Laut Auswertungen des Robert Koch-Instituts ist etwa jeder dritte Mensch über 60 Jahre in Deutschland von Sarkopenie betroffen.[1] Eine neue Studie im Deutschen Ärzteblatt (März 2026) zeigt: Der Rückgang der Muskelkraft bei älteren Frauen ist direkt mit erhöhter Sterblichkeit verbunden.[2] Eine Metaanalyse im Journal of Cachexia, Sarcopenia and Muscle bestätigt: Ein niedriger Skelettmuskelindex erhöht das Sterberisiko um 25–45 Prozent.

Was ist Sarkopenie?

Sarkopenie (griechisch: sarx = Fleisch, penia = Mangel) bezeichnet den progressiven Verlust von Muskelmasse und -funktion. Ab dem 30. Lebensjahr gehen jährlich 0,5 bis 1 Prozent Muskelmasse verloren; ab 60 beschleunigt sich der Abbau deutlich.[3] Ursachen sind der Verlust von Motoneuronen, Atrophie der Typ-II-Muskelfasern und anabolische Resistenz – der Körper reagiert schwächer auf den Reiz, neues Muskelgewebe aufzubauen.

Darm-Muskel-Achse: Überraschender Zusammenhang

Ältere Menschen mit dem Darmbakterium Roseburia inulinivorans wiesen 29 Prozent höhere Handkraft auf als Gleichaltrige ohne diesen Keim. Dieser Bakterienanteil sinkt in der Lebensphase, in der Sarkopenie zunimmt – Forscher sprechen von einer Darm-Muskel-Achse.[3] Der Befund eröffnet neue Ansätze in der Prävention: Darmgesundheit könnte künftig Teil der Sarkopenie-Therapie werden.

Diagnose: So wird Sarkopenie festgestellt

Die Diagnose kombiniert mehrere Tests. Beim Handgrip-Test gilt nach EWGSOP2-Kriterien ein Wert unter 16 kg (Frauen) bzw. unter 27 kg (Männer) als auffällig. Ein DXA-Scan oder eine Bioimpedanzanalyse misst die Muskelmasse direkt. Als weiteres Kriterium gilt eine Ganggeschwindigkeit unter 0,8 m/s. Einfacher Selbst-Check: Wer aus einem Stuhl nicht ohne Handeinsatz aufstehen kann, sollte die Beinmuskelkraft gezielt stärken.[3]

Krafttraining und Ernährung: Die beste Therapie

Zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche regen die Muskelproteinsynthese messbar an – Treppensteigen, Kniebeugen und Liegestütze sind dabei ebenso effektiv wie Gerätetraining.[3] Entscheidend für die Ernährung sind 1,0–1,2 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich, idealerweise 20–40 g pro Mahlzeit. Kreatin hat die stärkste Evidenz unter den Nahrungsergänzungsmitteln für Muskelaufbau im Alter. Vitamin D sollte bei nachgewiesenem Mangel – bei Ü65 häufig – nach ärztlicher Messung substituiert werden. Auch Hochbetagte profitieren: Studien belegen Muskelaufbau und Mobilitätsverbesserung selbst bei Ü80.


Tipp: Im Bestes Vorsorge-Bereich findest du Informationen zu Früherkennungsuntersuchungen und geprüfte Gesundheitsapps für aktives Altern.

Quellen

[1] Robert Koch-Institut: Gesundheit in Deutschland – Muskuloskelettale Erkrankungen. RKI, 2015. rki.de
[2] Deutsches Ärzteblatt: Muskelkraft und Sterblichkeit bei älteren Frauen. März 2026. aerzteblatt.de
[3] Cruz-Jentoft AJ et al.: „Sarcopenia: revised European consensus on definition and diagnosis“. Age and Ageing, 2019. doi.org/10.1093/ageing/afy169