Am 1. April 2026 ist das deutsche Konsumcannabisgesetz genau zwei Jahre alt. Pünktlich zum Jahrestag hat das Bundesinnenministerium den zweiten gesetzlich vorgeschriebenen Zwischenbericht der Forschergruppe EKOCAN veröffentlicht – eine umfassende Evaluation der Auswirkungen der Teillegalisierung auf Konsum, Gesundheit und Kriminalität [1]. Das Fazit ist vorsichtig: Die schlimmsten Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet, die erhofften Effekte beim Schwarzmarkt aber auch nicht.
Jugendkonsum: Stabil oder leicht rückläufig
Eines der zentralen Versprechen der Legalisierung war der verbesserte Jugendschutz: Durch geregelte Abgabewege sollte Cannabis für Minderjährige schwerer zugänglich werden. Die EKOCAN-Daten zeigen, dass der Konsum unter 12- bis 17-Jährigen seit April 2024 nicht gestiegen ist – im Gegenteil setzte sich ein leichter Abwärtstrend fort [1]. Das ist insofern bemerkenswert, weil Kritiker einen deutlichen Anstieg prognostiziert hatten.
Bei Erwachsenen blieb der Gesamtkonsum ebenfalls weitgehend stabil. Laut den Auswertungen konsumierten 2024 knapp fünf Millionen Erwachsene in Deutschland Cannabis – ähnlich viele wie im Jahr davor. Die häufigste Konsumform sind Joints, oft mit Tabak gemischt (68 Prozent der Konsumenten) [1].
Kriminalität: Straftaten eingebrochen
Der deutlichste messbare Effekt liegt im Bereich der Kriminalitätsstatistik. Laut EKOCAN-Auswertung sind cannabisbezogene Straftaten im Hellfeld seit der Legalisierung um 60 bis 80 Prozent zurückgegangen [1]. Polizei und Staatsanwaltschaft werden erheblich entlastet: Weniger Durchsuchungen, weniger Ermittlungsverfahren, weniger Verurteilungen für Besitz kleiner Mengen.
Gleichzeitig zeigen die Daten aber, dass der illegale Schwarzmarkt weiter eine dominierende Rolle spielt. Der legale Anbau über Anbauvereinigungen ("Cannabis Social Clubs") deckt bisher einen kleinen Teil des Bedarfs ab. Selbstanbau nimmt zu: Im zweiten Halbjahr 2025 gaben bereits 21 Prozent der Befragten an, Cannabis hauptsächlich selbst anzubauen – im ersten Halbjahr 2024 waren es nur 5 Prozent [1].
Gesundheit: Kaum neue Erkenntnisse
Auf Gesundheitsebene kann die Forschergruppe nach zwei Jahren noch keine abschließenden Aussagen machen. Kinder- und Jugendpsychiater haben in einer gemeinsamen Stellungnahme davor gewarnt, dass vorläufige Daten keine Entwarnung erlauben – vor allem mit Blick auf die psychotischen Störungen, die durch frühen und intensiven Cannabiskonsum ausgelöst werden können [2]. Der abschließende EKOCAN-Bericht ist für April 2028 geplant.
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Quellen:
[1] Bundesministerium des Innern. "Zweite Evaluation zur Cannabis-Teillegalisierung." April 2026. https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2026/04/cannabis.html
[2] Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie. "Gemeinsame Stellungnahme zur Evaluation des Konsumcannabisgesetzes." 2026. https://www.dgkjp.de/evaluation-des-konsumcannabisgesetzes/
