Von Redaktion

67,2 Prozent arbeiten zwei Jahre nach Krebsrehabilitation

Eine neue RKI-Auswertung zeigt: 67,2 Prozent arbeiteten zwei Jahre nach Krebsrehabilitation wieder. Einkommen vor der Reha spielte eine Rolle.

67,2 Prozent der zuvor erwerbstätigen Menschen mit Krebs waren zwei Jahre nach einer onkologischen Rehabilitation wieder beschäftigt. Das zeigt eine neue Auswertung des Robert Koch-Instituts mit Daten der Deutschen Rentenversicherung. Die Quote beschreibt Arbeit mit mindestens der Hälfte der üblichen Wochenarbeitszeit. Sie ist kein Maß für eine vollständige gesundheitliche Erholung.

Für viele Betroffene beginnt nach Operation, Bestrahlung oder Medikamentenbehandlung ein weiterer Abschnitt: der Weg zurück in den Alltag und in den Beruf. Die neue Auswertung macht sichtbar, dass dieser Weg sehr unterschiedlich verläuft. Besonders deutlich sind Unterschiede beim Einkommen vor der Rehabilitation.

Wen die neue Auswertung erfasst

Das Scientific Use File der Deutschen Rentenversicherung umfasst Daten aus den Jahren 2014 bis 2021. Für die vorliegende Analyse betrachtete das Robert Koch-Institut Rehabilitationsfälle aus den Jahren 2014 bis 2020. So konnte für jeden Fall der 24-Monats-Zeitraum nach der Rehabilitation erfasst werden. In die konkrete Analyse gingen 64.080 Menschen zwischen 18 und 65 Jahren mit gesicherter Krebsdiagnose ein. Sie waren vor der Rehabilitation mindestens zur Hälfte ihrer üblichen Arbeitszeit beschäftigt.

Die Forschenden betrachteten Bildung, berufliche Qualifikation und Einkommen vor der Rehabilitation. Als erfolgreiche Rückkehr in Arbeit galt, wer 24 Monate nach Ende der Rehabilitation mindestens die Hälfte der üblichen Wochenarbeitszeit beschäftigt war. Diese Definition ist wichtig: Die Zahl sagt nichts darüber aus, ob jemand in den früheren Beruf zurückkehrt, in Vollzeit arbeitet oder sich im Job wieder vollständig belastbar fühlt.

Die Studie ist eine retrospektive Kohortenanalyse mit Routinedaten. Sie kann Unterschiede zwischen Gruppen beschreiben und statistisch berücksichtigen, etwa für Alter und Wohnregion. Sie kann jedoch nicht beweisen, dass ein geringes Einkommen allein die Ursache für eine spätere oder fehlende Rückkehr in Arbeit ist.

Frauen lagen in der Auswertung vor Männern

Zwei Jahre nach der Rehabilitation waren 70,0 Prozent der Frauen und 63,4 Prozent der Männer beschäftigt. Über alle untersuchten Krebsarten hinweg lag der nicht altersstandardisierte Anteil bei 67,2 Prozent. Das entspricht 43.015 Personen in der Analyse. Die Zahlen gelten für die Gruppe, die vor Beginn der Rehabilitation bereits erwerbstätig war. Sie lassen sich deshalb nicht auf alle Menschen mit einer Krebsdiagnose übertragen.

Auch die Krebsart spielte eine Rolle. Altersstandardisiert lagen die Rückkehrquoten nach Melanomen, bei Frauen nach Brustkrebs und bei Männern nach Krebserkrankungen der Geschlechtsorgane höher. Niedrigere Werte zeigten sich unter anderem bei Krebs der Speiseröhre oder des Magens. Solche Unterschiede können viele Gründe haben, etwa Verlauf und Behandlung einer Erkrankung, Alter oder die Anforderungen des jeweiligen Berufs. Die vorliegende Beobachtungsstudie trennt diese Einflüsse nicht vollständig voneinander.

Eine zweite, kleinere Studie aus deutschen Rehabilitationskliniken zeigt ebenfalls, wie unterschiedlich die Rückkehr verlaufen kann. In einer Kohorte mit 172 zuvor erwerbstätigen Menschen nach Darmkrebs arbeiteten nach neun Monaten 70,3 Prozent wieder. Diese Zahl hat einen anderen Zeitraum und eine andere Patientengruppe als die RKI-Auswertung. Sie ist daher keine Bestätigung derselben Quote, sondern ein Hinweis darauf, dass Ergebnisse immer vom Beobachtungszeitpunkt und der untersuchten Gruppe abhängen.

Einkommen war der stärkste soziale Unterschied

In der RKI-Analyse kehrten Menschen mit niedrigem Einkommen vor der Rehabilitation seltener in Arbeit zurück als Menschen mit höherem Einkommen. Dieser Zusammenhang blieb bestehen, nachdem die Forschenden Alter und Wohnregion sowie Bildung und berufliche Qualifikation mitberücksichtigt hatten. Das Einkommen war dabei der stärkste der drei untersuchten sozialen Faktoren.

Die Studie beschreibt damit eine soziale Ungleichheit, aber keine persönliche Prognose. Aus den Daten lässt sich nicht ableiten, wie eine einzelne Person nach einer Krebsbehandlung in den Beruf zurückfindet. Ebenso wenig lässt sich daraus schließen, welche einzelne Unterstützung für wen wirkt. Die Autoren betonen, dass Menschen in sozial benachteiligten Lebenslagen von den finanziellen und sozialen Folgen einer ausbleibenden Rückkehr stärker betroffen sein können.

Für den Alltag bedeutet das: Die Frage nach Arbeit gehört früh in Gespräche über die Zeit nach der Behandlung. Sie betrifft nicht nur die Arbeitsfähigkeit. Auch Aufgaben im Beruf, Arbeitszeit, finanzielle Sicherheit und die Kommunikation mit dem Arbeitgeber können eine Rolle spielen. Wer nach einer Krebsbehandlung oder Rehabilitation wieder arbeiten möchte, kann diese Themen mit dem Behandlungsteam, dem Sozialdienst der Einrichtung oder einer Beratungsstelle besprechen.

Rückkehr ist mehr als eine Beschäftigungsquote

Eine Beschäftigungsquote macht sichtbar, wie viele Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder arbeiten. Sie erzählt aber nicht, ob die Rückkehr schrittweise erfolgte, ob die Arbeitsbedingungen angepasst wurden oder wie stabil die Beschäftigung bleibt. Gerade deshalb ist die präzise Definition der RKI-Studie hilfreich: Gezählt wurde eine Beschäftigung von mindestens der Hälfte der üblichen Wochenarbeitszeit nach 24 Monaten.

Die neuen Daten setzen einen bundesweiten Bezugspunkt. Sie zeigen zugleich, dass Rückkehr in Arbeit nach Krebsrehabilitation keine einheitliche Erfahrung ist. Für Betroffene und ihr Umfeld kann es entlastend sein, den Beruf nicht als Test einer vollständigen Genesung zu betrachten. Entscheidend sind die eigene Situation, die medizinische Einschätzung und eine Planung, die genug Raum für Anpassungen lässt.

Was Betroffene aus den Zahlen mitnehmen können

Die RKI-Zahl von 67,2 Prozent beschreibt eine große Gruppe, nicht den weiteren Weg eines einzelnen Menschen. Sie kann Orientierung geben, aber keinen Zeitplan ersetzen. Wer vor einer Rückkehr Fragen zu Belastung, Arbeitszeit oder Unterstützung hat, sollte sie früh ansprechen und gemeinsam klären. Der Beruf kann nach einer Krebsbehandlung wieder ein Teil des Alltags werden. Wie und wann das gelingt, bleibt individuell.

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