dgk.org
March 30, 2026
Am 18. Maerz 2026 erschien im New England Journal of Medicine eine Studie, die eine weit verbreitete Behandlungspraxis neu bewertet: Der kathetergestuetzte Vorhofohrverschluss bietet Hochrisikopatienten keinen messbaren Vorteil gegenueber einer optimierten medikamentoesen Therapie. Im Gegenteil - schwerwiegende Ereignisse wie Schlaganfaelle, schwere Blutungen und kardiovaskulaere Todesfaelle traten in der Interventionsgruppe haeufiger auf als in der Vergleichsgruppe [1].
Die CLOSURE-AF-DZHK16-Studie des Deutschen Zentrums fuer Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) untersuchte 912 Patientinnen und Patienten an 42 spezialisierten Zentren. Alle hatten gleichzeitig ein erhoehtes Schlaganfallrisiko und ein erhoehtes Blutungsrisiko - genau die Gruppe, fuer die der Eingriff bisher besonders empfohlen wurde [1].
Vorhofflimmern ist die haeufigste anhaltende Herzrhythmumstoerung. In Deutschland sind rund 1,8 bis 2 Millionen Menschen betroffen. Mit steigendem Alter waechst die Haeufigkeit deutlich: Ab 80 Jahren hat etwa jeder Achte Vorhofflimmern [2].
Beim Vorhofflimmern ziehen sich die Vorhoefe des Herzens nicht mehr koordiniert zusammen - sie flimmern chaotisch. Blut kann sich im linken Vorhofohr stauen und gerinnen. Loest sich ein Gerinnsel, kann es einen Schlaganfall ausloesen. Das Schlaganfallrisiko bei Vorhofflimmern ist bis zu fuenfmal hoeher als bei Menschen ohne die Erkrankung [2].
Der Vorhofohrverschluss (LAAC) ist ein minimalinvasiver Herzkatheter-Eingriff. Ein kleines Schirmchen verschliesst das linke Vorhofohr - die Hauptquelle fuer Blutgerinnsel bei Vorhofflimmern. Bisher wurde er besonders bei Patienten eingesetzt, die Antikoagulanzien nicht vertragen.
912 Patienten wurden zufaellig auf zwei Gruppen aufgeteilt: Vorhofohrverschluss oder beste medikamentoese Therapie (meist NOAK). Das Ergebnis: kein statistisch signifikanter Unterschied - und eine Tendenz zugunsten der medikamentoes behandelten Gruppe [1]. Die Studienleitung empfiehlt individuelle Therapieentscheidung statt pauschaler Empfehlung fuer den Eingriff.
Die aktualisierte AWMF-S3-Leitlinie Vorhofflimmern (Version 2025, gueltig bis 2030) empfiehlt fuer juengere Patienten mit symptomatischem Vorhofflimmern ohne relevante Begleiterkrankungen die Katheterablation als Erstlinienbehandlung - nicht erst nach Versagen der medikamentoesen Therapie [3]. Je frueher die Ablation, desto effektiver.
Ab einem CHA2DS2-VA-Score von 2 wird eine orale Antikoagulation empfohlen, vorzugsweise mit einem NOAK (Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban, Dabigatran). NOAKs haben gegenueber Phenprocoumon den Vorteil: kein regelmaessiges Monitoring noetig und konsistent niedrigeres Risiko fuer Hirnblutungen [3].
Bluthochdruck ist der staerkste modifizierbare Risikofaktor - Zielwert unter 130/80 mmHg. Uebergewicht erhoeht das Risiko erheblich; Gewichtsreduktion kann die Rueckfallrate nach Ablation nahezu halbieren. Alkohol ist ein eigenstaendiger Trigger. Schlafapnoe verdoppelt das Risiko - bei Verdacht Schlaflaboruntersuchung.
[1] Landmesser U et al.: Left Atrial Appendage Closure or Medical Therapy in Atrial Fibrillation. NEJM, 18. Maerz 2026. dzhk.de
[2] Deutsche Herzstiftung: S3-Leitlinie Vorhofflimmern. herzstiftung.de
[3] DGK: Pocket-Leitlinie AWMF-S3 Vorhofflimmern 2025. leitlinien.dgk.org
Unternehmensliste wird hier als Collection List eingefügt