Der DAK-Gesundheitsreport 2026 dokumentiert einen neuen Höchststand: Psychische Erkrankungen sind um 6,9 Prozent gestiegen und bilden den zweithäufigsten Grund für krankheitsbedingte Arbeitsausfälle. Der Gesamtkrankenstand liegt 2025 bei historisch hohen 5,4 Prozent – DAK-versicherte Beschäftigte waren im Durchschnitt 19,5 Kalendertage krankgeschrieben.[1]
Depressionen: Die Hauptlast am Arbeitsplatz
Depressionen verursachen 183 Ausfalltage je 100 Versicherte – bei Frauen 233, bei Männern 140. "Die psychischen Belastungen in vielen Berufsgruppen haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen", sagt Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit. Ursachen sind Digitalisierungsdruck, Homeoffice-Isolation und chronischer Fachkräftemangel.[1]
Besonders belastet: Der Kita-Bereich verzeichnet 586 psychische Ausfalltage je 100 Beschäftigte – 71 Prozent über dem Durchschnitt. In der Altenpflege sind es 573 Tage. Die TK beschreibt ein Belastungsparadoxon: Während die Arbeitslast stabil bleibt, wächst der subjektive Druck auf Beschäftigte.[2]
Volkswirtschaftliche Kosten und Wartezeiten
Die volkswirtschaftlichen Kosten psychischer Erkrankungen am Arbeitsplatz übersteigen laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 10 Milliarden Euro jährlich. Erkrankte brauchen im Schnitt 39 Fehltage bis zur Rückkehr in den Beruf. Der Return-on-Investment betrieblicher Gesundheitsförderung liegt laut Metaanalysen bei 1:2,5 bis 1:4,8.[3]
Die Versorgungslage ist angespannt: Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Therapieplatz beträgt 26 Wochen. Digitale Gesundheitsanwendungen wie Selfapy oder Mindable werden als Überbrückung eingesetzt. Die Telefonseelsorge ist unter 0800 111 0 111 erreichbar.[4]
Was betrieblich wirkt
Flexible Arbeitszeiten, klare Kommunikation, Employee Assistance Programs (EAP) und Führungskräfte-Schulungen gelten als evidenzbasierte Maßnahmen – mit Effektgrößen von 0,3 bis 0,5 in Metaanalysen. Das Stigma psychischer Erkrankungen ist dabei ein eigenes Problem: Menschen mit Depressionen warten im Schnitt 7 bis 10 Jahre, bevor sie Hilfe suchen. Entstigmatisierungskampagnen wie das Bündnis gegen Depression erhöhen die Inanspruchnahme messbar. Die DAK fordert eine nationale Strategie für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz – angelehnt an skandinavische Modelle mit gesetzlichen Gefährdungsbeurteilungen.[1]
Quellen:
[1] DAK-Gesundheitsreport 2026. dak.de
[2] Techniker Krankenkasse: Gesundheitsberichte 2025. tk.de
[3] BAuA: Kosten psychischer Erkrankungen. baua.de
[4] BPtK: Wartezeiten-Studie. bptk.de
