Nierensteine gehören zu den häufigsten urologischen Erkrankungen in Deutschland: Rund 5 Prozent der Bevölkerung entwickeln im Laufe ihres Lebens Nierensteine, Tendenz steigend. Beim Europäischen Urologenkongress (EAU) 2025 wurden zwei wichtige Neuigkeiten vorgestellt: eine potenzielle neue Substanz zur Steinauflösung und die bisher größte Studie zur Rückfallprävention – mit ernüchterndem Ergebnis für die gängige Empfehlung „einfach mehr trinken“.[1]

Wer einmal einen Nierenstein hatte, hat ein Rezidivrisiko von etwa 50 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Das macht die Prävention zu einem der zentralen Themen in der Urologie – und die neuen Studiendaten machen deutlich, dass bisherige Ansätze weiterentwickelt werden müssen.

Neue Substanz: Hexametaphosphat könnte Steine auflösen

Beim EAU 2025 präsentierten Forscherinnen und Forscher erste Daten zu Hexametaphosphat (HMP) als möglicher Therapie gegen Kalziumsteine. HMP ist eine Chelat-Verbindung, die Kalziumionen bindet und damit die Kristallbildung hemmt. Im Laborvergleich zeigte HMP eine bis zu 16-fach stärkere Wirkung als Citrat, der derzeit gängigsten Substanz zur Steinprophylaxe bei Kalziumoxalat-Steinen.[1] Klinische Studien stehen noch aus – HMP ist derzeit kein zugelassenes Medikament.

Ernüchternde Ergebnisse zur Hydrationsstrategie

Die bislang größte Verhaltensstudie zur Nierensteineprävention (1.658 Teilnehmende, sechs US-Zentren) zeigte: Trotz strukturierter Flüssigkeitsberatung sank die Rate symptomatischer Rezidive nicht signifikant. Die Teilnehmenden tranken mehr – aber die Steigerung war nicht groß genug. Die Studie legt nahe, dass die EAU-Empfehlung von mindestens 2,5 Litern täglich alleine nicht ausreicht, ohne begleitende Ernährungsanpassungen.[2]

Was wirklich hilft: Ernährung ist genauso wichtig wie Trinken

Die aktuelle EAU-Leitlinie empfiehlt eine steinanalyse-gestützte Metaphylaxe. Die optimale Prävention unterscheidet sich je nach Steintyp: Bei Kalziumoxalatsteinen (rund 70 Prozent) helfen viel trinken, oxalatar me Ernährung und ausreichend Kalzium aus der Nahrung – nicht aus Supplementen. Bei Harnsäuresteinen (rund 10 Prozent) wirken basenbildende Ernährung, wenig Fleisch und ggf. Allopurinol. Ein häufiger Irrtum: Kalzium meiden. Das Gegenteil ist richtig – zu wenig Nahrungskalzium erhöht die Oxalatresorption und damit das Steinrisiko.

Wann ist ein operativer Eingriff notwendig?

Die meisten Nierensteine bis 5 mm passieren die Harnwege spontan. Größere Steine werden urologisch behandelt: ESWL (Stoßwellenlithotripsie) für Steine unter 2 cm, URS (Ureterorenoskopie) für Harnleitersteine, PCNL (Perkutane Nephrolithotomie) für große Steine. Neue minimalinvasive Varianten machen auch größere Eingriffe zunehmend ambulant möglich.

Begleiterkrankungen und Risikofaktoren

Bestimmte Erkrankungen erhöhen das Steinrisiko erheblich: Hyperparathyreoidismus (erhöhte Kalziumausscheidung), Morbus Crohn und Kurzdarmsyndrom (Oxalatstein-Risiko), Gicht (Harnsäuresteine) sowie metabolisches Syndrom. Wer mehrfach Nierensteine hatte, sollte diese Erkrankungen ausschließen lassen. Neuere Forschung zeigt zudem: Menschen mit rezidivierenden Steinen haben ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen, Bluthochdruck und chronische Niereninsuffizienz.

Tipp: Trinkmenge, Ernährung und Symptome dokumentieren hilft Urologen, die richtige Metaphylaxe zu wählen. Gesundheitstagebuch in der Bestes App

Quellen

[1] EAU-Kongress 2025, Congress-X-Press: „Hexametaphosphat: Neue potenzielle Therapie für Nierensteine.“ https://www.medmedia.at/congress-x-press/eau/hexametaphosphat-neue-potenzielle-therapie-fuer-nierensteine/

[2] it-boltwise.de, 2025: „Neue Erkenntnisse zur Hydrationsstrategie bei Nierensteinen.“ https://www.it-boltwise.de/neue-erkenntnisse-zur-hydrationsstrategie-bei-nierensteinen.html