Ob eine Smartwatch Vorhofflimmern erkennen kann, interessiert Kardiologen seit Jahren. Nun hat die European Society of Cardiology (ESC) erstmals eine offizielle Stellungnahme veröffentlicht: Daten aus validierten Wearables dürfen unter bestimmten Bedingungen in klinische Entscheidungen einfließen. Das ist mehr als eine Formalie – es ist eine Anerkennung, die den Alltag von Millionen Menschen verändern kann.
Was die ESC-Stellungnahme besagt
Die ESC hat 2024 Kriterien definiert, nach denen Wearable-Daten klinisch verwertbar sind: Das Gerät muss einer Validierungsstudie nach dem ANSI/AAMI EC57-Standard standhalten, der Messalgorithmus muss transparent sein, und die Daten müssen in strukturierter Form in die Patientenakte fließen können. Geräte, die diese Anforderungen erfüllen – darunter bestimmte Modelle von Apple Watch, Samsung Galaxy Watch und Withings – gelten als geeignet für die Vorhofflimmern-Früherkennung.
Konkret bedeutet das: Ein Patient, der mit einer validierten Smartwatch eine Unregelmäßigkeit aufzeichnet, kann diese Daten seinem Arzt vorlegen – und der Arzt kann sie offiziell in seine Beurteilung einbeziehen. Früher war das informell möglich, aber klinisch nicht anerkannt.
Vorhofflimmern: Warum Früherkennung so wichtig ist
Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung in Deutschland: Etwa 1,5 bis 2 Millionen Menschen sind betroffen, viele wissen es nicht. Das Problem: Vorhofflimmern verläuft oft asymptomatisch oder mit unspezifischen Beschwerden wie Herzrasen oder Schwindel. Gleichzeitig ist es einer der wichtigsten Risikofaktoren für Schlaganfall – Betroffene haben ein fünffach erhöhtes Schlaganfallrisiko gegenüber der Normalbevölkerung.
Klassische Screeningmethoden – etwa ein einmaliges EKG beim Hausarzt – erfassen nur einen kurzen Zeitraum und übersehen paroxysmatisches Vorhofflimmern, das nur gelegentlich auftritt. Langzeit-EKGs sind aufwendig. Wearables hingegen messen kontinuierlich: Eine Studie aus dem Apple Heart Study Programm zeigte, dass die Apple Watch bei Personen mit bestätigtem Vorhofflimmern eine Sensitivität von über 84 Prozent erreicht.
Grenzen der Technologie
Die ESC betont ausdrücklich: Wearable-Daten ersetzen keine medizinische Diagnose. Die Spezifität – also die Rate falsch-positiver Befunde – ist bei manchen Geräten noch zu hoch für eine unkritische klinische Nutzung. Patienten, die eine Meldung ihrer Smartwatch erhalten, sollten immer einen Arzt aufsuchen, bevor Behandlungsentscheidungen getroffen werden.
Außerdem ist die Datenqualität nutzungsabhängig: Schlechter Sitz, Bewegungsartefakte oder ein schwacher Akkustand können Messungen verfälschen. Die validierten Geräte sind nicht alle gleich gut – die ESC empfiehlt, die jeweils aktuellen Validierungsstudien heranzuziehen.
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Quellen: ESC. "Wearables in Cardiology: A Scientific Statement." European Heart Journal 2024. ESC Guidelines 2024
