Pharma Studie
Von Redaktion

Schlafapnoe per Pille: Neue Tablette reduziert Atemaussetzer um 47 Prozent

FLOW-Studie 2026: Sulthiame reduziert nächtliche Atemaussetzer um 47 %. Erste orale Alternative zur CPAP-Maske – Phase 3 noch ausstehend.

Schlafen ohne Atemmaske – das ist für Millionen Menschen mit Schlafapnoe bislang kaum vorstellbar. CPAP-Geräte (Continuous Positive Airway Pressure) sind der Goldstandard der Therapie, aber viele Betroffene empfinden sie als laut, unbequem oder beziehungsbelastend. Jetzt rückt eine Alternative in greifbare Nähe: In einer europäischen Studie reduzierte der Wirkstoff Sulthiame nächtliche Atemaussetzer um bis zu 47 Prozent – als Tablette, nicht als Atemmaske.

Was ist Schlafapnoe?

Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) ist eine häufige Schlafstörung, bei der die oberen Atemwege während des Schlafs wiederholt kollabieren. Betroffene erleiden Hunderte von Atemaussetzern pro Nacht, wachen kurz auf (meist ohne es zu merken) und schlafen nicht tief genug. Die Folgen: chronische Tagesmüdigkeit, Schnarchen, Konzentrationsprobleme und langfristig erhöhte Risiken für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzrhythmusstörungen.

In Deutschland sind schätzungsweise vier bis fünf Millionen Menschen von behandlungsbedürftiger Schlafapnoe betroffen – viele ohne Diagnose, weil die Erkrankung nachts auftritt und häufig dem Schnarchen zugeschrieben wird. Risikofaktoren sind Übergewicht, männliches Geschlecht, Alter über 40 und Alkohol vor dem Schlafengehen.

Die FLOW-Studie: Sulthiame als Tabletten-Therapie

In der FLOW-Studie testeten Forschende in fünf europäischen Ländern den Wirkstoff Sulthiame an 298 Erwachsenen mit mittelgradiger bis schwerer obstruktiver Schlafapnoe. Sulthiame ist eigentlich ein Antiepileptikum, das den Atemantrieb stärkt und die oberen Atemwege stabilisiert.

Das Ergebnis: In der höchsten Dosierung sank der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI – Maßstab für nächtliche Atemaussetzer) um durchschnittlich 47 Prozent. Die Sauerstoffsättigung im Blut verbesserte sich messbar, und die Schlafarchitektur normalisierte sich teilweise. Ein Teil der Patienten erreichte sogar eine vollständige Kontrolle der Erkrankung (AHI unter 5).

Weitere Hoffnungsträger: AD109 und Tirzepatid

Sulthiame ist nicht der einzige Kandidat für eine nicht-invasive Schlafapnoe-Therapie. Das Medikament AD109 (Kombination aus Aroxybutynin und Atomoxetin) zielt auf die neuromuskuläre Steuerung der oberen Atemwege und erreichte in Studien eine AHI-Reduktion von 46,8 Prozent. Apnimed plant 2026 einen FDA-Zulassungsantrag.

Eine dritte Option ist Tirzepatid (Zepbound), das in den USA bereits als erstes Medikament speziell für Schlafapnoe bei fettleibigen Patienten zugelassen ist. Es wirkt über deutliche Gewichtsabnahme – da Übergewicht die häufigste Ursache der Schlafapnoe ist, kann die Behandlung des Übergewichts die Atemaussetzer massiv reduzieren oder beseitigen.

Bleibt CPAP die beste Option?

Für Deutschland ändern sich kurzfristig noch keine Behandlungsleitlinien. Sulthiame ist zwar als Antiepileptikum bekannt, sein Einsatz bei Schlafapnoe bleibt vorerst "off-label". Große Phase-3-Studien stehen noch aus, bevor eine reguläre Zulassung für Deutschland und Europa erwartet werden kann.

CPAP ist bei schwerer Schlafapnoe nach wie vor die effektivste Therapie und senkt das Risiko für kardiovaskuläre Folgeerkrankungen deutlich. Für Patienten, die CPAP nicht vertragen, sind Unterkieferprotrusionsschienen eine bewährte Alternative – ebenso wie Gewichtsreduktion als kausale Therapie bei Übergewicht.

Wie Schlafapnoe erkannt wird

Der erste Schritt ist ein Schlaf-Screening beim Hausarzt oder einem Schlaflabor. Hinweise auf Schlafapnoe sind: lautes Schnarchen mit Atemaussetzern (oft vom Partner berichtet), nicht erholsamer Schlaf trotz ausreichender Schlafdauer, morgendliche Kopfschmerzen und extreme Tagesmüdigkeit. Der Epworth-Schläfrigkeitstest ist ein einfaches Selbsteinschätzungswerkzeug.

Häufige Fragen

Kann ich Schlafapnoe durch Gewichtsabnahme heilen?
Ja, wenn Übergewicht die Hauptursache ist. Gewichtsabnahme von 10 bis 20 Prozent kann Schlafapnoe deutlich verbessern oder beseitigen. Bei normalgewichtigen Betroffenen ist die Ursache meist anatomisch (Kiefer, Zunge, Rachen), und andere Therapieformen sind nötig.

Was sind die Risiken unbehandelter Schlafapnoe?
Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck und metabolisches Syndrom. Zudem: erhöhtes Unfallrisiko am Steuer durch Tagesmüdigkeit. Schlaflabore und Schlafmediziner auf bestes.com/services.

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