DAK-Monitor 2026: Nur noch 62 Prozent zufrieden – Vertrauen in Gesundheitsversorgung auf 15-Jahres-Tief
Neue Allensbach-Studie für die DAK-Gesundheit (April 2026): Die Zufriedenheit mit dem deutschen Gesundheitssystem sinkt auf 62 Prozent – den niedrigsten Stand seit 2011. Ärztemangel, lange Wartezeiten und schlechtere Erfahrungen treiben das Misstrauen.
Der DAK-Gesundheitsmonitor 2026 erscheint zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt: Während der Bundestag über das Beitragsstabilisierungsgesetz von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken berät, zeigt eine repräsentative Allensbach-Umfrage, wie tief das Vertrauen der Deutschen in ihr Gesundheitssystem gesunken ist. Das Institut für Demoskopie Allensbach befragte vom 18. bis 30. April 2026 insgesamt 1.015 Menschen ab 16 Jahren in Deutschland – mündlich-persönlich, repräsentativ.
Das Ergebnis ist deutlich. Nur noch 62 Prozent der Bevölkerung bewerten das deutsche Gesundheitswesen positiv. Das ist der schlechteste Wert seit 15 Jahren. Zwischen 2012 und 2022 hatte die Zufriedenheitsquote konstant über 80 Prozent gelegen. Gleichzeitig hat sich der Anteil der kritischen Stimmen seit 2020 von 11 auf 35 Prozent mehr als verdreifacht. Mehr als ein Drittel der Befragten gibt an, in den vergangenen zwei oder drei Jahren persönlich schlechtere Erfahrungen mit der ärztlichen Versorgung gemacht zu haben als früher.
## Wartezeiten als größtes Alltagsproblem
Wenn die Befragten über negative Erfahrungen sprechen, landet ein Thema mit Abstand auf Platz eins: lange Wartezeiten für einen Arzttermin. 72 Prozent nennen dies explizit. Fast jeder zweite Befragte (47 Prozent) gibt an, in den letzten Jahren mehrmals sehr lange auf einen Termin gewartet zu haben – das sind 15 Prozentpunkte mehr als noch 2016. Was früher ein gelegentliches Ärgernis war, ist für viele Menschen zur Normalität geworden.
Der Ärztemangel ist dabei kein abstraktes politisches Problem, sondern erlebte Realität. 36 Prozent der Bevölkerung berichten, in ihrer Region einen Ärztemangel zu spüren – dreimal so viele wie 2011, als nur 13 Prozent betroffen waren. In Ostdeutschland ist mit 57 Prozent mehr als jeder Zweite betroffen, ein strukturelles Problem, das sich über Jahre verschärft hat, ohne dass wirksame Gegenmaßnahmen griffen.
## Krankenhausvertrauen bricht ein
Auch das Vertrauen in die stationäre Versorgung bröckelt. Aktuell haben nur noch 33 Prozent der Befragten uneingeschränktes Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Krankenhäuser. 2022 waren es noch 43 Prozent – ein Rückgang von 10 Prozentpunkten in nur vier Jahren. Die Krankenhausreform hat das Vertrauen bislang nicht stabilisiert.
## Pessimismus prägt den Blick nach vorne
59 Prozent erwarten, dass sich die Gesundheitsversorgung in den kommenden zehn Jahren weiter verschlechtert. Die große Mehrheit rechnet mit steigenden Kosten und einer verstärkten Zwei-Klassen-Medizin. Zwei Drittel der Befragten (67 Prozent) halten eine umfassende Reform für nötig – vor zehn Jahren waren es 41 Prozent. Das Problembewusstsein ist also breit vorhanden. Was fehlt, ist das Vertrauen in die Lösungskompetenz der Politik: 61 Prozent haben keinen guten Eindruck von der Gesundheitspolitik der Bundesregierung, der schlechteste Wert seit 2009. Nur 10 Prozent glauben daran, dass die geplante Stabilisierung der GKV-Beiträge gelingt. 68 Prozent haben keine Hoffnung.
## Was die Bevölkerung akzeptiert – und was nicht
Auf konkrete Reformvorschläge reagiert die Bevölkerung gespalten. Höhere Tabak- und Alkoholsteuern sowie eine Zuckerabgabe auf Erfrischungsgetränke findet die Mehrheit gut. Auch höhere Rabatte der Pharmahersteller werden unterstützt. Klares Veto gibt es bei direkten Belastungen: 74 Prozent lehnen Kürzungen beim Zahnersatz oder höhere Kassenbeiträge ab. 67 Prozent wollen keine Einschränkung bei der Hautkrebsvorsorge, 65 Prozent lehnen Kürzungen beim Krankengeld ab.
Das Solidarprinzip selbst steht nicht infrage. 74 Prozent der Befragten unterstützen das Modell der gesetzlichen Krankenkasse – ein bemerkenswerter Rückhalt trotz aller Frustration über die konkrete Umsetzung.
## Was das für Patienten bedeutet
Die Zahlen beschreiben eine Versorgungsrealität, die viele Menschen täglich erleben: kein zeitnaher Termin beim Facharzt, die nächste Klinik weiter weg als früher, das Vertrauen, im Ernstfall gut versorgt zu werden, schwindet. DAK-Vorstandschef Andreas Storm formuliert es direkt: „Das deutsche Gesundheitssystem ist krank.“
In diesem Kontext gewinnen digitale Gesundheitslösungen an Bedeutung. Telemedizin-Plattformen, die innerhalb von Stunden einen Arzt zugänglich machen, DiGA (Digitale Gesundheitsanwendungen auf Rezept) oder Symptom-Apps können Versorgungslücken schließen, die das stationäre System lässt. Sie ersetzen keine hausärztliche Versorgung, können aber helfen, bis ein Termin verfügbar ist – oder bei chronischen Erkrankungen die Eigenverantwortung der Patienten stärken.
Der DAK-Monitor 2026 macht deutlich: Das verlorene Vertrauen lässt sich nicht durch Beitragskorrekturen allein zurückgewinnen. Es braucht spürbare Verbesserungen im Alltag – schnellere Termine, weniger bürokratische Hürden und bessere digitale Zugänge zur Versorgung.