Vitamin-B12-Mangel ist eine der häufigsten Nährstoffdefizienzen in Deutschland – und gleichzeitig eine der am meisten übersehenen. Betroffen sind nicht nur Veganer, sondern auch ältere Menschen, Patienten mit Magenerkrankungen und Menschen, die bestimmte Medikamente nehmen. Was ist gesichert, was nicht?
Wer wirklich gefährdet ist
Vitamin B12 kommt natürlicherweise fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor: Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte sind die Hauptquellen. Wer sich vegan ernährt, muss supplementieren – das ist die bekannteste Risikogruppe. Weniger bekannt: Menschen über 60 Jahre sind mindestens genauso gefährdet.
Die Ursache ist biologisch: Mit zunehmendem Alter nimmt die Produktion von Magensalzsäure und Intrinsic Factor (IF) ab. IF ist ein Protein, das im Magen gebildet wird und für die Aufnahme von B12 im Darm unbedingt notwendig ist. Ohne ausreichend Intrinsic Factor kann B12 aus der Nahrung nicht oder kaum aufgenommen werden – selbst bei normaler Zufuhr.
Weitere Risikogruppen: Patienten mit perniziöser Anämie (Autoimmunerkrankung gegen die IF-produzierenden Zellen), Menschen nach Magenoperationen oder mit Morbus Crohn, sowie Langzeitnutzer von Metformin (Diabetesmittel) und Protonenpumpeninhibitoren (PPI, säuredemmende Mittel).
Woran einen ein Mangel erkennt
B12-Mangel entwickelt sich langsam, oft über Monate bis Jahre, weil der Körper einen Vorrat in der Leber speichert. Erste Symptome sind oft unspezifisch: Müdigkeit, Schwindelgefühl, Konzentrationsprobleme, depressive Verstimmungen. Später können neurologische Symptome auftreten: Kribbeln in Händen und Füßen, Gangstörungen, in schweren Fällen kognitive Beeinträchtigung.
Ein normaler Bluttest misst den Gesamt-B12-Spiegel im Serum. Dieser ist aber kein perfekter Marker: Bis zu 35 Prozent der Patienten mit funktionellem B12-Mangel haben normale Gesamt-B12-Werte. Aussagekräftiger sind Holotranscobalamin (aktives B12) und Methylmalonsäure (MMA) im Urin oder Serum.
Wie behandelt wird
Bei Mangel durch IF-Defekt oder schwerer Resorptionsstörung sind parenterale B12-Injektionen (intramusölare Injektion) der Goldstandard. Sie umgehen die gestörte Darmaufnahme vollständig. Bei diätetisch bedingtem Mangel oder leichten Resorptionsdefiziten sind hochdosierte orale Präparate (1000–2000 µg/Tag) eine valide Alternative, da auch ohne IF geringe Mengen passiv aufgenommen werden können.
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Quellen
[1] Deutsches Ärzteblatt: „Ursachen und frühzeitige Diagnose des Vitamin-B12-Mangels“. Därzteblatt, 2008. https://www.aerzteblatt.de/archiv/61696/Ursachen-und-fruehzeitige-Diagnose-des-Vitamin-B12-Mangels
[2] Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): „Vitamin B12-Versorgung“. BfR. https://www.bfr.bund.de/cm/343/vitamin_b12_versorgung.pdf
