Deutschland hat erstmals eine evidenzbasierte S3-Leitlinie zur Stilldauer. Veröffentlicht am 20. Februar 2026 von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft gemeinsam mit weiteren Fachgesellschaften, beantwortet sie eine Frage, die viele werdende Mütter bewegt: Wie lange sollte man stillen? [1]

Die Antwort ist eindeutiger als die bisherigen Empfehlungen: Reifgeborene Kinder sollten bis zum vollendeten sechsten Lebensmonat ausschließlich oder überwiegend gestillt werden. Die Gesamtstilldauer soll mindestens zwölf Monate betragen – ein Jahr also, in dem Muttermilch als ergänzende Nahrung neben der Beikost eine wichtige Rolle spielt [1].

Was bisher galt – und was sich jetzt ändert

Die bisherige Empfehlung in Deutschland lautete: vier bis sechs Monate ausschließliches Stillen. Die neue S3-Leitlinie ersetzt die Untergrenze von vier durch sechs Monate – in Übereinstimmung mit den WHO-Empfehlungen [1]. Neu ist außerdem die explizite Empfehlung für eine Gesamtstilldauer von mindestens einem Jahr, solange Mutter und Kind es wünschen und gesundheitlich möglich ist.

Damit rückt Deutschland in die Nähe internationaler Empfehlungen. WHO und UNICEF empfehlen sogar zwei Jahre oder länger als Gesamtstilldauer, wenn Mutter und Kind das möchten. Bisher fehlte in Deutschland eine formal abgestimmte, evidenzbasierte S3-Leitlinie zu diesem Thema.

Warum Stillen so wichtig ist

Die Leitliniengruppe hat 30 definierte Gesundheitsendpunkte ausgewertet – 21 für die Gesundheit des Kindes, neun für die der Mutter [1]. Für das Kind zeigt die Evidenz reduzierte Risiken für Infektionen (Atemwegs-, Magen-Darm-Infekte), plötzlichen Kindstod, Übergewicht und Typ-1-Diabetes. Für die Mutter gibt es Hinweise auf reduziertes Brust- und Eierstockkrebsrisiko sowie auf einen positiven Effekt auf die Bonding-Erfahrung und die psychische Gesundheit nach der Geburt.

Laut KiGGS-Studie Welle 2 wollen fast 90 Prozent der Frauen in Deutschland stillen [1]. Die tatsächlichen Stillquoten fallen jedoch deutlich ab: Nach drei Monaten stillen noch rund 50 Prozent, nach sechs Monaten weniger als 30 Prozent voll oder teilweise. Die Gründe sind vielfältig: Rückkehr in den Beruf, mangelnde Unterstützung durch Arbeitgeber oder Betreuungspersonen, fehlende Beratung und physische Schwierigkeiten.

Wenn Stillen nicht möglich ist

Die Leitlinie thematisiert auch Situationen, in denen ausschließliches Stillen nicht möglich ist – zum Beispiel bei bestimmten Medikamenten der Mutter, bei Stoffwechselerkrankungen des Kindes oder wenn das Stillen trotz Beratung und Unterstützung nicht gelingt. In diesen Fällen sind Säuglingsanfangsnahrungen die empfohlene Alternative. Die Leitlinie stellt ausdrücklich klar: Keine Mutter soll sich schuldig fühlen, wenn Stillen nicht klappt [1].

Digitale Begleitung rund um Schwangerschaft und Stillzeit

Für Schwangere und Mütter in der Stillzeit bieten digitale Anwendungen nützliche Begleitung: von Stillprotokolle-Apps bis zu Informationsangeboten rund um Säuglingsernährung. Auf der Bestes-Datenbank finden Eltern einen Überblick über Angebote wie Keleya – eine App für Schwangerschaft und Rückbildung – und weitere digitale Gesundheitsangebote für die Familiengesundheit.

Häufige Fragen zur Stilldauer

Wie lange soll ich stillen laut aktueller Leitlinie?
Die neue S3-Leitlinie von 2026 empfiehlt sechs Monate ausschließliches Stillen und eine Gesamtstilldauer von mindestens zwölf Monaten – ergänzt durch Beikost ab dem sechsten Monat.

Was, wenn ich nicht ein Jahr stillen kann?
Jede Stilldauer ist wertvoll. Die Leitlinie ist eine Empfehlung, kein Muss. Wenn Stillen aus medizinischen oder persönlichen Gründen nicht möglich ist, gibt es gute Alternativen. Sprechen Sie mit Ihrer Hebamme oder Kinderärztin über die beste Lösung für Sie und Ihr Kind.