Von Redaktion

Alzheimer und Demenz 2026: 1,84 Millionen Betroffene – neue Medikamente scheitern am G-BA

G-BA bescheinigt Lecanemab und Donanemab keinen Zusatznutzen. Was Betroffene und Angehörige über den Stand der Alzheimer-Versorgung in Deutschland wissen müssen.

Rund 1,84 Millionen Menschen leben derzeit in Deutschland mit einer Demenzerkrankung – die meisten von ihnen mit Alzheimer-Demenz. Im Jahr 2026 sorgte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) mit zwei richtungsweisenden Entscheidungen für Aufsehen: Weder Lecanemab (Leqembi) noch Donanemab (Kisunla), die ersten zugelassenen Antikörpertherapien gegen Alzheimer, erhielten in Deutschland einen belegten Zusatznutzen gegenüber der bisherigen Standardbehandlung. Die Entscheidungen werfen Fragen auf – und zeigen, wie groß die Lücke zwischen wissenschaftlichem Fortschritt und dem deutschen Nutzenbewertungssystem nach wie vor ist.

Wie häufig ist Demenz in Deutschland?

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) veröffentlicht alle zwei Jahre aktualisierte Zahlen zur Häufigkeit von Demenzerkrankungen. Aktuell leben laut DAlzG rund 1,84 Millionen Menschen hierzulande mit einer Demenz. Im Jahr 2023 erkrankten zwischen 364.000 und 445.000 Menschen neu – das entspricht etwa einer Neuerkrankung pro Minute. Alzheimer ist mit 60 bis 70 Prozent die häufigste Demenzform, gefolgt von vaskulärer Demenz und Mischformen.

Knapp sechs Prozent der Betroffenen – rund 106.000 Menschen – sind jünger als 65 Jahre und leiden an einer früh beginnenden Demenz. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, da sie im Durchschnitt älter werden. Die Prognose ist alarmierend: Bis 2050 rechnen Experten je nach demografischer Entwicklung mit 2,3 bis 2,7 Millionen Erkrankten in Deutschland. Ohne bessere Prävention und Therapien wird Demenz zur drängendsten gesellschaftlichen Herausforderung im Gesundheitssystem der kommenden Jahrzehnte. Allein die direkten Pflegekosten und indirekten volkswirtschaftlichen Kosten durch verlorene Arbeitsjahre belaufen sich auf viele Milliarden Euro jährlich.

G-BA: Kein Zusatznutzen für Lecanemab und Donanemab

Im Februar 2026 beschloss der G-BA, dass der Wirkstoff Lecanemab (Handelsname Leqembi, Hersteller Eisai) keinen belegten Zusatznutzen bei früher Alzheimer-Krankheit aufweist. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hatte in seiner Nutzenbewertung keinen überzeugenden Vorteil bei kognitiven Symptomen, Lebensqualität oder Sterblichkeit gefunden. Lecanemab ist seit September 2025 in Deutschland zugelassen und reduziert nachweislich Amyloid-Ablagerungen im Gehirn – eine der Hauptursachen der Alzheimer-Erkrankung.

Im April 2026 folgte die Entscheidung zu Donanemab (Kisunla, Hersteller Eli Lilly): Auch der zweite zugelassene Alzheimer-Antikörper erhält keinen Zusatznutzen. Für Erwachsene mit leichter kognitiver Beeinträchtigung fehlen laut G-BA geeignete Vergleichsdaten, für Patienten mit leichter Alzheimer-Demenz zeigte sich kein Vorteil gegenüber dem bisherigen Behandlungsstandard. Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) hatte in einer Stellungnahme auf methodische Schwächen im G-BA-Bewertungsrahmen hingewiesen und kritisiert, dass die gewählte Vergleichstherapie nicht dem internationalen Forschungsstand entspreche.

Beide Entscheidungen bilden nun die Basis für Preisverhandlungen zwischen Herstellern und GKV-Spitzenverband. Verschreibbar bleiben beide Mittel trotz der Beschlüsse – Neurologen können sie weiterhin einsetzen. Die KBV regelte im März 2026, dass ärztliche Leistungen rund um die Leqembi-Behandlung seit April 2026 über gesetzliche Krankenkassen abgerechnet werden können.

Was die Entscheidungen für Betroffene und Angehörige bedeuten

Für viele Betroffene und Angehörige sind die G-BA-Beschlüsse eine Enttäuschung. Lecanemab und Donanemab galten jahrelang als vielversprechende Durchbrüche, weil sie – anders als bisherige Behandlungen – kausal in das Krankheitsgeschehen eingreifen. Die Alzheimer Forschung Initiative (AFI) kritisierte die Bewertung öffentlich: Klinische Studien hätten einen messbaren Rückgang der Krankheitsprogression gezeigt, und selbst eine moderate Verlangsamung des Fortschreitens könne im Alltag der Betroffenen erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität haben.

Für gesetzlich Versicherte hängt die tatsächliche Erstattung von den noch laufenden Preisverhandlungen ab. Bis zu einem Verhandlungsergebnis gilt der vom Hersteller festgelegte Listenpreis – der bei Lecanemab etwa hundert Mal höher liegt als bei bisher eingesetzten Standardmedikamenten. Wer von Alzheimer oder einer anderen Demenzform betroffen ist, sollte mit dem behandelnden Neurologen besprechen, welche Therapieoptionen im individuellen Fall sinnvoll sind. Gedächtnissprechstunden an Universitätskliniken und spezialisierten Gedächtniszentren bieten umfassende Diagnostik und Beratung zu aktuellen Therapiemöglichkeiten.

Forschung 2026: Rekordförderung und neue Biomarker

Trotz der enttäuschenden Nutzenbewertungen zeigt die Alzheimer-Forschung Dynamik. Seit Anfang 2026 fördert die Alzheimer Forschung Initiative (AFI) 18 neue Forschungsprojekte – so viele wie noch nie in einem Jahr, mit einem Fördervolumen von rund 2,45 Millionen Euro. Die Projekte beschäftigen sich mit Ursachen der Erkrankung, verbesserter Frühdiagnostik und neuen Therapieansätzen. Parallel arbeiten deutsche Forschungszentren an Blutbiomarkern, die eine Alzheimer-Diagnose früher und kostengünstiger ermöglichen sollen – etwa über den Nachweis von Amyloid- oder Tau-Proteinen. Eine verlässliche Frühdiagnose ist Voraussetzung dafür, dass kausal wirkende Therapien sinnvoll eingesetzt werden können, da sie im Frühstadium am wirksamsten sind.

Digitale Unterstützung für Betroffene und Angehörige

Neben Medikamenten gewinnen digitale Angebote zunehmend an Bedeutung. Aktivierungs- und Kommunikationslösungen, kognitive Trainingsanwendungen sowie Früherkennungstools ergänzen die klassische Versorgung. Laut DAlzG werden zwei Drittel aller Demenzerkrankten in Deutschland zu Hause von Angehörigen gepflegt – digitale Unterstützung kann dabei helfen, die Betreuungsqualität zu verbessern und pflegende Angehörige zu entlasten. Verschiedene Apps bieten Gedächtnistraining, Aktivierungsübungen oder Kommunikationshilfen speziell für Menschen mit Demenz. Auf bestes.com findest du Unternehmen und Anwendungen, die speziell für diese Zielgruppe entwickelt wurden.

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