RSV-Impfung für Erwachsene ab 60: Was die neue STIKO-Empfehlung bedeutet
Das Respiratorische Synzytialvirus (RSV) gilt im Volksmund vor allem als Kinderkrankheit – dabei ist es für ältere Erwachsene mindestens genauso gefährlich. In Deutschland erkranken jährlich schätzungsweise 180.000 bis 200.000 Menschen ab 65 Jahren an RSV-bedingten Atemwegsinfektionen, rund 10.000 werden stationär behandelt [1]. Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat die RSV-Impfung für Erwachsene ab 60 Jahren seit 2024 offiziell empfohlen – doch die Durchimpfungsrate bleibt bislang niedrig.
## Was ist RSV und warum ist es für Ältere gefährlich?
RSV ist ein Atemwegsvirus, das bei Säuglingen und Kleinkindern bekannt ist, aber auch Erwachsene ab 60 Jahren, Menschen mit Herzerkrankungen, Lungenerkrankungen (COPD, Asthma) und Immunsupprimierte schwer treffen kann. Im Gegensatz zur Grippe ist RSV bei vielen Menschen nicht einmal als Eigendiagnose bekannt – sie nennen es "schlechte Erkältung". Tatsächlich verläuft RSV bei immungeschwächten Älteren häufig mit Bronchitis, Bronchiolitis und Pneumonie, die eine Intensivbehandlung erfordern können [1].
Laut einer Analyse des Robert Koch-Instituts ist RSV nach Influenza und SARS-CoV-2 das drittwichtigste Virus für schwere Atemwegsinfektionen bei Erwachsenen in Deutschland. Zwischen Oktober und März – der Wintersaison – zirkuliert RSV parallel zur Grippe, was die Intensivstationen zusätzlich belastet und die Diagnose erschwert [1].
## Die verfügbaren RSV-Impfstoffe
Seit 2024 sind in Europa zwei RSV-Impfstoffe für Erwachsene 60+ zugelassen: Arexvy (GlaxoSmithKline) und Abrysvo (Pfizer). Beide basieren auf dem RSV-F-Protein und stimulieren eine starke Immunantwort ohne adjuvantiertes Lebendvirus. In den Zulassungsstudien schützte Arexvy zu 82,6 Prozent vor RSV-bedingter Atemwegserkrankung mit zwei oder mehr Symptomen – ein Schutzgrad, der auch im zweiten Jahr noch bei 67 Prozent lag [2].
Abrysvo zeigte in der RENOIR-Studie (Phase 3, n=17.215) eine Wirksamkeit von 88,9 Prozent gegen schwere RSV-Erkrankung im ersten Jahr nach Impfung. Beide Impfstoffe sind als Einmalgabe konzipiert; die STIKO empfiehlt aktuell keine regelmäßigen Auffrischungen, beobachtet aber die Langzeitdaten [2].
## STIKO-Empfehlung: Wer sollte sich impfen lassen?
Die STIKO empfiehlt die RSV-Schutzimpfung für alle Erwachsenen ab 75 Jahren sowie für Erwachsene ab 60 Jahren mit erhöhtem Risiko durch chronische Herz- oder Lungenerkrankungen, Diabetes mit Endorganschäden oder Immunsuppression. Die Kassenerstattung ist in Deutschland seit Mitte 2024 geregelt: gesetzlich Versicherte ab 60 Jahren mit STIKO-Indikation haben Anspruch auf die Impfung [1].
Die empfohlene Impfsaison ist der Herbst (September bis November), idealerweise gleichzeitig mit der Grippe- und COVID-Boosterimpfung. Kombinierte Impftermine sparen Zeit und erhöhen die Compliance nachweislich [2].
## Warum die Impfrate noch niedrig ist
Trotz verfügbarer Impfstoffe und Kassenerstattung ist die RSV-Impfquote bei Erwachsenen in Deutschland nach ersten Erhebungen deutlich unter 10 Prozent. Hauptgründe: Viele Erwachsene kennen RSV nicht als ernstzunehmende Erkrankung, Haustärzte sprechen das Thema seltener an als Grippe oder Pneumokokken, und das "RSV" klingt für viele unbekannt genug, um es zu verdrängen.
Dabei ist der Nutzen für Risikogruppen klar: Wer älter als 75 ist oder eine chronische Lungenerkrankung hat, sollte die RSV-Impfung in die jährliche Impfplanung aufnehmen – am besten im Herbst zusammen mit Grippe und Pneumokokken. Infektiologen, Pneumologen und Haustärzte auf bestes.com/services.
## Häufige Fragen
Brauche ich die RSV-Impfung jedes Jahr? Die STIKO empfiehlt aktuell keine jährliche Auffrischung. Ob eine Auffrischung nach einigen Jahren sinnvoll ist, wird anhand der Langzeitdaten entschieden.
Kann ich RSV- und Grippeimpfung gleichzeitig erhalten? Ja, beide Impfungen können gleichzeitig verabreicht werden (verschiedene Arme). Studien zeigen keine Einschränkung der Immunantwort bei kombinierter Gabe.
## Praktische Hinweise zur RSV-Impfung 2026
Die RSV-Impfung ist in Deutschland für gesetzlich Versicherte ab 60 Jahren mit erhöhtem Risiko kassenärztlich erstattungsfähig. Privat Versicherte sollten die Kostenübernahme vorab mit ihrer Kasse klären. Beide Impfstoffe – Arexvy und Abrysvo – sind als Fertigspritze im Handel und werden intramusör verabreicht. Nebenwirkungen sind typischerweise lokal (Schmerzen an der Einstichstelle) und klingen innerhalb von ein bis zwei Tagen ab [2].
Ein praktischer Tipp: Wer seinen Herbst-Impftermin für Grippe beim Hausarzt plant, kann gleichzeitig nach der RSV-Impfung fragen. Beide Impfungen können problemlos am selben Tag verabreicht werden – das spart Zeit und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Impfung tatsächlich stattfindet. Das Gleiche gilt für die COVID-19-Auffrischimpfung, die die STIKO für Risikogruppen im Herbst empfiehlt [1].
Chronisch Kranke mit Lungenerkrankung, Herzinsuffizienz oder Diabetes sollten mit ihrem behandelnden Arzt besprechen, ob die RSV-Impfung für sie sinnvoll ist. Haustärzte, Pneumologen und Internisten auf bestes.com/services.
Die Impfquote bei RSV liegt bislang unter 10 Prozent – obwohl die Kassenerstattung seit 2024 besteht. Wer seinen Hausarzt im Herbst aufsucht, sollte aktiv nach der RSV-Impfung fragen: Viele Praxen führen sie bei Bedarf sofort durch, wenn Impfstoff vorrätig ist. Die kombinierte Herbstimpfung – Grippe, COVID und RSV an einem Termin – ist sicher und erleichtert die Impflogistik erheblich für Patient und Praxis.
RSV verursacht in Deutschland jährlich mehr Krankenhauseinweisungen bei Erwachsenen über 65 als oft angenommen – Schätzungen zufolge 15.000 bis 20.000 stationäre Aufnahmen pro Jahr. Wer bereits eine COPD, Herzinsuffizienz oder einen Diabetes hat, trägt ein besonders hohes Risiko für schwere RSV-Verläufe. Die RSV-Impfung schließt damit eine echte Schutzlücke, die bislang unterschätzt wurde.
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**Quellen:**
[1] Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin: RSV-Surveillance bei Erwachsenen. 2025. https://www.rki.de/rsv-erwachsene
[2] European Medicines Agency. Arexvy / Abrysvo – EPAR Summary. 2024. https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/arexvy
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