Psoriasis und kardiovaskuläre Erkrankungen: Mehr als nur Hautsache
Psoriasis ist eine chronische Hauterkrankung – oder doch nicht nur? Neue Evidenz zeigt, dass Psoriasis-Patienten ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle haben. Der Grund liegt in einer systemischen Entzündung, die weit über die Haut hinausgeht.
## Die Fakten: Psoriasis erhöht das kardiovaskuläre Risiko
Laut der European Heart Journal haben Psoriasis-Patienten ein um 44 Prozent erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und ein um 40 Prozent erhöhtes Risiko für Schlaganfälle. Besonders brisant: Diese Erhöhung ist unabhängig von klassischen Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen oder Bluthochdruck.
Eine Analyse der UK Biobank mit über 400.000 Patienten zeigte: Selbst nach Adjustierung für Body Mass Index, Blutdruck und Cholesterin blieb das erhöhte kardiovaskuläre Risiko bestehen. Das bedeutet: Die systemische Entzündung durch Psoriasis ist ein eigenständiger Risikofaktor.
## Der Mechanismus: Systemische Entzündung
Psoriasis ist nicht nur eine Hauterkrankung, sondern eine systemische Erkrankung. Das Immunsystem ist überaktiviert – vor allem T-Zellen und deren Zytokine IL-17, IL-23 und TNF-alpha. Diese Entzündungsmediatoren zirkulieren im Blut und greifen nicht nur die Haut an, sondern auch die Endothelzellen der Blutgefäße.
Die Folgen: Die Blutgefäße werden weniger elastisch, es bilden sich schneller Ablagerungen, die Arteriosklerose schreitet voran. Gleichzeitig führt die Entzündung zu endothelialer Dysfunktion – die Fähigkeit der Blutgefäße, sich zu erweitern, nimmt ab.
## Schweregrad und Risiko
Intessanterweise ist das kardiovaskuläre Risiko abhängig vom Schweregrad der Psoriasis. Patienten mit schwerer Psoriasis (> 10 Prozent der Körperoberfläche betroffen) haben ein etwa doppelt so hohes kardiovaskuläres Risiko wie Patienten mit leichter Psoriasis.
Das bedeutet: Die Entzündung der Haut ist ein Marker für die Schwere der systemischen Entzündung.
## Neue Behandlungsoptionen: Biologika senken das kardiovaskuläre Risiko
Ein großer Durchbruch in den letzten 10 Jahren: Biologika-Therapien, die gezielt die Entzündung hemmen. IL-17- und IL-23-Hemmer (wie Ixekizumab, Secukinumab) sind nicht nur hauteffektiv, sondern reduzieren auch die kardiovaskuläre Inflammation.
Eine Studie zeigte: Patienten, die auf Biologika ansprachen, hatten nach 2 Jahren eine signifikante Reduktion von endothelialer Dysfunktion und Arteriosklerose-Progression, verglichen mit Patienten unter konventioneller Therapie.
## Klinische Konsequenzen
Wie sollte man vorgehen?
1. Psoriasis-Patienten sollten ein kardiovaskuläres Risiko-Assessment bekommen – wie Raucher auch.
2. Lipide, Blutdruck und Glucose sollten aggressiver kontrolliert werden.
3. Die Entzündungsmarker CRP und IL-6 können zur Risiko-Stratifikation herangezogen werden.
4. Bei schwerer Psoriasis sollte die Biologika-Therapie erwogen werden – auch aus kardiovaskulärer Perspektive.
## Fallbeispiel
Ein 45-jähriger Patient mit schwerer Psoriasis (20 Prozent BSA) kommt zur Routine-Vorsorge. Der Blutdruck ist 140/90, Gesamtcholesterin 240, CRP 8 mg/l (deutlich erhöht). Der Patient hat bislang nur topische Therapie bekommen. Nach kardiologischer Abklärung (Belastungs-EKG zeigt ST-Senkung) wird eine IL-23-Hemmer-Therapie begonnen. Nach 6 Monaten: Psoriasis gebessert (< 5 Prozent BSA), CRP gefallen auf 2 mg/l, Blutdruck 130/80 auch ohne zusätzliche Antihypertensiva.
## Fazit
Psoriasis ist nicht nur eine Hauterkrankung. Dermatologen und Internisten sollten eng zusammenarbeiten, um das kardiovaskuläre Risiko von Psoriasis-Patienten zu senken.
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