March 30, 2026
Nierensteine gehören zu den häufigsten urologischen Erkrankungen in Deutschland: Rund 5 Prozent der Bevölkerung entwickeln im Laufe ihres Lebens Nierensteine, Tendenz steigend. Beim Europäischen Urologenkongress (EAU) 2025 wurden zwei wichtige Neuigkeiten vorgestellt: eine potenzielle neue Substanz zur Steinauflösung und die bisher größte Studie zur Rückfallprävention – mit ernüchterndem Ergebnis für die gängige Empfehlung 'einfach mehr trinken'. [1]
Wer einmal einen Nierenstein hatte, hat ein Rezidivrisiko von etwa 50 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Das macht die Prävention zu einem der zentralen Themen in der Urologie – und die neuen Studiendaten machen deutlich, dass bisherige Ansätze weiterentwickelt werden müssen.
Beim EAU 2025 präsentierten Forscherinnen und Forscher erste Daten zu Hexametaphosphat (HMP) als möglicher Therapie gegen Kalziumsteine. HMP ist eine Chelat-Verbindung, die Kalziumionen bindet und damit die Kristallbildung hemmt. Im Laborvergleich zeigte HMP eine bis zu 16-fach stärkere Wirkung als Citrat, der derzeit gängigsten Substanz zur Steinprophylaxe bei Kalziumoxalat-Steinen. [1] Klinische Studien stehen noch aus – HMP ist derzeit kein zugelassenes Medikament.
Die bislang größte Verhaltensstudie zur Nierensteineprävention (1.658 Teilnehmende, sechs US-Zentren) zeigte: Trotz strukturierter Flüssigkeitsberatung sank die Rate symptomatischer Rezidive nicht signifikant. Die Teilnehmenden tranken mehr – aber die Steigerung war nicht groß genug. Die Studie legt nahe, dass die EAU-Empfehlung von mindestens 2,5 Litern täglich alleine nicht ausreicht, ohne begleitende Ernährungsanpassungen. [2]
Die aktuelle EAU-Leitlinie empfiehlt eine 'Steinanalyse-gestützte Metaphylaxe'. Die optimale Prävention unterscheidet sich je nach Steintyp:
Ein häufiger Irrtum: Kalzium meiden. Das Gegenteil ist richtig – zu wenig Nahrungskalzium erhöht die Oxalatresorption und damit das Steinrisiko.
Die meisten Nierensteine bis 5 mm passieren die Harnwege spontan. Größere Steine werden urologisch behandelt: ESWL (Stoßwellenlithotripsie) für Steine unter 2 cm, URS (Ureterorenoskopie) für Harnleitersteine, PCNL (Perkutane Nephrolithotomie) für große Steine. Neue minimalinvasive Varianten machen auch größere Eingriffe zunehmend ambulant möglich.
Bestimmte Erkrankungen erhöhen das Steinrisiko: Hyperparathyreoidismus (erhöhte Kalziumausscheidung), Morbus Crohn und Kurzdarmsyndrom (Oxalatstein-Risiko), Gicht (Harnsäuresteine), Metabolisches Syndrom (Insulinresistenz fördert Harnsäureausscheidung). Wer mehrfach Nierensteine hatte, sollte diese Erkrankungen ausschließen lassen.
Neuere Forschung zeigt: Menschen mit rezidivierenden Steinen haben ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen, Bluthochdruck und chronische Niereninsuffizienz. Ein gestörter Kalzium- und Oxalatstoffwechsel schadet langfristig auch den Gefäßen. Urologische Behandlung und Metaphylaxe sind deshalb auch kardiovaskuläre Prävention.
Nierensteine nehmen auch bei Kindern und Jugendlichen zu – bedingt durch veränderte Ernährungsgewohnheiten, Adipositas und Bewegungsmangel. Bei Kindern unter 18 Jahren empfiehlt die EAU-Leitlinie eine genetische Abklärung (primäre Hyperoxalurie, Cystinurie).
Sind Nierensteine immer schmerzhaft? Nein – viele Steine werden zufällig bei Ultraschall entdeckt.
Kann ich weiter Kaffee trinken? Ja. Kaffee erhöht das Steinrisiko nicht.
Wie schnell wächst ein Nierenstein? Sehr unterschiedlich – von Monaten bis Jahren.
[1] EAU-Kongress 2025, Congress-X-Press: 'Hexametaphosphat: Neue potenzielle Therapie für Nierensteine'. https://www.medmedia.at/congress-x-press/eau/hexametaphosphat-neue-potenzielle-therapie-fuer-nierensteine/
[2] it-boltwise.de, 2025: 'Neue Erkenntnisse zur Hydrationsstrategie bei Nierensteinen'. https://www.it-boltwise.de/neue-erkenntnisse-zur-hydrationsstrategie-bei-nierensteinen.html
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