Prostatakrebs-Früherkennung 2025: S3-Leitlinie empfiehlt PSA-Test – Tastuntersuchung wird abgelehnt
Im Juli 2025 hat die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) die umfassendste Überarbeitung der S3-Leitlinie Prostatakarzinom veröffentlicht – Version 8.1. Die digitale rektale Untersuchung (Tastuntersuchung, DRU) erhält erstmals eine explizit negative Empfehlung. Stattdessen gilt der PSA-Test für Männer ab 45 Jahren als bevorzugtes Früherkennungsinstrument. Parallel hat der G-BA ein Beratungsverfahren gestartet, ob ein risikobasiertes PSA-Screening als GKV-Kassenleistung eingeführt werden soll.
## Die häufigste Krebserkrankung bei Männern
Prostatakrebs ist mit rund 67.000 Neudiagnosen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Etwa 15.000 Männer sterben jährlich daran. Bei früher Diagnose liegt die relative 5-Jahres-Überlebensrate bei nahezu 100 Prozent. Das DKFZ hat mit der PROBASE-Studie (über 46.000 Männer) die Grundlage für die neue Leitlinie gelegt.
## Was die neue S3-Leitlinie 8.1 empfiehlt
**Wegfall der Tastuntersuchung:** Erstmals explizit negative Empfehlung der DRU. Begründung: geringe Sensitivität, keine Evidenz für Mortalitätsreduktion durch alleinige DRU.
**PSA-Test als Standard:** Ab 45 Jahren (ab 40 bei familiärer Vorbelastung) nach ärztlicher Beratung empfohlen.
**Risikoadaptierte Intervalle:** PSA < 1 ng/ml: Kontrolle nach 5 Jahren. PSA 1–3 ng/ml: alle 2 Jahre. PSA ≥ 3 ng/ml: individuelle Risikoabschätzung mit ggf. MRT.
## G-BA-Beratungsverfahren: Kommt der PSA-Test als Kassenleistung?
Bisher gilt der PSA-Test als IGeL-Leistung (20–40 Euro). Das G-BA-Beratungsverfahren (gestartet 2025) bewertet die Einführung als GKV-Standardleistung. DGU und Prostata-Hilfe Deutschland befürworten die Erstattung. Entscheidung erwartet 2026/2027.
## Was PSA leistet – und wo die Grenzen liegen
PSA misst ein Glykoprotein der Prostata. Ein erhöhter Wert ist kein Krebsbeweis: BPH oder Prostatitis erhöhen PSA ebenfalls. Spezifität bei Grenzwert 4 ng/ml: nur 25–30 Prozent. Der PHI-Test reduziert unnötige Biopsien um bis zu 36 Prozent (Loeb et al., European Urology 2015). Die mpMRT ist bei PSA ≥ 3 ng/ml empfohlen; das PSMA-PET-CT ist Goldstandard beim Staging.
## Behandlung: Aktive Überwachung als Option
Nicht jeder Tumor muss sofort behandelt werden. Bei Niedrigrisiko (PSA < 10, Gleason ≤ 6, T1c–T2a) ist Active Surveillance leitliniengerecht: PSA-Messungen und Biopsien alle 12–18 Monate. Bei lokal fortgeschrittenem Krebs: radikale Prostatektomie (auch robotisch), Strahlentherapie (IMRT, HDR-Brachytherapie), hormonablative Therapie. Biomarker-Tests (Decipher, Prolaris) helfen bei Therapieentscheidung.
## Häufige Fragen zur Prostatakrebs-Früherkennung
**Ist der PSA-Test riskant?** Der Bluttest ist harmlos. Risiko liegt in möglichen Folgeuntersuchungen. Die neue Leitlinie betont MRT-Einsatz zur Vermeidung unnötiger Biopsien.
**Zahlt die Krankenkasse den PSA-Test?** Aktuell in der Regel nicht (Stand März 2026). G-BA-Beratungsverfahren könnte dies ändern. Einige Kassen erstatten bereits im Rahmen von Satzungsleistungen.
**Was bedeutet ein erhöhter PSA-Wert?** Kein Krebsbeweis – auch BPH, Prostatitis oder Sport erhöhen PSA. Urologe bewertet im Gesamtkontext.
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**Quellen:**
[1] S3-Leitlinie Prostatakarzinom Version 8.1 (August 2025), AWMF 043-022OL
[2] DGU: Pressemitteilung Juli 2025 (urologenportal.de)
[3] Prostata-Hilfe Deutschland (prostata-hilfe-deutschland.de)
[4] G-BA: Beratungsverfahren PSA-Screening 2025 (urologische-stiftung-gesundheit.de)
[5] DKFZ: PROBASE-Studie (dkfz.de)
[6] Loeb S et al. (2015): PHI vs PSA. European Urology. DOI: 10.1016/j.eururo.2014.02.039
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