Prädiabetes-Remission halbiert Herzinfarkt-Risiko: Neue DZD-Analyse 2025
Wer Prädiabetes durch Lebensstiländerungen in normale Blutzuckerwerte umkehrt, halbiert damit sein Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben oder wegen Herzversagen ins Krankenhaus zu kommen. Das zeigt eine internationale Analyse des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD), der Universität Tübingen und des Helmholtz Zentrums München, die 2025 veröffentlicht wurde. [1]
Deutschland zählt laut Deutschem Diabetes-Zentrum rund 8 Millionen Menschen mit Prädiabetes – und die meisten wissen nichts davon. Prädiabetes ist ein Zwischenstadium: Der Blutzucker ist erhöht, aber die Diagnose Typ-2-Diabetes ist noch nicht erfüllt. Lange galt Prädiabetes als relativ harmlos. Die neuen Daten zeigen: Das Herzrisiko steigt bereits in dieser Vorstufe messbar an.
## Die Studie: Zwei Langzeitdaten, ein eindeutiges Ergebnis
Für die Analyse werteten die Forscherinnen und Forscher Daten aus zwei der weltweit größten Diabetes-Präventionsstudien aus – eine aus den USA, eine aus China. Insgesamt flossen Langzeitdaten von mehr als 2.400 Personen mit Prädiabetes ein.
Die entscheidende Frage war nicht, ob jemand sein Gewicht reduzierte, sondern ob der Nüchternblutzucker dauerhaft in den Normalbereich zurückkehrte. Das Ergebnis war eindeutig: Personen, denen diese Remission gelang, hatten in beiden Studienpopulationen ein um rund 50 Prozent niedrigeres Risiko, an einer Herzerkrankung zu sterben. Auch die Gesamtsterblichkeit sank signifikant – unabhängig davon, ob die Gewichtsabnahme ähnlich war wie in der Vergleichsgruppe. [1]
"Das Ziel muss die Remission sein – nicht nur die Gewichtsreduktion", sagte Prof. Robert Wagner, Erstautor der Studie und Internist am Universitätsklinikum Tübingen, in der Pressemitteilung des DZD. "Wer seinen Nüchternblutzucker dauerhaft normalisiert, schützt damit auch sein Herz." [1]
## Der entscheidende Grenzwert: 97 mg/dL
Als einfachen klinischen Marker für dauerhaft niedrigeres Herzrisiko identifizierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen Nüchternblutzucker von maximal 97 mg/dL. Dieser Wert ließ sich in beiden Studien reproduzieren – unabhängig von Alter, Gewicht und ethnischem Hintergrund. [1]
Das macht ihn interessant für die hausärztliche Praxis weltweit: Kein aufwendiger Test notwendig, nur ein einfacher Nüchternblutzucker. Die Botschaft lautet: Wer mit Prädiabetes diesen Wert unterschreitet und dauerhaft hält, hat sein Herzrisiko messbar gesenkt.
## Sechs Prädiabetes-Subtypen: Nicht alle Risiken sind gleich
Parallel dazu hat die Forschungsgruppe um Andreas Fritsche vom Helmholtz Zentrum München Prädiabetes in sechs verschiedene Subtypen unterteilt. Grundlage ist die TUEF-Studie (Tübingen Diabetes-Familien). [2]
Drei dieser Subtypen sind mit niedrigem Risiko assoziiert, drei mit deutlich erhöhtem Risiko für Typ-2-Diabetes, Fettleber, Herzerkrankungen und Nierenschäden. Besonders Cluster 5 fiel auf: Menschen diesem Subtyp haben ein signifikant erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes, atherosklerotische Herzerkrankung (ASCVD) und frühen Tod. [2]
Und: Bereits moderate Erhöhungen des Nüchternblutzuckers erhöhen das Herzrisiko – jede Erhöhung um 1 mmol/l steigert das Risiko für Herzerkrankungen um etwa 26 Prozent. [2]
Das bedeutet in der Praxis: Prädiabetes ist kein homogenes Bild. Zwei Personen mit identischen Blutzuckerwerten können völlig unterschiedliche Risikoprofile haben – je nachdem, welchem Subtyp sie angehören.
## Wie entsteht Prädiabetes – und was tut dagegen?
Die Hauptursachen für Prädiabetes sind bekannt: Übergewicht, insbesondere bauchbetontes Fett, Bewegungsmangel, ballaststoffarme Ernährung und genetische Veranlagung. Das Gute: Prädiabetes ist grundsätzlich reversibel.
Die Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und die Deutsche Herzstiftung empfehlen bei erhöhten Nüchternblutzuckerwerten:
- Gewichtsreduktion um 5–10 Prozent bei Übergewicht
- Mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche (z. B. zügiges Gehen)
- Ballaststoffreiche Ernährung: Vollkorn, Gemüse, Hülsenfrüchte
- Reduzierung von Industriezucker und weißem Mehl
- Raucherentwöhnung (Rauchen erhöht Insulinresistenz)
In strukturierten Präventionsprogrammen – etwa dem "Diabetes-Präventionsprogramm" (DPP) oder dem bundesweit angebotenen KKH-Kurs – können Teilnehmende mit professioneller Unterstützung ihre Blutzuckerwerte dauerhaft senken.
## Wie verbreitet ist Prädiabetes in Deutschland?
Nach Schätzungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) haben in Deutschland rund 8 bis 10 Millionen Menschen Prädiabetes. Da die Erkrankung meist keine spürbaren Symptome verursacht, werden viele Betroffene nicht diagnostiziert. Besonders gefährdet sind Personen über 45, Menschen mit Übergewicht und bauchbetonter Fettverteilung sowie Personen mit familiärer Diabetesbelastung.
Die Diagnose Prädiabetes gilt dann, wenn der Nüchternblutzucker zwischen 100 und 125 mg/dL liegt oder der HbA1c-Wert zwischen 5,7 und 6,4 Prozent. Beide Werte sind im Rahmen der kostenlosen Vorsorgeuntersuchung Check-up 35 erhältlich, die alle drei Jahre von der GKV übernommen wird.
Die neue DZD-Studie liefert damit ein wichtiges Argument, diese Untersuchung nicht aufzuschieben: Nicht nur das Diabetesrisiko, sondern auch das Herzrisiko ist bereits in der Prä-Diabetesphase erhöht – und durch frühe Intervention deutlich senkbar.
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**Quellen:**
[1] Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (DZD), 2025: "Neue Studie zeigt: Remission von Prädiabetes schützt Herz und Leben." https://www.dzd-ev.de/en/article/neue-studie-zeigt-remission-von-praediabetes-schuetzt-herz-und-leben
[2] Helmholtz München: "Präzisions-Prävention bei Menschen mit erhöhtem Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen." https://www.helmholtz-munich.de/en/idm/artikel/praezisions-praevention-bei-menschen-mit-erhoehtem-risiko-fuer-diabetes-und-herz-kreislauf-erkrankungen
[3] Helmholtz München, 2025: "Normalizing blood sugar can halve heart attack risk." https://www.helmholtz-munich.de/en/newsroom/news-all/artikel/normalizing-blood-sugar-can-halve-heart-attack-risk-1
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