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Von Redaktion

Alzheimer Bluttest: Neue Biomarker nähern sich der Praxisreife

Alzheimer 2025: p-tau217-Bluttest kurz vor Zulassung. Lecanemab EU-zugelassen. Was die neuen Früherkennungsmethoden für Betroffene bedeuten.

Alzheimer-Demenz sicher diagnostizieren, bevor Symptome auftreten – das war jahrzehntelang ein unerreichbares Ziel. Biopsien am lebenden Gehirn sind unmöglich, Liquorpunktionen unangenehm, PET-Scans teuer. Jetzt ändert sich das: Neue Bluttests können Alzheimer-spezifische Eiweiße (Amyloid, Tau) im Blut nachweisen – lange vor dem ersten Symptom [1]. 2025 nähern sich diese Tests der klinischen Zulassung. ## Alzheimer verstehen: Was im Gehirn passiert Alzheimer-Demenz entsteht durch die Ablagerung von Beta-Amyloid in Plaques und Tau-Protein in Tangles im Gehirn. Dieser Prozess beginnt vermutlich 15–20 Jahre, bevor Vergesslichkeit einsetzt. In der asymptomatischen Phase "reinigt" das Glymphsystem das Gehirn nachts – bei Alzheimer funktioniert dieser Mechanismus immer schlechter. In Deutschland leben rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Davon haben etwa 60–70% Alzheimer. Jährlich kommen etwa 300.000 Neuerkrankungen dazu [2]. Die Zahl wird aufgrund der Alterung der Gesellschaft stark steigen. ## Die neuen Blutbiomarker Vier Biomarker sind bei Alzheimer besonders bedeutsam: **Amyloid-β42/40-Ratio:** Niedriges Verhältnis weist auf Amyloid-Ablagerungen im Gehirn hin – auch bei symptomlosen Personen. **p-tau217 (phosphoryliertes Tau 217):** Hochspezifischer Marker für Alzheimer – kann zwischen Alzheimer und anderen Demenzen unterscheiden. Mehrere Studien zeigen Sensitivitäten von über 90% [1]. **p-tau181:** Ähnlich spezifisch, etwas früher im Verlauf erhöht. **GFAP (Gliales fibrilläres saures Protein):** Zeigt neuronale Schäden an – weniger spezifisch für Alzheimer, aber hilfreich in der Gesamtbeurteilung. Ein amerikanisches Diagnostik-Unternehmen (Lilly/Fujirebio) hat 2024 in den USA eine Clearance für den ersten p-tau217-Bluttest im Labor-Setting erhalten. In der EU läuft der Zulassungsprozess [1]. ## Alzheimer-Therapie 2025: Erstmals kausal behandeln Der Bluttest allein wäre ein bescheidener Fortschritt, wenn es keine Therapie gäbe. Doch 2023/2024 wurden zwei Antikörper zugelassen, die Amyloid aus dem Gehirn entfernen: **Lecanemab (Leqembi, Eisai/Biogen):** Verlangsamt den kognitiven Abbau in frühen Alzheimer-Stadien um 27% im Vergleich zu Placebo. EU-Zulassung im September 2024. **Donanemab (Kisunla, Eli Lilly):** Ähnliche Wirksamkeit, wird Anfang 2025 in der EU geprüft. Beide Therapien haben Nebenwirkungen (Hirnschwellung und Mikroblutungen bei einem Teil der Patienten) und wirken nur in frühen Stadien. Deshalb ist Früherkennung jetzt klinisch relevant: Ein positiver Bluttest könnte den Weg zu Lecanemab öffnen [1]. ## Was das für Hochrisikogruppen bedeutet APOE-ε4-Träger haben ein deutlich erhöhtes Alzheimer-Risiko: Heterozygot dreifach erhöht, homozygot neunfach erhöht. Gentests auf APOE sind technisch möglich, aber ohne verfügbare Therapie ethisch umstritten – Wissen ohne Handlungsmöglichkeit kann Angst erzeugen. Mit dem Bluttest und neuen Therapien ändert sich diese Abwägung. Wer sich in einem Risikostadium befindet, könnte von früher Behandlung profitieren. Die DGN (Deutsche Gesellschaft für Neurologie) entwickelt Empfehlungen für die Praxis, wann ein Alzheimer-Bluttest sinnvoll ist und wie Befunde kommuniziert werden sollten. Für die Primärprävention gilt: Bildung, soziale Aktivität, Bewegung, Blutdruckkontrolle und ein aktives Geistesleben schützen nachweislich. Etwa 40% der weltweiten Alzheimer-Fälle sind auf beeinflussbare Risikofaktoren zurückzuführen (Lancet-Kommission 2024). ## Alzheimer-Prävention: Was wirklich hilft Da eine Heilung noch nicht existiert, ist Prävention die wirksamste Strategie. Die Lancet-Kommission 2024 identifizierte 14 modifizierbare Risikofaktoren, die zusammen 45% der Alzheimer-Fälle erklären könnten: **Ab dem Kindesalter:** Bildung – höhere Schulbildung schützt durch kognitive Reserve. Je mehr neuronale Verknüpfungen aufgebaut werden, desto länger kann das Gehirn Schäden kompensieren. **Im mittleren Erwachsenenalter:** Hörgerät bei Schwerhörigkeit (unkontrollierte Schwerhörigkeit verdoppelt Demenzrisiko), Bluthochdruck behandeln, Übergewicht reduzieren, Alkohol minimieren, Traumata vermeiden. **Ab 60:** Rauchen aufhören, Depressionen behandeln, sozial aktiv bleiben, körperlich aktiv bleiben, Schlafqualität verbessern, Luftverschmutzung meiden, Diabetes behandeln, Cholesterin kontrollieren. Besonders stark belegt: Körperliche Aktivität (5× 30 Min./Woche moderater Sport) reduziert das Demenzrisiko um bis zu 35%. Das Gehirn profitiert durch BDNF (Brain-Derived Neurotrophic Factor), der durch Ausdauersport ausgeschüttet wird und Neuronenwachstum fördert. Soziale Kontakte und intellektuelle Herausforderungen (neue Sprache lernen, Musik spielen, Gesellschaftsspiele) stärken die kognitive Reserve nachweislich. Was noch nicht ausreichend untersucht ist: Schlafqualität und Alzheimer-Risiko rücken zunehmend in den Fokus der Forschung. Im Schlaf reinigt das Gehirn sich selbst über das glymphatische System – und spült dabei Amyloid-Plaques und Tau-Proteine aus, die bei Alzheimer eine zentrale Rolle spielen. Chronischer Schlafmangel erhöht die Amyloid-Ablagerungen messbar. Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf) ist ein besonders relevanter Risikofaktor: Unbehandelte Schlafapnoe verdoppelt das Demenzrisiko. Eine CPAP-Therapie kann das Risiko wieder auf Normalmaß senken – ein konkreter und machbarer Ansatzpunkt für viele Betroffene. Wer schnarcht oder morgens erschöpft aufwacht, sollte einen Schlafmediziner aufsuchen. Polysomnographie (Schlaflabor) oder vereinfachte Heimdiagnostik können eine Schlafapnoe sicher diagnostizieren – eine der wenigen direkten Alzheimer-Präventionsmaßnahmen mit klarer Evidenz. ## Häufige Fragen **Ist der Bluttest schon in deutschen Praxen verfügbar?** In Forschungs- und Speziallabors ja, als Routinetest noch nicht. Die EU-Zulassung steht noch aus. **Was bedeutet ein positiver Bluttest?** Erhöhte Biomarker bedeuten erhöhtes Risiko – keine sichere Diagnose. Ein positiver Test sollte immer durch Spezialisten bewertet werden. **Hilft Lecanemab bei allen Demenzformen?** Nein. Nur bei Alzheimer mit nachgewiesener Amyloid-Pathologie in frühen Stadien (leichte kognitive Beeinträchtigung oder frühe Demenz). Finde Gedächtniszentren und Neurologen auf [bestes.com/services/alzheimer](https://bestes.com/services/alzheimer) und [bestes.com/services/demenz](https://bestes.com/services/demenz). --- **Quellen:** [1] Hansson O et al. "Blood biomarkers for Alzheimer's disease." Science. 2024. doi:10.1126/science.adl4779 [2] Deutsche Alzheimer Gesellschaft. "Die Häufigkeit von Demenzerkrankungen." Informationsblatt 1. 2024. https://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/Alz/pdf/factsheets/infoblatt1_haeufigkeit_demenzerkrankungen_dalzg.pdf [3] EMA. Lecanemab (Leqembi): Summary of Opinion. September 2024. https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/leqembi

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