Wie geht es Ihnen heute? Wie stark schmerzt die Wunde? Wie erschöpft fühlen Sie sich nach der Chemotherapie? Solche Fragen landen nach Krankenhausaufenthalten oft im Leeren – zwischen Entlassung und nächstem Termin weiß das medizinische Team wenig über den tatsächlichen Alltag der Patienten. Ein Pilotprojekt am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) hat nun gezeigt, dass digitale Fragebögen auf dem eigenen Smartphone diese Lücke schließen können – und dabei erstaunlich gut angenommen werden.[1]

Was sind Patient-Reported Outcomes?

Hinter dem Fachbegriff „Patient-Reported Outcome Measures“ – kurz PROMs – steckt eine einfache Idee: Nicht der Arzt, sondern der Patient selbst berichtet, wie es ihm geht. Das klingt selbstverständlich, ist in der deutschen Regelversorgung aber noch die Ausnahme. Klassische Messungen – Blutdruck, Laborwerte, Bildgebung – erfassen den Körper von außen. PROMs erfassen, wie jemand seinen Zustand erlebt: Schmerz, Erschöpfung, Lebensqualität, Stimmung. Beides zusammen ergibt ein vollständigeres Bild.

Gerade bei chronischen Erkrankungen oder nach Operationen ist dieser subjektive Blickwinkel entscheidend. Ob ein Patient nach einem Eingriff wirklich belastbar ist, zeigt sich im Alltag – nicht im Wartezimmer. Digitale Befragungen, die Patienten täglich oder wöchentlich auf dem Smartphone beantworten, können diesen Alltag sichtbar machen. Und die Antworten können direkt in die elektronische Patientenakte fließen.

Was das Heidelberger Pilotprojekt zeigt

Das Team um Prof. Martin Dugas, Leiter des Instituts für Medizinische Informatik am UKHD, hat genau das erprobt. Patientinnen und Patienten aus vier Kliniken – Innere Medizin und Psychosomatik, Hämatologie und Onkologie, Viszeral- und Transplantationschirurgie sowie Neurochirurgie – erhielten regelmäßig kurze digitale Fragebögen. Die Fragen gingen an das eigene Gerät, die Antworten landeten direkt in der Akte.[1]

Von 184 angesprochenen Patienten nahmen 110 teil – das entspricht einer Quote von 60 Prozent. Wer mitmachte, antwortete im Schnitt innerhalb von weniger als acht Stunden nach dem Versand der E-Mail.[1] Das spricht gegen das Vorurteil, ältere oder kranke Menschen seien mit digitalen Tools überfordert. Die Daten kamen vollständig und regelmäßig – täglich oder wöchentlich, je nach Erkrankungsbild, über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen bis maximal drei Monaten.

Besonders aufschlussreich waren die Ergebnisse aus der Psychosomatik. Bei 36 Patienten, die wegen psychischer Erkrankungen behandelt wurden, stieg die gemessene gesundheitsbezogene Lebensqualität nach vier Wochen Therapie von 42 auf 60 Prozent.[1] Das klinische Personal bewertete die direkte Übertragung in die Patientenakte als hilfreich – besonders bei der Schmerzsteuerung. Die Studie erschien im April 2026 im Journal of Medical Internet Research (DOI: 10.2196/79834).

G-BA investiert 4,3 Millionen Euro in digitale Befragungen bei Prostatakrebs

Parallel zur Heidelberger Studie hat der Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) – das höchste Gremium der deutschen Selbstverwaltung im Gesundheitswesen – eine neue Multicenter-Studie mit 4,3 Millionen Euro gefördert.[2] Die Studie trägt den Namen „BE-PRO“ und wird von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und dem dortigen Universitätsklinikum geleitet.

Ziel ist es herauszufinden, ob digitale Befragungen zur Patientenselbsteinschätzung – sogenannte elektronische PROMs – die Behandlungsergebnisse bei lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs verbessern. An der Studie beteiligen sich 14 klinische Standorte bundesweit sowie Krankenkassen wie AOK, TK, DAK und IKK.[2] Patienten erhalten über eine App oder einen Webbrowser regelmäßige Kurzfragebögen zu Symptomen, Funktionsfähigkeit und Lebensqualität – und diese Rückmeldungen fließen aktiv in die Therapieplanung ein. Eine Kontrollgruppe ohne das Instrument macht die Studie vergleichbar.

Auf bestes.com sind Gesundheits-Apps für Krebsbetroffene gelistet – von Symptom-Trackern bis hin zu psychoonkologischen Begleit-Apps.

Warum der Standard in Deutschland noch fehlt

Beide Projekte stehen vor einem ähnlichen Problem: Einzelinitiativen mit hoher Qualität, aber kein nationaler Standard. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat in einer Machbarkeitsstudie zusammen mit der Charité Berlin (Projekt „DigiPROM“) festgestellt, dass PROMs in Deutschland bislang fragmentiert und unkoordiniert eingesetzt werden.[3] Systematische Datenerhebung, klare Qualitätsanforderungen und Schnittstellen zu elektronischen Patientenakten fehlen flächendeckend.

Die Bertelsmann-Stiftung kommt in einer eigenen Analyse zu einem ähnlichen Befund: Im internationalen Vergleich sind England, Dänemark und Schweden deutlich weiter. Diese Länder nutzen PROMs seit Jahren systematisch für Qualitätsmessungen im Gesundheitswesen – Deutschland holt erst auf.[4] Der OECD-Report „PROMoting quality of care through PROMs“ (2025) nennt patientenberichtete Daten ausdrücklich als Schlüsselinstrument für eine wirkungsorientierte Gesundheitsversorgung.

Was das für App-Nutzer und Patienten bedeutet

Die Studien zeigen: Das Erfassen des eigenen Gesundheitszustands ist nicht nur klinisch wertvoll, sondern macht einen Unterschied für die Behandlung. Was im Krankenhaus als Forschungsinstrument erprobt wird, können Nutzer digitaler Gesundheits-Apps im Alltag selbst tun. Symptom-Tracker, Stimmungs-Apps und Befindlichkeits-Fragebögen erfassen ähnliche Daten – bislang nur selten mit direkter Rückkopplung ins Gesundheitssystem.

Die Frage, welche Apps das am besten umsetzen, lässt sich auf bestes.com recherchieren. Das Portal listet über 1.300 Gesundheits-Apps und -Services – von DiGA mit Kassenzulassung bis hin zu Selbsthilfe-Apps. Nutzer können dort vergleichen, welche Apps ein strukturiertes Symptom-Tracking anbieten und für welche Erkrankungen sie geeignet sind.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einer DiGA und einem PRO-Tool?

Eine DiGA (Digitale Gesundheitsanwendung) ist eine vom BfArM zugelassene App mit nachgewiesenem medizinischen Nutzen – auf Rezept verschreibbar und von der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet. Ein PRO-Tool ist ein Befragungsinstrument zur Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands – es kann in einer DiGA enthalten sein, muss es aber nicht.

Kann ich als Patient verlangen, dass mein Arzt digitale Fragebögen einsetzt?

Derzeit gibt es keinen gesetzlichen Anspruch auf PROMs in der Routineversorgung. Studien wie das Heidelberger Pilotprojekt und die BE-PRO-Studie sollen die Evidenzgrundlage schaffen, auf der künftige Versorgungsstandards beruhen können. Wer jetzt schon seinen Gesundheitszustand strukturiert erfassen möchte, findet auf bestes.com geeignete Apps für verschiedene Erkrankungsfelder.


Quellen:
[1] Dugas M et al. „Quality of Life Trajectories With Integration Into Electronic Health Records for High-Resolution Patient Outcomes: Algorithm Development and Validation Study.“ Journal of Medical Internet Research. 2026;28:e79834. doi:10.2196/79834. Berichterstattung: https://www.deutschesgesundheitsportal.de/2026/04/09/digitale-erfassung-des-gesundheitlichen-befindens/
[2] G-BA Innovationsausschuss / HHU Düsseldorf. „BE-PRO – Benefit of a Patient Reported Outcome Measures optimized treatment with locally advanced prostate cancer.“ Pressemitteilung, April 2026. https://www.deutschesgesundheitsportal.de/2026/04/02/g-ba-foerdert-studie-mit-43-millionen-euro-einsatz-von-elektronischen-proms-bei-behandlung-des-prostatakarzinoms/
[3] Bundesministerium für Gesundheit / Charité Berlin. „DigiPROM – Machbarkeitsstudie indikationsübergreifendes Patient Reported Outcome Measurement.“ https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/publikationen/details/machbarkeitsstudie-indikationsuebergreifendes-patient-reported-outcome-measurement
[4] Bertelsmann Stiftung. „Patient-Reported Outcome Measures (PROMs): ein internationaler Vergleich.“ https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/user_upload/BSt_PROMs-Implementierung_final.pdf