Vitamin-B12-Mangel: Wer gefährdet ist und warum der Test sich lohnt
Vitamin B12 ist für das Nervensystem, die Blutbildung und das Gehirn unverzichtbar. Ein Mangel entwickelt sich schleichend über Monate oder Jahre – und kann ernsthafte Folgen haben: Von Kribbeln in den Händen über Konzentrationsprobleme bis hin zu irreversiblen Nervenschäden. Eine aktuelle Analyse des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) schätzt, dass rund 8 Prozent der deutschen Bevölkerung einen Vitamin-B12-Mangel haben – mit deutlichen Unterschieden je nach Altersgruppe [1].
## Warum fehlt so vielen Vitamin B12?
Vitamin B12 kommt fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor: Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte. Wer sich vegan ernährt, riskiert ohne Supplementierung einen Mangel – das ist in der Fachöffentlichkeit unumstritten. Vegane Erwachsene sollten täglich mindestens 250 Mikrogramm B12 als Supplement einnehmen.
Eine zweite wichtige Risikogruppe: Ältere Menschen ab 65 Jahren. Mit dem Alter nimmt die Produktion von "Intrinsic Factor" im Magen ab – einem Protein, das für die B12-Aufnahme aus der Nahrung unverzichtbar ist. Wenn zu wenig Intrinsic Factor vorhanden ist, kann B12 nicht aus dem Dünndarm ins Blut gelangen, egal wie viel man isst. Diese Störung heißt perniziöse Anämie und ist die häufigste Ursache eines B12-Mangels beim älteren Menschen.
Eine dritte Risikogruppe: Menschen, die Metformin einnehmen – das am häufigsten verschriebene Diabetes-Medikament. Metformin hemmt die B12-Aufnahme im Darm. Laut einer Metaanalyse aus dem BMJ (2019) hatten rund 22 Prozent der Metformin-Nutzer einen erniedrigten B12-Spiegel [2]. Die meisten Ärzte messen den Spiegel bei Metformin-Patienten nicht routinemäßig – obwohl es sinnvoll wäre.
## Symptome: oft fälschlich auf Alter oder Stress geschoben
B12-Mangel-Symptome sind unspezifisch und damit tückisch. Häufig: extreme Erschöpfung und Schwäche, Kribbeln oder Taubheit in Händen und Füßen (Polyneuropathie), Gedächtnisprobleme und Konzentrationsschwäche, Stimmungsveränderungen bis hin zu Depressionen, blasse Haut, rote wunde Zunge und Mundwinkeleinrisse.
Besonders brisant: Neurologische Schäden durch B12-Mangel können sich zurückbilden – aber nur, wenn man rechtzeitig behandelt. Bei langjährigem Mangel sind manche Nervenschäden permanent.
## Diagnose und Behandlung
Der Standard-Bluttest misst Gesamt-B12 im Serum. Ein Wert unter 200 pg/ml gilt als Mangel. Aussagekräftiger ist die Messung von Holotranscobalamin (aktives B12) und Methylmalonsäure – diese Marker zeigen einen funktionellen Mangel auch dann, wenn der Gesamt-B12-Wert noch im Normbereich liegt.
Behandlung: Bei leichtem Mangel reichen hochdosierte B12-Tabletten. Bei schwerer Resorptionsstörung (z.B. perniziöse Anämie) sind B12-Injektionen nötig, die der Arzt in regelmäßigen Abständen verabreicht. Die Kosten für die Spritze übernimmt die Krankenkasse, wenn eine medizinische Indikation vorliegt.
## Fazit: Messung lohnt sich
Vitamin B12 ist leicht zu messen und einfach zu behandeln. Wer zu einer Risikogruppe gehört – vegan lebt, älter als 65 ist oder Metformin nimmt – sollte seinen B12-Spiegel regelmäßig überprüfen lassen. Die Messung ist schnell, nicht invasiv und kann ernsthafte Langzeitfolgen verhindern.
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