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Von Redaktion

Arthrose: Neue S3-Leitlinie Gonarthrose 2025 setzt auf Bewegung statt OP – was jetzt gilt

Die AWMF S3-Leitlinie Gonarthrose wurde Mai 2025 neu veröffentlicht: Bewegungstherapie und Eigenverantwortung vor Operation. Topische NSAR als erste Wahl, kein routinemäßiges Paracetamol mehr. Was 8–10 Mio. Betroffene jetzt wissen sollten.

Die DGOU (Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie) hat im Mai 2025 die neue S3-Leitlinie zur Prävention und Therapie der Gonarthrose veröffentlicht (AWMF-Register-Nr. 187-050, gültig bis Juli 2029). Sie ersetzt die bisherige S2k-Leitlinie und setzt klare neue Schwerpunkte: Bewegungstherapie vor Operation, Eigenverantwortung der Patienten und nachhaltige Behandlungsstrategien. Für rund 8 bis 10 Millionen Menschen in Deutschland, die an Kniearthrose leiden, sind das relevante Neuerungen. Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung weltweit. Der Knorpelabbau ist nicht heilbar, aber seine Beschwerden lassen sich mit der richtigen Therapie gut kontrollieren. Lange Zeit dominierten Hyaluronsäure-Injektionen, Knorpelschutzpräparate und frühe Operationsindikationen die Praxis – die neue S3-Leitlinie korrigiert dieses Bild auf der Basis aktueller Evidenz. S3-Leitlinie Gonarthrose 2025: Was sich ändert Die neue S3-Leitlinie stellt die Rolle der Eigenverantwortung der Patientinnen und Patienten in den Mittelpunkt. Bewegung, Gewichtsreduktion und dann individuell angepasste Therapie sind die zentralen Bausteine, heißt es in der Pressemitteilung der DGOU vom Mai 2025. Zentrale Neuerungen: Topische NSAR (Gele, Cremes) werden aufgrund des günstigen Nutzen-Risiko-Profils als Mittel der ersten Wahl bei der medikamentösen Therapie empfohlen. Orale NSAR bleiben bei unzureichender Wirksamkeit möglich, unter Beachtung kardiovaskulärer und gastrointestinaler Kontraindikationen. Von einer routinemäßigen Therapie mit Paracetamol und schwach wirksamen Opioiden wird ausdrücklich abgeraten. Hyaluronsäure-Injektionen erhalten keine Routineempfehlung mehr aufgrund heterogener Evidenz. Erstmals fließen Nachhaltigkeitsaspekte in die Bewertung von Behandlungsoptionen ein. Diagnose: Wie wird Arthrose festgestellt? Die Gonarthrose-Diagnose basiert auf klinischer Untersuchung (Gelenkschmerz, Steifigkeit, Krepitation, Bewegungseinschränkung) und Bildgebung. Standard ist das Röntgenbild in zwei Ebenen, das die Gonarthrose nach Kellgren und Lawrence in 4 Schweregrade einteilt: Grad I zeigt minimale Osteophyten, Grad II deutliche Osteophyten mit möglicher Gelenkspaltverschmälerung, Grad III multiple Osteophyten und ausgeprägte Gelenkspaltverschmälerung sowie Grad IV vollständigen Gelenkverlust. Eine MRT ist bei unklarem Befund oder zum Ausschluss anderer Pathologien indiziert, aber für die Routinediagnostik nicht erforderlich. Laborparameter (CRP, Harnsäure) helfen beim Ausschluss entzündlicher Arthritiden wie rheumatoider Arthritis oder Gicht. Was wirklich hilft: Die Evidenzlage Bewegungstherapie ist die einzige Intervention, die laut OARSI-Empfehlungen sowohl Schmerz als auch Funktion bei Kniearthrose langfristig verbessert. Physiotherapeutisches Kraft- und Ausdauertraining zeigt in Metaanalysen konsistente Effekte. Wichtig: Nicht die Bewegung schadet dem Knorpel – Inaktivität beschleunigt den Abbau, da der Gelenkknorpel seine Nährstoffe durch Kompressions- und Entlastungszyklen aufnimmt. Strukturiertes Training kann ambulant (Physiotherapie, GKV-erstattungsfähig) oder in Rehasport-Gruppen stattfinden. Belegt wirksame Übungsformen: Quadrizeps-Kräftigung, Gleichgewichtstraining (Propriozeption), Radfahren und Schwimmen als gelenkschonende Ausdaueroptionen. Gewichtsreduktion: Entlastung mit großem Effekt Bei übergewichtigen Patienten ist Gewichtsreduktion ein zentraler Therapiebaustein. Jedes Kilogramm Körpergewicht weniger entlastet das Kniegelenk beim Gehen um das Vier- bis Siebenfache. Eine moderate Reduktion von 5 bis 10 Prozent des Körpergewichts hat nachgewiesene Effekte auf Schmerz und Funktion bei Gonarthrose. Ernährungsberatung und multimodale Gewichtsreduktionsprogramme sind GKV-finanzierbar. OARSI 2026 World Congress: Neue Therapieansätze in Sicht Auf dem OARSI World Congress on Osteoarthritis 2026 werden neue Therapiekonzepte vorgestellt. IL-1-Inhibitoren wie Anakinra zeigen beim entzündlichen Arthrose-Phänotyp in einer Metaanalyse signifikante Schmerzlinderung. Levicept, ein selektiver Anti-NGF-Antikörper, bereitet internationale Phase-III-Studien vor; NGF (Nerve Growth Factor) ist ein zentraler Schmerzmediator bei Arthrose. Ein weiterer Forschungsansatz ist die Phenotypisierung von Arthrose in entzündliche und metabolische Subtypen, um Therapien gezielter einzusetzen und Patienten für spezifische Studienarme zu selektieren. Wann ist eine Knie-TEP sinnvoll? Trotz des Fokus auf Konservativtherapie bleibt die Knie-Totalendoprothese (TEP) eine wirksame Option bei ausgeprägter Gonarthrose. Indikationskriterien nach S3-Leitlinie 2025: radiologisch fortgeschrittene Gonarthrose (Kellgren-Lawrence-Grad III–IV), vollständig ausgeschöpfte konservative Therapie über mindestens 6 Monate, deutliche Beeinträchtigung von Lebensqualität und Funktion sowie fehlendes Ansprechen auf Physiotherapie und Schmerztherapie. In Deutschland werden jährlich rund 170.000 Knie-TEPs eingesetzt (Statistisches Bundesamt 2023). Die Revisionsrate nach 10 Jahren liegt laut Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) unter 10 Prozent. Was Betroffene jetzt tun können Arthrose lässt sich nicht heilen, aber mit der richtigen Strategie gut managen. Gezieltes Kraft- und Ausdauertraining aufnehmen (Physiotherapie oder strukturierte Bewegungskurse, GKV-Zuschuss möglich). Bei Übergewicht eine moderate Gewichtsreduktion anstreben. Bei akuten Beschwerden topische NSAR als erste Wahl; orale NSAR nur kurzfristig. Hyaluronsäure-Injektionen nicht routinemäßig einfordern. Eine Knie-TEP erst nach vollständiger Ausschöpfung konservativer Optionen in Betracht ziehen. Orthopäden, Physiotherapeuten und Arthrose-Spezialisten in der Nähe sind auf bestes.com zu finden. Quellen - DGOU: Kniearthrose – Neue S3-Leitlinie betont Eigenverantwortung und Bewegung, Mai 2025. dgou.de - AWMF S3-Leitlinie Gonarthrose Reg.-Nr. 187-050, gültig bis 07/2029. register.awmf.org - AkdÄ: Medikamentöse Therapie der Gonarthrose – neue Leitlinie 2025. akdae.de - OARSI 2026 World Congress on Osteoarthritis: New and Innovative Treatments. congress.oarsi.org - Statistisches Bundesamt: Fallpauschalenbezogene Krankenhausstatistik 2023. destatis.de Physiotherapie und Rehasport: Praktische Umsetzung Die Verordnung von Physiotherapie ist bei gesicherter Gonarthrose eine GKV-Leistung. Ärzte können Heilmittelrezepte (KG, KGG) ausstellen; die Anzahl der Einheiten richtet sich nach Leitsymptomatik und Verlauf. Zusätzlich können Versicherte an Rehasport-Gruppen teilnehmen (GKV übernimmt bis zu 50 Einheiten, Hausarzt-Verordnung nötig). Aquajogging und Wassergymnastik sind besonders gelenkschonend und werden von spezialisierten Gruppen angeboten. Wichtig: Physiotherapie entfaltet ihre Wirkung erst nach mehrwöchiger regelmäßiger Anwendung – eine Einschätzung nach nur zwei Sitzungen ist nicht aussagekräftig. Kniebandagen und Orthesen können bei Instabilität oder Achsfehlstellung (O-Bein oder X-Bein) sinnvoll sein; medizinische Einlagen entlasten bei einseitigem Gelenkverschleiß. Diese Hilfsmittel ergänzen die Bewegungstherapie, ersetzen sie aber nicht.

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