dak.de

Rekordjahr psychischer Erkrankungen am Arbeitsplatz: Was die DAK-Zahlen zeigen

March 29, 2026

Psychische Erkrankungen sind in Deutschland auf dem Weg, zur häufigsten Ursache für Krankmeldungen zu werden. Der DAK Gesundheitsreport 2025, der die Daten von über 5 Millionen Versicherten auswertet, zeigt: Fehlzeiten wegen Depressionen, Anpassungsstörungen und Burnout erreichten 2024 einen neuen Höchststand. Durchschnittlich 4,7 Ausfalltage pro Versicherten gingen allein auf psychische Erkrankungen zurück – ein Anstieg von 12 Prozent gegenüber 2022 [1]. ## Warum psychische Belastung am Arbeitsplatz zunimmt Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Homeoffice hat Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben aufgelöst. Digitale Kommunikation bedeutet: immer erreichbar, immer verfügbar. Gleichzeitig nimmt der Leistungsdruck in vielen Branchen zu – Fachkräftemangel bedeutet, dass Einzelne mehr Aufgaben übernehmen müssen. Die WHO definiert Burnout als Syndrom aus chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich bewältigt wurde. Symptome: emotionale Erschöpfung, innere Distanz zur Arbeit und verringerte Leistungsfähigkeit. Burnout ist keine psychiatrische Diagnose nach ICD-10, sondern wird als Zusatzdiagnose kodiert. In der Praxis mündet es häufig in eine Depression oder Angststörung. ## Wer besonders betroffen ist Einige Berufsgruppen tragen ein besonders hohes Risiko: Pflegekräfte, Lehrerinnen und Lehrer, Ärzte, Sozialarbeiter, Polizisten. Was diese Berufe verbindet: hohes emotionales Engagement bei gleichzeitig oft mangelnder institutioneller Unterstützung. Auch Führungskräfte sind überproportional betroffen – nicht wegen der Verantwortung allein, sondern oft wegen des Gefühls, keine Kontrolle mehr über die eigene Zeit zu haben. Frauen haben laut DAK-Report ein rund 20 Prozent höheres Risiko für psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz als Männer. Ein Grund: Die sogenannte "double burden" – Beruf plus überproportionaler Anteil an Haus- und Familienarbeit [1]. ## Was Arbeitgeber tun müssen – und können Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet Arbeitgeber, auch psychische Belastungen in der Gefährdungsbeurteilung zu erfassen. In der Praxis passiert das noch zu selten. Die Berufsgenossenschaften und Krankenkassen bieten Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) an – von Stressbewältigungsworkshops bis zu Führungstrainings. Besonders wirksam laut Forschung: Mitarbeiter, die das Gefühl haben, Entscheidungen beeinflussen zu können, erkranken seltener. Autonomie und Wertschätzung sind die wichtigsten Schutzfaktoren gegen Burnout – wichtiger als viele Wellness-Angebote. ## Was Betroffene tun können Wer erste Warnzeichen bemerkt – anhaltende Erschöpfung, zynische Haltung zur Arbeit, Schlafprobleme, Reizbarkeit oder körperliche Beschwerden ohne körperlichen Befund – sollte nicht abwarten. Der erste Schritt: mit dem Hausarzt sprechen. Eine Krankschreibung ist keine Schwäche – sie verhindert, dass aus Stress eine behandlungsbedürftige Erkrankung wird. Mittelfristig: Betriebliche Sozialberatung nutzen (falls vorhanden), psychotherapeutische Beratung über Psychotherapie-Infoline (0800 111 0 111), und Grenzen setzen: feste Feierabendzeiten, Urlaub wirklich machen. ## Früherkennung und Rückkehr zur Arbeit: Was funktioniert Prävention beginnt mit Früherkennung. Viele Krankenkassen bieten ihren Versicherten kostenfreie Stresscheck-Tools und Screening-Fragebögen an. Der PHQ-9 (Patient Health Questionnaire) ist ein international validierter Kurztest auf Depressionssymptome, den jeder Hausarzt kostenfrei einsetzen kann. Wenn Betroffene nach einer psychischen Erkrankung wieder arbeiten wollen, gibt es ein strukturiertes Unterstützungssystem: Das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) verpflichtet Arbeitgeber, nach mehr als sechs Wochen Krankheit im Jahr ein Gespräch anzubieten – mit dem Ziel, die Arbeit so anzupassen, dass eine Rückkehr möglich wird. Dieses Gespräch ist freiwillig; Arbeitnehmer können es ablehnen. Die stufenweise Wiedereingliederung ("Hamburger Modell") erlaubt eine schrittweise Rückkehr, beginnend mit wenigen Stunden pro Tag, während Krankengeld weitergezahlt wird. Das reduziert den Druck erheblich und senkt das Rückfallrisiko. Für Unternehmen lohnt sich Investition in psychische Gesundheit auch wirtschaftlich: Fehlzeiten durch psychische Erkrankungen kosten die deutsche Wirtschaft nach BKK-Schätzungen jährlich über 40 Milliarden Euro – ein Vielfaches dessen, was Präventionsprogramme kosten würden. Rund 10 Euro Präventionsinvestition je Mitarbeiter und Jahr kann den Fehlzeitensaldo verbessern, zeigen Auswertungen der Deutschen Gesellschaft für Personalführung. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat 2024 einen aktualisierten Leitfaden zur psychischen Gefährdungsbeurteilung veröffentlicht, der Unternehmen konkrete Checklisten und Instrumente bietet. Arbeitgeber, die diese Pflicht systematisch vernachlässigen, riskieren Bußgelder durch die Gewerbeaufsicht – ein Aspekt, den die meisten Betriebe noch nicht auf dem Schirm haben. Ein weiterer wichtiger Schutzfaktor: soziale Unterstützung am Arbeitsplatz. Kolleginnen und Kollegen, die aufmerksam sind und ansprechen, wenn jemand aus dem Team überfordert wirkt, können früher helfen als jede institutionelle Maßnahme. Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz ist eine Gemeinschaftsaufgabe – und sie beginnt mit einer Unternehmenskultur, in der das Ansprechen von Überforderung keine Karrieregefahr ist. Führungskräfte, die selbst offen über Grenzen sprechen, setzen das wirkungsvollste Signal für das gesamte Team. ## Häufige Fragen **Ist Burnout das Gleiche wie eine Depression?** Nicht zwingend, aber oft verwandt. Burnout beginnt häufig als arbeitsbezogenes Erschöpfungssyndrom und kann in eine Depression übergehen. Die Behandlung überschneidet sich: Auszeit, Psychotherapie, ggf. Medikamente. **Darf der Arzt meinen Arbeitgeber über meine psychische Erkrankung informieren?** Nein. Die Diagnose auf der Krankschreibung ist vertraulich. Der Arbeitgeber erfährt nur die Arbeitsunfähigkeit, nicht den Grund. **Was ist die Psychotherapie-Wartezeit, wenn ich es eilig habe?** Psychologische Beratungsstellen (z.B. von Caritas, AWO) und Krisentelefone helfen kurzfristig. Psychiatrische Institutsambulanzen (PIA) haben oft schnellere Termine. Finde psychologische Unterstützung und Stressbewältigungsangebote auf [bestes.com/services/burnout](https://bestes.com/services/burnout) und [bestes.com/services/depression](https://bestes.com/services/depression). --- **Quellen:** [1] DAK-Gesundheit. DAK Gesundheitsreport 2025. Psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz. https://www.dak.de/dak/bundesthemen/gesundheitsreport-_208102.html [2] WHO. "Burn-out an occupational phenomenon": International Classification of Diseases. https://www.who.int/news/item/28-05-2019-burn-out-an-occupational-phenomenon-international-classification-of-diseases [3] DGPPN. Basisdaten Psychische Erkrankungen Deutschland. https://www.dgppn.de/_Resources/Persistent/3067cbcf50e837c89e2e9307cecea8cc901f6da8/DGPPN_Factsheet_Kennzahlen.pdf
Quelle lesen →

Verwandte Unternehmen

Unternehmensliste wird hier als Collection List eingefügt