DGG Leitlinie 2025

Sturzprophylaxe: Neue Leitlinie soll Stürze bei Senioren verhindern

March 16, 2026

Stürze sind einer der Hauptgründe für Krankenhaus-Einweisungen bei älteren Menschen. In Deutschland fallen etwa 800.000 Ältere pro Jahr und verletzen sich ernsthaft. Die meisten Stürze sind vermeidbar. ## Die Epidemiology Etwa jeder dritte Mensch über 65 Jahren fällt mindestens einmal pro Jahr. Bei Menschen über 80 ist es mehr als die Hälfte. Eine Hüftfraktur nach einem Sturz ist schwerwiegend: 20% der Patienten sterben innerhalb eines Jahres, 50% werden langfristig pflegebedürftig. ## Die Ursachen Stürze sind multifaktoriell. Die wichtigsten Risikofaktoren: 1. Muskelschwäche: Mit zunehmendem Alter verlieren Menschen Muskelmasse (Sarcopenie). Das führt zu Gleichgewichtsproblemen. 2. Medikamente: Besonders Sedativa und Antidepressiva erhöhen das Sturzrisiko. Auch blutdrucksenkende Medikamente (wenn zu aggressiv eingestellt) können zu Schwindel führen. 3. Vitamin D-Mangel: Vitamin D ist wichtig für Muskelkraft. Ein Mangel erhöht das Sturzrisiko um 70%. 4. Umgebungsfaktoren: Trübe Beleuchtung, Teppiche, lose Kabel, Badezimmer ohne Griffe. 5. Neurologische Erkrankungen: Parkinson, Neuropathie (z.B. diabetische Neuropathie), Schlaganfall-Folgen. ## Die neue Leitlinie: Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) 2025 Die DGG hat 2025 neue Leitlinien zur Sturzprophylaxe veröffentlicht. Hier die Highlights: 1. Umfassendes Risiko-Assessment: Jeder Patient über 65 sollte auf Sturzrisiko gescreent werden (z.B. mit dem Timed Up and Go Test). 2. Vitamin D-Supplementierung: Vitamin D3 1000 IU täglich (oder 2000 IU, wenn Serumspiegel < 20 ng/ml). Dies reduziert das Sturzrisiko um etwa 26%. 3. Körperliches Training: Regelmäßiges Kraft- und Gleichgewichtstraining reduziert Stürze um 20-50%. Mindestens 3x pro Woche, 30-60 Minuten. 4. Heimumgebung überprüfen: Gutes Licht, Handgriffe im Bad, Treppen-Markierung, Entfernung von Stolper-Fallstricken. 5. Medikamenten-Review: Regelmäßige Überprüfung, ob Medikamente notwendig sind. Reduktion von Sedativa, wenn möglich. 6. Sehkraft: Regelmäßige Augenuntersuchung. Schlecht sehende Menschen haben 3x höheres Sturzrisiko. 7. Fußgesundheit: Passende Schuhe mit guter Bodenhaftung. Regelmäßige Fußpflege (Pilze, Nägelprobleme). ## Spezifische Trainings-Programme Ottawa Home Safe ist ein bewährtes Programm: Eine Physiotherapeutin kommt nach Hause, beurteilt Risiken, und trainiert mit dem Patienten Kraft und Gleichgewicht. In Studien reduzierte dies Stürze um 25%. Tai Chi ist auch wirksam: Regelmäßiges Tai Chi (2x pro Woche, 1 Stunde) reduziert Stürze um etwa 20% und verbessert das psychologische Wohlbefinden. ## Medikamentöse Interventionen Bisphosphonate: Bei Osteoporose reduzieren Bisphosphonate das Fraktur-Risiko, aber nicht direkt das Sturzrisiko. Hift Protectors: Spezielle Schutzhosen mit eingebauten Polstern. Studien zeigen: Diese reduzieren die Fraktur-Rate bei Stürzen um etwa 50%. Allerdings ist die Compliance schlecht (Patienten finden sie unbequem). ## Fallbeispiel Ein 76-jähriger Mann fällt zu Hause und bricht sich die Hüfte. Nach der Operation fragt der Arzt, warum. Die Risikofaktoren: - Nimmt Amitriptylin (Antidepressivum) 25mg/Nacht - Vitamin D-Spiegel: 15 ng/ml (Mangel) - Sitzt den ganzen Tag (körperliche Inaktivität) - Schlecht beleuchtetes Badezimmer Maßnahmen: - Amitriptylin wird reduziert auf 10mg (niedrigere Sturzgefahr) - Vitamin D3 2000 IU täglich - Physiotherapie 2x pro Woche (Kraft und Gleichgewicht) - Badezimmer wird heller beleuchtet, Griffe installiert - Tai Chi-Kurs wird empfohlen Nach 6 Monaten: Der Patient fühlt sich sicherer, ist weniger depressiv, hat bessere Balance. ## Fazit: Stürze sind vermeidbar Viele Stürze bei älteren Menschen sind vermeidbar durch einfache Maßnahmen. Die neue Leitlinie gibt praktische Richtlinien für Prävention. Vitamin D, Kraft-Training und Umgebungs-Anpassung sind die Kernpunkte.
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