Studie
Von Redaktion

Darmbakterie Roseburia steigert Muskelkraft um 29 Prozent

Eine Studie im Fachjournal Gut (März 2026) zeigt: Eine bestimmte Darmbakterie stärkt Muskeln – besonders im Alter. Was das bedeutet.

## Eine Darmbakterie macht Muskeln stark – Studie sorgt für Aufsehen Ein winziger Bewohner unseres Darms könnte die Medizin des Alterns verändern. Forscher vom Leiden University Medical Center (LUMC) haben im März 2026 im renommierten Fachjournal *Gut* eine Studie veröffentlicht, die eine direkte Verbindung zwischen einer bestimmten Darmbakterie und Muskelkraft beim Menschen nachweist [1]. Das Bakterium heißt *Roseburia inulinivorans* – und es wirkt offenbar wie ein natürlicher Kraftbooster. Bei älteren Erwachsenen, in deren Darm diese Bakterienart häufig vorkommt, war die Griffstärke im Schnitt 29 Prozent höher als bei Gleichaltrigen ohne das Bakterium. Bei jungen Erwachsenen zeigte sich ein Zusammenhang sowohl mit der Griffstärke als auch mit der Ausdauerkapazität der Lunge. ## Was die Forscher herausgefunden haben Die Studie untersuchte Stuhlproben von 90 jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren sowie 33 Senioren ab 65 Jahren. Je mehr *Roseburia inulinivorans* im Darm vorhanden war, desto stärker waren die Probanden – gemessen an Griffstärke, Beinpresse und Bankdrücken. Um zu verstehen, warum, führten die Wissenschaftler Tierversuche durch. Mäusen wurde das Bakterium gezielt verabreicht. Das Ergebnis: Die Muskelkraft der Tiere stieg um rund 30 Prozent. Gleichzeitig veränderten sich die Muskelfasern – mehr sogenannte Typ-II-Fasern, die für explosive Kraft zuständig sind, bildeten sich aus [1]. Auf biochemischer Ebene aktivierte das Bakterium den Purin- und den Pentosephosphat-Weg in den Muskeln – beides Stoffwechselwege, die für Energieproduktion und Zellreparatur wichtig sind. ## Warum das besonders für ältere Menschen relevant ist Mit zunehmendem Alter bauen Menschen Muskelmasse ab – Fachleute nennen das Sarkopenie. Ab etwa dem 50. Lebensjahr verliert der Körper pro Jahrzehnt rund 10 bis 15 Prozent seiner Muskelmasse. Für viele Ältere bedeutet das eingeschränkte Mobilität, häufigere Stürze und eine schlechtere Lebensqualität. Bisher galt: Krafttraining und ausreichend Protein helfen. Dass das Mikrobiom – also die Gesamtheit aller Darmmikroben – ebenfalls eine Rolle spielen könnte, ist für die Forschung eine relativ neue Erkenntnis. Die Darm-Muskel-Achse, wie Wissenschaftler das nennen, rückt seit einigen Jahren stärker in den Fokus. "Starke Muskeln beginnen im Darm", schrieb das LUMC in seiner Pressemitteilung zur Studie [2]. Die Forscher sehen in *Roseburia inulinivorans* einen vielversprechenden Kandidaten für ein gezieltes Probiotikum – also ein Nahrungsergänzungsmittel mit lebenden Bakterien. ## Was das für die Praxis bedeutet Noch handelt es sich um frühe Forschungsergebnisse. Die Studie zeigt zwar eine Korrelation – also ein gemeinsames Auftreten von Bakterium und Muskelkraft – und liefert durch die Tierversuche erste Hinweise auf einen ursächlichen Zusammenhang. Ob sich die Ergebnisse direkt auf eine breite Bevölkerungsgruppe übertragen lassen, müssen größere klinische Studien am Menschen klären. Wer jetzt nach einem Probiotikum mit *Roseburia inulinivorans* sucht: Es gibt keines, das direkt diese Bakterienart enthält. Das Bakterium lebt von Ballaststoffen – vor allem Inulin, das in Zwiebeln, Knoblauch, Chicorée und Topinambur vorkommt. Eine ballaststoffreiche Ernährung fördert generell ein vielfältiges Mikrobiom. Bestehende Maßnahmen bleiben wichtig: Regelmäßiges Krafttraining und ausreichend Protein – etwa 1,2 bis 1,6 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich – sind weiterhin die wirksamsten Mittel gegen Muskelschwund im Alter. ## Häufige Fragen **Kann ich mein Mikrobiom gezielt beeinflussen, um Muskeln aufzubauen?** Indirekt ja. Eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten fördert Bakterien wie *Roseburia inulinivorans*. Ein direktes Probiotikum mit dieser Bakterienart ist derzeit nicht auf dem Markt. **Ist die Darm-Muskel-Achse wissenschaftlich anerkannt?** Das Konzept gewinnt zunehmend an wissenschaftlicher Anerkennung. Die aktuelle Studie in *Gut* – einem der renommiertesten Fachblätter für Gastroenterologie – ist ein wichtiger Schritt, aber noch kein Beweis für einen klinisch nutzbaren Effekt beim Menschen. **Für wen ist diese Forschung besonders relevant?** Für ältere Menschen, die Muskelmasse erhalten wollen, sowie für Forschende, die neue Wege zur Behandlung von Sarkopenie suchen. Sportlich Aktive profitieren vor allem weiterhin von Training und Ernährung. Finde Ernährungsberater und Sportmediziner in deiner Nähe auf [bestes.com](/services/ernaehrungsberatung). --- **Quellen:** [1] Aarts MR et al. "Roseburia inulinivorans increases muscle strength." *Gut.* März 2026. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41806991/ [2] Leiden University Medical Center. "Strong muscles start in the gut." 12.03.2026. https://www.lumc.nl/en/news/2026/strong-muscles-start-in-the-gut/ [3] BMJ Group. "Specific gut bacteria species (R inulinivorans) linked to muscle strength." https://bmjgroup.com/specific-gut-bacteria-species-r-inulinivorans-linked-to-muscle-strength/ [4] NutraIngredients. "Could a gut microbe improve muscle strength and slow sarcopenia?" 17.03.2026. https://www.nutraingredients.com/Article/2026/03/17/could-a-gut-microbe-improve-muscle-strength-and-slow-sarcopenia/

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