Borreliose 2024: 138.000 Neuerkrankungen – warum das Zecken-Risiko weiter steigt
138.107 Menschen erkrankten 2024 neu an Borreliose. Was die Zi-Daten über regionale Hotspots zeigen – und wie Sie sich schützen.
Jedes Jahr stechen Millionen Zecken in Deutschland zu – und mit ihnen lauert die Gefahr einer Borreliose-Infektion. Neue Daten des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zeigen: Im Jahr 2024 wurde bei 138.107 gesetzlich Versicherten erstmals eine Lyme-Borreliose diagnostiziert. Das entspricht einer bundesweiten Inzidenz von 221 Neuerkrankungen pro 100.000 Versicherte – ein moderater Anstieg gegenüber 207 im Vorjahr. Die Botschaft der Zi-Analyse, veröffentlicht im Juni 2026: Das Risiko steigt, und der Klimawandel ist ein Treiber.
Was Borreliose ist – und warum sie so tückisch sein kann
Borreliose wird durch Bakterien der Gattung Borrelia verursacht, die über den Stich der Zeckenart Ixodes ricinus – im Volksmund Gemeiner Holzbock – übertragen werden. Die Erreger gelangen dabei aus dem Darm der Zecke in die Wunde. Laut Robert Koch-Institut (RKI) dauert es in der Regel mindestens zwölf bis 24 Stunden, bis eine Übertragung stattfindet: Je früher man eine Zecke entfernt, desto besser.
Borreliose kann verschiedene Organe befallen: Haut, Nerven und Gelenke. Die klinischen Verläufe reichen von leicht bis schwer. Wer frühzeitig behandelt wird, hat gute Chancen auf vollständige Heilung. Antibiotika sind wirksam – wenn die Diagnose stimmt und rechtzeitig gestellt wird. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nach aktuellem Wissensstand nicht möglich.
Das wichtigste Warnsignal: die Wanderröte
Das bekannteste und zuverlässigste Zeichen einer frühen Borreliose-Infektion ist die sogenannte Wanderröte – medizinisch Erythema migrans. Sie zeigt sich als roter Fleck oder Ring um die Einstichstelle, der sich über Tage hinweg ausdehnt. Typischerweise entsteht die Wanderröte drei bis 32 Tage nach dem Zeckenstich.
Wichtig: Nicht jede Rötung um einen Stich herum ist eine Wanderröte. Eine unmittelbare Rötung direkt nach dem Stich ist meist eine normale Hautreaktion. Erst wenn sich die Rötung in den folgenden Tagen ringförmig ausdehnt und Durchmesser von mehr als fünf Zentimetern erreicht, sollte man ärztlichen Rat suchen. Begleitend können grippeähnliche Symptome auftreten – Müdigkeit, Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen.
Eine Wanderröte ist ein klares Zeichen für Behandlungsbedarf. Wer sich unsicher ist, ob eine Hautrötung auffällig ist, kann digitale Dermatologie-Apps wie Dermanostic oder SkinVision nutzen, um eine erste Einschätzung zu erhalten – und im Zweifel schnell einen Arzt zu kontaktieren.
Regionale Hotspots: Im Osten dreimal häufiger erkrankt als im Westen
Die Zi-Daten zeigen erhebliche regionale Unterschiede. Sachsen führt die Statistik mit 361 Neuerkrankungen pro 100.000 Versicherte an, gefolgt von Thüringen (342), Bayern (311), Brandenburg (310) und Mecklenburg-Vorpommern (310). Am niedrigsten war die Rate im KV-Bereich Nordrhein mit 116 Fällen – einem Wert, der rund dreimal niedriger liegt als im Spitzenreiter Sachsen.
Auf Kreisebene stechen besonders Freyung-Grafenau in Bayern (703 Fälle je 100.000) und der Saale-Holzland-Kreis in Thüringen (639) hervor. Stark erhöhte Werte fanden sich laut Zi vor allem im Osten Niederbayerns, in Thüringen und im sächsisch-tschechischen Grenzgebiet. Das Bild ist klar: Ostdeutschland und Bayern sind die Hochrisikoregionen für Borreliose in Deutschland.
Dass die Inzidenz von Jahr zu Jahr schwankt, ist laut Zi-Analyse nicht ungewöhnlich. Zwischen 2018 und 2024 lag der niedrigste Wert bei 203 Fällen je 100.000 Versicherte (2022), der höchste in der Corona-Pandemie bei 241 Fällen (2020). Der Trend zeigt insgesamt moderat aufwärts.
Klimawandel als Risikofaktor: Längere Aktivitätsperioden der Zecken
„Die Einflussfaktoren der Lyme-Borreliose-Inzidenz sind vielfältig", erklärt Dr. Dominik von Stillfried, Vorstandsvorsitzender des Zi. „Es zeigt sich jedoch, dass klimatische Bedingungen – etwa mildere Winter sowie wärmere und feuchtere Perioden vom Frühjahr bis in den Herbst – in bestimmten Regionen zu einem Anstieg der Infektions- und Erkrankungszahlen beitragen können."
Was das konkret bedeutet: Zecken werden früher im Jahr aktiv – mitunter schon ab Temperaturen um sieben Grad Celsius – und bleiben länger aktiv. Laut RKI-Ratgeber sind Zecken in Deutschland vor allem von März bis Oktober anzutreffen, mit Aktivitätsgipfeln im Frühjahr und Frühsommer sowie im Herbst. Diese Fenster werden durch mildere Winter länger. Das erhöht schlicht die Wahrscheinlichkeit, gestochen zu werden.
Hinzu kommt, dass Zecken nicht nur im Wald vorkommen. Auch Gärten, Parks und Wiesen in städtischen Gebieten können Lebensraum für Zecken sein – gerade bei fortschreitender Grünbepflanzung in Ballungsräumen.
Kein Impfschutz, aber wirksame Prävention
Gegen Borreliose gibt es in Deutschland bislang keine zugelassene Schutzimpfung. Das unterscheidet sie von der ebenfalls durch Zecken übertragenen FSME – gegen die eine Impfung verfügbar und empfohlen ist. Bei Borreliose bleibt Prävention der einzige Schutzweg: Also das Vermeiden von Zeckenstichen und das schnelle Entfernen von Zecken.
Konkrete Empfehlungen: Im Freien geschlossene Kleidung tragen, helle Farben bevorzugen (Zecken sind besser sichtbar), Insektenschutzmittel auf exponierte Haut- und Kleidungsstellen auftragen. Nach dem Aufenthalt im Freien den gesamten Körper gründlich absuchen – besonders Kniekehlen, Leisten, Achseln, Haaransatz und Ohrmuscheln. Zecken beim Kind hinter den Ohren und am Kopf nicht vergessen.
Sitzt eine Zecke fest, so schnell wie möglich entfernen – mit einer Pinzette oder Zeckenzange nah an der Haut greifen und gerade herausziehen, ohne zu drehen. Kein Öl, kein Klebstoff. Einstichstelle und Datum notieren, die nächsten Wochen beobachten.
Wer nach einem Zeckenstich unsicher über seine Symptome ist, kann einen Symptom-Checker wie Ada Health nutzen oder über eine Telemedizin-Plattform wie Kry oder TeleClinic schnell mit einem Arzt sprechen – ohne Wartezeit in der Praxis. Auf bestes.com finden Sie eine Übersicht digitaler Gesundheitsangebote, die bei Hautveränderungen, Symptomprüfung und medizinischer Beratung helfen.