-Kreislauf-Prävention), stärkere Forschung zu Früherkennung (Biomarker, Bildgebung), verbesserte Versorgung von Pflegenden, gesellschaftliche Entstigmatisierung der Diagnose und digitale Unterstützung für Betroffene und Angehörige.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter sollte ich aktiv Demenzprävention betreiben?
Idealerweise ein Leben lang – aber es ist nie zu spät. Kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Diabetes ab dem mittleren Lebensalter konsequent zu behandeln, wirkt sich messbar auf das Demenzrisiko aus. Hörminderung sollte ab 50 Jahren regelmäßig geprüft werden.

Gibt es Tests um das eigene Demenzrisiko einzuschätzen?
Standardisierte Screening-Tests gibt es beim Hausarzt (z.B. MMSE oder DemTect). Ein individuelles Risikoprofil kann im Gespräch mit einem Neurologen oder Geriatriker erstellt werden. Allgemeinmediziner und Neurologen auf bestes.com/services.

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