Wer Anfang 2026 in ausgewählten Kaufland-Filialen einkaufen geht, findet dort nicht nur Lebensmittel – sondern auch eine Arztsprechstunde. Der Lebensmittelhändler testet Telemedizin-Kabinen im Supermarkt: Kunden messen Basisvitalwerte und sprechen per Video mit einem Arzt. In Deutschland ist das eine Premiere im stationären Handel.

Hintergrund: Deutschland fehlen Haustärzte

Über 5.000 Hausarztsitze sind bundesweit unbesetzt. In ländlichen Regionen müssen Patientinnen und Patienten teils 40 Kilometer zum nächsten Hausarzt fahren. Fast die Hälfte der niedergelassenen Ärzte ist über 55 Jahre alt – die Nachfolgeproblematik wird sich in den kommenden Jahren verschärfen. Telemedizin gilt als ein Baustein, um die entstehenden Lücken teilweise zu schließen.

Wie die Kaufland-Kabinen funktionieren

Eine Kabine von zwei Quadratmetern steht direkt im Verkaufsraum. Nutzer messen selbst Blutdruck, Puls und Sauerstoffsättigung. Per gesicherter Videoverbindung schaltet sich ein approbierter Arzt zu. Einfache Anliegen – Erkältungssymptome, Folgerezepte, Krankschreibungen – können direkt abgewickelt werden. Wartezeit: in der Regel unter zehn Minuten.

Das Konzept richtet sich besonders an Berufstätige, die tagsfüber keine Zeit für einen Arzttermin haben, sowie an ältere Menschen, die schwer mobil sind. Die Daten werden DSGVO-konform verarbeitet.

Was Telemedizin kann – und was nicht

Gut geeignet: unkomplizierte Atemwegsinfekte, Hautausräsche ohne Untersuchungsbedarf, Folgerezepte für Dauermedikation, Krankschreibungen. Nicht geeignet: Erkrankungen, die körperliche Untersuchung erfordern (Abhören, Abtasten), akute Notfälle und Brustschmerzen. In diesen Fällen verweist das System auf den Notaruf oder die nächste Notaufnahme.

Internationaler Vergleich: Deutschland holt auf

In Schweden werden über 40 Prozent der haustärztlichen Erstkontakte digital abgewickelt. Grossbritannien hat mit NHS Video Consultation ein flächendeckendes System etabliert. Deutschland liegt im europäischen Vergleich zurück, holt aber auf: Die Zahl der Kassenzulassungen für Video-Sprechstunden stieg 2024 um 28 Prozent.

Telemedizin-Kabinen an Konsumstandorten gibt es in Japan und Südkorea bereits seit Jahren. Der Kaufland-Pilot ist in Europa einer der ersten Versuche, digitale Arztsprechstunden in die Alltagsinfrastruktur – jenseits von Arztpraxis und Krankenhaus – zu integrieren.

Was Nutzer beachten sollten

Video-Ärzte müssen in Deutschland approbiert sein und dürfen keine Erstdiagnosen für schwere Erkrankungen stellen. Die Abrechnung variiert: Einige Kassen übernehmen Kosten der Video-Sprechstunde über zugelassene Anbieter wie TeleClinic oder Doktor.de. Der Kaufland-Pilot arbeitet mit einem externen Telemedizin-Partner zusammen.

Quellen

  • CIO.de: Telemedizin im Supermarkt – zwischen Kasse und Käse. 2026. cio.de
  • Doctolib Digital Health Report 2026: Digitalisierung in der Primärversorgung. arzt-wirtschaft.de