Ketogene Diät gegen Krebs, Heilfasten während der Chemotherapie, Saft-Kuren nach Breuß – viele Krebspatientinnen und -patienten greifen zu alternativen Ernährungskonzepten, oft aus Hoffnung, oft aus Verzweiflung. Eine aktualisierte S3-Leitlinie zur klinischen Ernährung in der Onkologie, veröffentlicht im Februar 2026 von der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) gemeinsam mit der Deutschen Krebsgesellschaft und 43 weiteren Fachorganisationen, stellt nun klar: Diese Konzepte helfen nicht – und können sogar schaden [1].

Was die Leitlinie explizit ablehnt

Die Leitliniengruppe rät von strikten Diätvorschriften während und nach einer Krebsbehandlung ab. Konkret abgelehnt werden [1]:

Ketogene Diäten: Die Theorie, Tumorzellen würden ausgehungert, wenn man auf Kohlenhydrate verzichtet, ist wissenschaftlich nicht belegt. Krebszellen können Energie auch aus anderen Quellen beziehen. Gleichzeitig besteht bei der Ketodiät das Risiko von Mangelernährung und Gewichtsverlust – ein ernstes Problem in der Onkologie.
Fasten und Heilfasten: Auch hier fehlt die Evidenz. Gewichtsverlust durch Fasten kann eine Krebskachexie beschleunigen – eine krankhafte Auszehrung, die die Prognose erheblich verschlechtert.
Krebsdiät nach Breuß und Budwig: Diese populären Konzepte aus der Alternativmedizin haben keine wissenschaftliche Grundlage und können durch einseitige Ernährung zu Mangelernährung führen [1].
Vegane und vegetarische Ernährung: Nicht grundsätzlich abgelehnt, aber die Leitlinie betont: Sie erfordert bei Krebspatienten sorgfältige Planung, um Protein- und Mikronährstoffmangel zu vermeiden.

Was tatsächlich hilft: Ausgewogene Kost und ausreichend Protein

Was die evidenzbasierte Onkologie empfiehlt, ist weniger spektakulär, aber wirksam [1]: Mangelernährung frühzeitig erkennen und behandeln, ausreichend Protein zuführen (mindestens 1,2–1,5 g pro kg Körpergewicht täglich), Gewichtsverlust aktiv entgegenwirken und bei Bedarf klinische Ernährungstherapie – von oraler Supplementierung bis hin zur enteralen oder parenteralen Ernährung – einzusetzen.

Bewegung spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle. Muskelaufbautraining und Ausdauertraining – angepasst an den Zustand der Patientinnen und Patienten – verbessern nachweislich Lebensqualität und können Therapieverträglichkeit erhöhen [1]. Onkologische Rehabilitationsprogramme integrieren diese Empfehlungen zunehmend.

Nahrungsergänzungsmittel: Mit Vorsicht

Die Leitlinie geht auch auf Nahrungsergänzungsmittel ein. Hochdosierte Antioxidantien (Vitamin C, E, Beta-Carotin) werden während einer Chemo- oder Strahlentherapie abgelehnt, da sie die Wirksamkeit der Behandlung beeinträchtigen können [1]. Vitamin D kann in Mangelsituationen ergänzt werden – aber auch hier nur nach ärztlicher Rücksprache und Labordiagnostik, nicht prophylaktisch in Megadosen.

Was Krebspatienten jetzt tun können

Wer an Krebs erkrankt ist und Fragen zur Ernährung hat, sollte das Gespräch mit dem behandelnden Onkologen oder einer zertifizierten Ernährungsberatung suchen. Digitale Unterstützung – etwa über Apps, die Ernährungsprotokolle führen oder Symptome dokumentieren – kann helfen, Ernährungsprobleme frühzeitig zu erkennen. Auf der Bestes-Datenbank finden sich digitale Begleitprogramme für Krebspatienten, darunter auch Angebote wie Sidekick Health.

Häufige Fragen zu Ernährung bei Krebs

Darf ich während der Chemotherapie fasten?
Laut der S3-Leitlinie 2026 ist Fasten während einer Krebsbehandlung nicht empfehlenswert. Gewichtsverlust und Mangelernährung können den Therapieerfolg gefährden und das Risiko von Komplikationen erhöhen.

Hilft eine ketogene Diät gegen Krebs?
Nein. Die wissenschaftliche Evidenz fehlt, und die Ketodiät birgt das Risiko von Mangelernährung. Die Leitlinie rät explizit davon ab. Stattdessen wird eine ausgewogene, proteinreiche Ernährung empfohlen.