Antibiotikaverbrauch in Kliniken stagniert trotz DART-Ziel
Neue RKI-Daten zeigen: Der Antibiotikaverbrauch in deutschen Kliniken blieb 2025 fast unverändert. Was das DART-Ziel bis 2030 bedeutet.
593 Krankenhäuser übermittelten für 2025 Daten zum Antibiotikaverbrauch an das Robert Koch-Institut. Der Verbrauch blieb gegenüber 2024 weitgehend unverändert. Das geht aus der neuen Antibiotika-Verbrauchs-Surveillance des RKI hervor. Die Zahl beschreibt das stationäre Bild, nicht den gesamten Antibiotikaverbrauch in Deutschland.
Das ist vor allem mit Blick auf DART 2030 relevant. Die nationale Strategie sieht vor, den gesamten Verbrauch in ambulanter und stationärer Versorgung bis 2030 um neun Prozent gegenüber 2019 zu senken. Ob Deutschland diesem Ziel näherkommt, lässt sich aus den aktuellen Klinikdaten allein nicht ableiten. Die ambulanten Daten sollen nach Angaben des RKI im November gemeinsam eingeordnet werden.
Was die neuen Daten tatsächlich zeigen
Das RKI koordiniert zwei Systeme: die Antibiotika-Resistenz-Surveillance, kurz ARS, und die Antibiotika-Verbrauchs-Surveillance, kurz AVS. ARS sammelt Daten zu Resistenzen von Erregern. AVS erfasst den Verbrauch antimikrobieller Substanzen in Krankenhäusern. Für 2025 meldeten 126 Labore Daten an ARS und 593 Krankenhäuser Daten an AVS.
Die Daten zeigen vielmehr einen Trend in den teilnehmenden Häusern. Gegenüber 2024 bewegte sich der Antibiotikaverbrauch dort kaum. Das RKI sieht deshalb aktuell keine Bewegung in Richtung des nationalen Verbrauchsziels.
Warum das Ziel bis 2030 weiter entfernt wirkt
Die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie DART 2030 wurde 2023 verabschiedet. Ihr Aktionsplan verbindet Ziele zu Resistenzen und zum Antibiotikaverbrauch. Für den Gesamtverbrauch ist als Messgröße die Defined Daily Dose vorgesehen. Sie wird pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner sowie pro Tag angegeben.
Das RKI berichtete im November 2025 für das Jahr 2024 einen Anstieg des Gesamtverbrauchs. Er lag bei 13,8 Defined Daily Doses pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner pro Tag. Im Jahr davor waren es 13,3. Gegenüber dem geschätzten Ausgangswert von 12,6 im Jahr 2019 entsprach das einer Zunahme um 9,5 Prozent.
Die neuen Klinikdaten ändern diese frühere Gesamtbetrachtung nicht. Sie ergänzen sie um den Hinweis, dass der stationäre Verbrauch 2025 nicht deutlich zurückging. Für eine vollständige Bilanz fehlen noch die ambulanten Daten. Das RKI kündigt deren Veröffentlichung zur World Antimicrobial Awareness Week im November 2026 an.
Resistenzen und Verbrauch gehören zusammen
Antibiotika wirken gegen bakterielle Infektionen. Werden Bakterien gegen ein Antibiotikum unempfindlich, kann dieses Mittel bei ihnen nicht mehr ausreichend wirken. Das RKI beschreibt Antibiotika deshalb als wichtige Arzneimittel, deren Wirksamkeit geschützt werden muss. Resistenzen können Behandlungen erschweren, wenn weniger geeignete Mittel verfügbar sind.
In den neuen Resistenzdaten sieht das RKI bei Escherichia coli ein zunehmendes Problem. Gemeint sind Resistenzen gegen häufig eingesetzte Cephalosporine der dritten Generation. Die Meldung erlaubt jedoch keinen Schluss darauf, dass der unveränderte Klinikverbrauch diese Resistenzentwicklung verursacht hat. ARS und AVS sind nationale Surveillance-Daten. Sie beschreiben Entwicklungen, keine Wirkungsnachweise.
Auch der Verbrauch ist nicht einfach mit einer einzelnen Zahl zu bewerten. Entscheidend ist, ob ein Antibiotikum bei einer bakteriellen Infektion gezielt und verantwortungsvoll eingesetzt wird. Das RKI nennt hierfür Antibiotic Stewardship als wichtigen Bereich. Gemeint ist ein Konzept, das den gezielten und verantwortungsvollen Einsatz von Antibiotika verbessern soll.
Was Patientinnen und Patienten daraus mitnehmen können
Die Meldung richtet den Blick auf Abläufe in Kliniken und auf die Gesundheitspolitik. Für einzelne Patientinnen und Patienten lässt sich daraus keine Aussage über die richtige Therapie ableiten. Ob ein Antibiotikum nötig ist, welches Mittel passt und wie lange es eingesetzt wird, hängt von der jeweiligen Erkrankung und der medizinischen Beurteilung ab.
Wer im Krankenhaus Antibiotika erhält, kann die Behandlung nachvollziehen wollen. Hilfreich sind konkrete Fragen an das Behandlungsteam: Wofür ist das Medikament vorgesehen? Welche Befunde sprechen dafür? Wann wird überprüft, ob die Behandlung angepasst werden muss?
Für Angehörige ist vor allem eines wichtig: Die aktuelle Nachricht ist kein Alarm über jede Behandlung in deutschen Kliniken. Sie zeigt eine Aufgabe für das Gesundheitssystem. Deutschland will den Antibiotikaverbrauch langfristig senken und zugleich wirksame Therapien erhalten. Die vollständige Einordnung für 2025 wird erst möglich, wenn auch die ambulanten Daten vorliegen.